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Buchmesse

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Die Familie feiert

Die Party der Frankfurter Verlagsanstalt gilt als die Nabelschau der Buchmessenwelt. Das liegt vor allem am Verleger Joachim Unseld, der eben keine Party macht, sondern eine Familienfeier ausrichtet.
Am Anfang gibt es eine Lesung. Diesmal ist es Nino Haratischwili (Archiv-Foto), die in Tiflis geborene Autorin liest aus ihrem Wunderwerk „Mein sanfter Zwilling“, mit Tonstörungen zwar, doch auch die werden mit allgemeiner Heiterkeit hingenommen - und die macht sich seltsamerweise auch breit, als der Verleger bei der Zusammennahme des aktuellen Programms - darin auch ein Buch über den Missbrauch einer Siebenjährigen -, über seine Zeit bei der Odenwaldschule erzählt, wo er von den dortigen Abwegen jedoch nichts mitbekam, jedenfalls Herrn Becker als die Lichtgestalt der Pädagogik wahrnahm, für den ihn manche Unverbesserliche immer noch halten. Nein, es gibt da nichts zu Lachen, doch es ist auch egal, denn dieser Anfang jedenfalls gibt keinen Ausschlag für den dann folgenden Abend, der stets nach ähnlichen Wellenbewegungen zu verlaufen scheint. Zu schreiben ist aber zuvörderst noch vom schönen Bonmot Unselds, seine Frankfurter Verlagsanstalt produziere nun pBooks - also printed Books. Hört sich ja auch gleich viel moderner an. Nun dann: Die wenigen geladenen Gäste füllen das Erdgeschoss des Hauses im Diplomatenviertel beinahe zur Gänze, das Buffet ist eröffnet, der Wein läuft in Strömen, vereinzelt auch Biere, die Prominenz (von Hannelore Elsner bis zu Harald Martenstein) steht genauso herum wie manch scheuer Autor, manch Schriftstellerin im kleinen Schwarzen, später kommen noch die Leute von der Party der Fischer-Verlage vorbei, die erzählen, dass es dort wieder zu voll und zu eng und zu weißnichtwas war, und freuen sich, nun gewissermaßen in der Familie angekommen zu sein. Buchmessenchef Jürgen Boos ist da und Börsenvereinschef Alexander Skipis, der Kulturdezernent ohnehin und Bodo Kirchhoff sowieso. Je später der Abend, je schwieriger der Abschied, es trudeln auch immer noch Zuspätgekommene ein und Leute, die von anderen Gästen an der Tür vorbeigeschmuggelt wurden, also hier noch eine Vorstellung, eine Umarmung, ein Küsschen links und rechts, dort noch jemand, den man UNBEDINGT kennenlernen müsse, es ist hier eben nicht so wie die anderen Empfänge, über die Monika Kunz in der FAZ sagen darf: „Ständig fallen sich da irgendwelche Leute in die Arme, und heimlich gucken sie schon, wer zwei Meter weiter steht, damit sie dem dann in die Arme fallen können.“ Nein, man unterhält sich wie unter Freunden, wie in einer Familie, und die duldet auch so einen wie Sascha Lobo, auch wenn hinter vorgehaltener Hand über Irokesen gelästert wird, und darüber, dass einem ja auch nichts erspart bliebe. Später dann werden Legenden ausgetauscht über vergangene Partys, über zerstörte Bilder an den Wänden (dieses Jahr hängt ein gefährlich großer Florian Heinke im Wohnzimmer) und innigen Partnerschaften, die just in Nächten wie diesen geschlossen (und oftmals schnell wieder gelöst) wurden. Im Lesezimmer droht einen die deutsche Nachkriegsliteratur zu erdrücken, viel Fischer, noch mehr Suhrkamp, natürlich. Die Edition des Verlags schillert in den Farben des Regenbogens - immerhin durch Plastikfolien vor den etwaigen Fehltritten manches Besuchers gefeit. So geht ein wunderbarer Abend dahin, frierend zwischen den Rauchern auf der Terrasse oder in der Enge des Flures, in dem sich auch die Elsner ganz brav in die Schlange vor der Toilette einreiht. Jetzt nur noch den Absprung finden, vor der Tür die nächste Schlange: Taxifahrer, die auf Kundschaft warten. Sie wissen, wo was geht, selbst wenn es Familienfeiern sind. Bis zum nächsten Jahr, vielen Dank!
 
14. Oktober 2011, 11.27 Uhr
Nils Bremer
 
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