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Buch über „Frankfurter Wegsehenswürdigkeiten“.
 

Buch über „Frankfurter Wegsehenswürdigkeiten“.

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Hier gibt es nichts zu sehen!

Noch ein Buch, dass sich der Hässlichkeit der Stadt widmet. Der dritte Band der „Frankfurter Unorte“ ist bereits im Handel. Nun legen 43 Autoren nach. Gemeinsam beschreiben sie „Frankfurter Wegsehenswürdigkeiten“.
„Übermenschliche Kräfte scheinen nötig, um sich in einer Stadt wie Frankfurt seine Heimat zu schaffen.“ Mit diesem Zitat von Schriftsteller Bodo Kirchhoff beginnt das Werk „Frankfurter Wegsehenswürdigkeiten“. Besser kommt die Stadt auch in den darauffolgenden 222 Seiten nicht weg. Insgesamt 43 Autoren zeigen nicht die schönste Seite der Stadt – sondern die scheußlichste. Das Konzept ist nicht neu. Auch die Autoren Frank Berger und Christian Setzepfandt widmen sich – in bereits drei Büchern – den „Unorten in Frankfurt“. Setzepfand führt die Leser sogar persönlich bei Führungen zu den Schauplätzen des Buche.

Im Aufbau unterscheiden sich die beiden Werke leicht. Bei „Unorte in Frankfurt“ wird je ein Ort beschrieben, der auch mit einem „Un“-Wort betitelt wird. Etwa „Unbiegsam – Erste Eisenbahnbrücke“ oder „Unbeschnitten – Phallus im Kloster“. Die „Wegsehenswürdigkeiten“ sind nach Autoren gegliedert. Jeder widmet sich in einem Kapitel seinem persönlichen Schandfleck. Dadurch variieren die Kapitel stark in Sprache, Aufbau und Länge.

Die in Wanne-Eickel geborene „Der Handel“-Redakteurin Sybille Wilhelm fordert etwa ein „Krawattenkabumm“. Sprich, mit dem Krawatten-Kunstwerk „Inverted Collar and Tie“ vor dem Hochaus Westendstraße 1 soll genauso verfahren werden, wie mit dem AfE-Turm: Einfach wegsprengen. FAZ-Reiseredakteurin Andrea Diener ärgert sich dagegen über „Angloquatschagglomeration" im Europaviertel. Der manifestiere sich in Namensgebungen wie dem „Central & Park“, der hier angelegt wurde.

Auch zwei Titanic-Urgesteine leisten ihren Beitrag. Etwa der ehemalige Chefredakteur des „Faktenmagazins“, Leo Fischer. „Südlich der Alten Oper, entlang der triumphalen Finanzarchitektur der deutschen Bank und anderer, kleinerer Übel, erstreckt sich eine Serie kompakt organisierter Parkanlagen, die den Bankern und ihren Lakaien als Ort der Naherholung, als erweiterter Raucherraum und öffentliches Pissoir dienen“, schreibt der gebürtiger Münchner. Fischer bezeichnet in seinem Kapitel die Alte Oper selbst als „geschmacklose Rekonstruktion eines überteuerten Veranstaltungsorts“. Auch die Skulptur der „Liegende“ von Rudolf Kipp aus dem Jahre 1937 kommt nicht gut weg. „Was sich hier in Stein anpreist, gibt es für kleines Geld im nur wenige Minuten entfernten Bahnhofsviertel“, heißt es.

Auch ein weiterer, ehemaliger Titanic-Chefredakteur gibt seinen Senf dazu. Oliver Maria Schmitt widmet sich dem Quartier, in dem er lebt – dem Nordend. Genauer gesagt, der Zettelwirtschaft dort. Die Sprache ist etwa von einer Botschaft, die die Mitarbeiter des Café Sahnesteif in ihr Fenster klebten: Hier wurde angeprangert, das Café werde „allzu oft mit einem Kinderhort verwechselt.“ Daher sollen sich Mütter doch bitte ein anderes Plätzchen suche. Schmitt berichtet von dem darauf folgenden Kleinkrieg im Viertel – zwischen „sonnenbebrillten Nordendmüttern“, „egozentrischen Nachwuchsverweigerern“ und „geltungssüchtigen Designkinderwagenschiebern“.

Manche Orte kommen aber auch besser weg, als ihr Ruf. Wie die B-Ebene. Schriftsteller Rayk Wieland etwa schreibt von seinem ersten Aufenthalt in dem berüchtigten Untergeschoss der Hauptwache. „Man war tatsächlich einfach durchgelaufen, durch diesen unheimlichen Subkontinent. Und man war, ohne dass Pistolenkugeln einem um die Ohren flogen und fliegende Messer durch die Luft sirrten, davongekommen“, berichtet der gebürtige Leipziger.

>> Frankfurter Wegsehenswürdigkeiten, verlegt von Waldemar Kramer, Verlagshaus Römerweg, erhältlich für 14,90 Euro

>> Führungen mit Christian Setzepfand zu „103 Unorte in Frankfurt“, organisiert von Frankfurter Stadtevents am 21. Oktober, 18.30 Uhr, Treffpunkt: traffiQ-Verkehrsinsel, Zeil 129/Hauptwache, Eintritt: 23 Euro
 
14. Oktober 2014, 12.50 Uhr
Christina Weber
 
Christina Weber
Jahrgang 1983, Studium Online-Journalismus, seit 2014 Volontärin beim Journal Frankfurt – Mehr von Christina Weber >>
 
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Leser-Kommentare

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Michael Ott am 15.10.2014, 02:00 Uhr:
@ Marion: Aus demselben Grund, warum sich die Zeitung mit den vier großen Buchstaben so gut verkauft: Gruselfaktor... und Bestätigung der eigenen Meinung. Dabei ist Frankfurt so faszinierend, weil es eben viele verschiebene Gesichter hat und nicht nur schick und hipp ist. Das mit dem Norendmuttis und dem Café ist allerdings ein alter Hut und furchtbar ausgelutscht.
 
Marion Woodall am 14.10.2014, 13:49 Uhr:
Warum in aller Welt sollte sich jemand solch ein Buch kaufen, egal von welcher Stadt?
 
 
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