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Das Hotel Harakiri von Stefan Veith
 

Das Hotel Harakiri von Stefan Veith

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Hören, sehen, fühlen, schmecken

Foto: Detlef Kinsler
Foto: Detlef Kinsler
Direktor Stefan Veith empfängt im Hotel Harakiri Gäste wie Hans Zippert, Jad Fair oder Smudo. Für Kopfkino vom feinsten und Post-Dada (oder einfach nur gaga) auf zwei CDs mit mehr als nur Musik.
Wer vornweg geht läuft nicht hinterher. Getreu dem Motto hat Stefan Veith Spuren in der Szene hinterlassen. Als Promoter und Talentscout stilprägender Labels für elektronische Musik wie Force Inc. und Mille Plateaux, Konzeptpartymacher („Give 'em a House“ mit DJs wie Ata, Julian Smith, Sven Väth) und Plattenproduzent (etwa mit dem Pantagruel-Projekt und einem Electro-Update der britischen Art Rocker Gentle Giant). In den letzten Jahren war es stiller um den umtriebigen Macher. Tribut an eine schwere, lebensbedrohende Krankheit. Aber auf Internetforen wie „Verrrückt“ (mit drei R!) und „Hotel Harakiri“ pflegte er den philosophischen Austausch. „Neue Freunde wollten immer meine alten Geschichten hören und viele, die mich von früher kannten, meinten: schade, dass Du nichts mehr machst“, erzählt Veith. „Irgendwann habe ich gesagt: jetzt reicht’s. Ich bin doch kein alter Opa, der aus seinen Memoiren rezitiert. Lasst mich in Ruhe.“ Bei einem Treffen mit Smudo (den kennt er, seitdem er 1980 bei dessen Familie in Gerlingen mal als Nikolaus auftrat) riet der ihm: Am besten Du machst noch mal was. „Aber allein schaff’ ich das nicht mehr“, gab Veith zu bedenken und suchte sich weitere Mitstreiter. Wie Mr. Collectionism Peter Fey als Komponist und Labelchef. Wie seine alten Titanic-Freunde Hans Zippert und Olli Schmitt. Oder den US-Kultkünstler Jad Fair, Schauspieler Sebastian Hülk, Politaktivist Thomas Nufer alias n.U.F.O., MdB-Mitglied Prof. Dr. Matthias Zimmer (CDU). 57 Stücke wurden schließlich zusammengetragen. Nach unzähligen Treffen und Gesprächen in der inspirierenden Atmosphäre der Konditorei Amendt in der Hügelstraße und Veiths Wohnzimmer, gleichzeitig Ashram seines Alteregos Swami Durchananda. Für pralle 158 Minuten auf zwei CDs, Titel „Falsche Männer in falschen Etagen“ und unter dem Logo Hotel Harakiri. „Wenn man ins Hotel geht, hat man alle möglichen Leute zu ertragen, mit denen man sonst nichts zu tun hat“, erklärt der gelernte Hotelkaufmann das Konzept. Ein Kommen und Gehen. Die Verdichtung der Welt draußen. Viel Platz auch für Skurriles, Absurdes, Groteskes. Ein Musikalbum? Ein Hör- oder Singspiel? Eine Kopfkino anregende Collage? Satire mit anderen Mitteln? „Ich sehe es mehr als Lebensarchiv weil viele sehr persönliche Texte drauf sind“, begreift Veith seine und anderer Weisheiten nicht als „harte Satire“. „Mir ging es ein lebensbetonendes, aber waches und reflektiertes, sich selber auf den Prüfstand stellen.“ Demut vor dem Leben heißt die Botschaft. Dabei ist er seelisch so erfüllt wie er es zuvor nie war. Detlef Kinsler

>> Hotel Harakiri: Falsche Männer in falschen Etagen, Orkestrion Schallfolien
 
21. Dezember 2015, 10.36 Uhr
Detlef Kinsler
 
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