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Batschkapp-Chef Ralf Scheffler wird 70
 

Batschkapp-Chef Ralf Scheffler wird 70

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Voller Adrenalin

Foto: dk
Foto: dk
Erst der Umzug von Eschersheim nach Seckbach-Süd, dann das 40. Jubiläum des Clubs – zu feiern gab es zuletzt viel für Batschkapp-Chef Ralf Scheffler. Jetzt wird er 70 und fragt sich: Was soll der ganzen Hype? Gefeiert wird trotzdem am Abend vor Silvester.
Als Ralf Scheffler am 30. Dezember 1998 seinen 50. Geburtstag im Nachtleben feierte, kamen viele seiner Weggefährten zum Gratulieren. Johnny Klinke unterbrach seine Arbeit im Tigerpalast und schaute mal kurz vorbei. Tom Koenigs, zu der Zeit Dezernent für Umwelt, Energie und Brandschutz der Stadt Frankfurt, war genauso dabei wie Joschka Fischer. Der war gerade im Herbst von Bundeskanzler Gerhard Schröder zum Außenminister der ersten rot-grünen Bundesregierung berufen worden. Deshalb musste der Vizekanzler – was ihm eher peinlich war bei dieser Fete unter Freunden – mit Personenschützern anreisen. Gut ein halbes Dutzend Bodyguards werden es gewesen sein. Eine Gruppe verteilte sich auch auf der Konstablerwache. Die Männer in Schwarz und mit Funkknopf im Ohr sorgten für reichlich Irritation bei den kleinen Dealern rund um den Platz. Nach kurzer Verständigung verschwanden die ganz schnell von der Bildfläche und tauchten in die B-Ebene der U- und S-Bahn ab. In dieser Nacht war wohl kein Gramm Shit an der „Konsti“ zu bekommen.

Den Sechzigsten hat Scheffler nicht öffentlich begangen. „Da war ich mit meiner Frau Doris in Paris“, erinnert er sich. „Und ich hatte mir dieses Jahr auch überlegt, es wieder ausfallen zu lassen.“ Aber dann wollte er doch nicht dem Mechanismus nachgeben, der offensichtlich einsetzt, wenn man älter wird: Ich will davon nichts wissen. „Es nutzt ja nichts“, lacht er. „Du kannst es nicht wissen wollen, kannst auch so tun, als wäre es gar nicht so, nur das macht es wahrscheinlich für viele noch schlimmer als es tatsächlich ist.“ Zu feiern gab es eh genug für Scheffler in den letzten Jahren. Das 40. Jubiläum seiner Batschkapp vor zwei Jahren, der Umzug in die neue Location in Seckbach-Süd 2013. Ein Geschenk, dass sich der gebürtige Hochheimer auch selbst machte – zum 65. Geburtstag. Klar, dass da gewitzelt wurde: in einem Alter, in dem andere in Rente gehen, erfüllt er sich endlich seinen lang gehegten Wunsch. „Als Unternehmer hast du doch kein Rentenalter“, kontert Scheffler. „Das ist ja eine Errungenschaft, die nur mit einem bestimmten Teil der Gesellschaft zu tun hat, für die, die in die Fabrik gegangen sind. Der Rest hat dann davon profitiert, aber ich wüsste jetzt nicht, wieso ich mit 65 das Arbeiten hätte einstellen sollen ...“ Während lange Jahre der Jugendwahn beschworen wurde, ist jetzt der Slogan „Siebzig ist das neue Fünfzig“ der neue Hype. „Aus der Innensicht, also wenn ich aus mir herausgucke, sehe ich keinen Unterschied, ob ich nun 30 oder 70 bin.“




Auch mit 70 noch voller Adrenalin (Foto: Detlef Kinsler)

Nur wenn man alte Schulkameraden bei Klassentreffen sieht und hört sie parlieren über Themen wie „altersgemäßes Benehmen“ etc., kommt man – wenn auch nur für Momente – ins Grübeln. „Dass ich jetzt merken würde, ach, du bist jetzt bald 70, also musst du dich gedeckt anziehen, die Gefahr besteht nicht.“ Das Outfit beim Interview belegte es: rote Jacke zum blauen Pullover, dazu grüne Socken, dynamisch, den Blick in die Zukunft gerichtet. Nur was, wenn jetzt alte Freunde oder die Familie auf die Idee kämen, das Leben des Ralf in Worten und Bildern Revue passieren zu lassen? Bei einem Freund wurden einmal Sketche aufgeführt. Eine Horrorvision für Scheffler. „Hier macht keiner eine Diashow. Was an dem Abend passiert, bestimme ich und sonst niemand“, macht er eine klare Ansage. Livemusik wird es geben, wahrscheinlich spielt sich Ralf mit der Batschkapp-Hausband The Terrible Noises selbst ein Ständchen. Seitdem er vor mehr als zehn Jahren die Gitarre wieder für sich entdeckt hat, frönt er der Musik wieder mit viel mehr Leidenschaft, trat sogar auf dem Burg Herzberg-Festival auf.

Bei allem Engagement als Veranstalter, gönnt sich Scheffler genug Freizeit. Zu seinem Lieblingshobby kam er, „als die Mädels im Nachtleben einen Tag mit Tandemspringen in Michelstadt organisiert haben und mich fragten, ob ich nicht mitkommen wolle.“ Da sah Scheffler auch Kappenformationen beim Training. Die Wettbewerbsdisziplin faszinierte ihn. Sein Vater war Fallschirmjäger im 2. Weltkrieg, der Sohn wurde eingezogen und kam – zu den Fallschirmspringern. „Weil ich Kriegsdienstverweigerer war, war nichts mit Springen. Ich kam in die Schreibstube.“ Der Senior unterstütze den Junior zwar, dachte wohl insgeheim, sein Ralf habe eh Angst davor. „Ich habe mir natürlich beim ersten Sprung in die Hosen geschissen, aber die offene Rechnung mit meinem Vater hatte ich jetzt beglichen.“ Im Frühjahr darauf meldete sich Scheffler bei einer Sprungschule in Stierstadt an. Einmal den inneren Schweinehund überwunden, hinterlässt das Springen fast jeden so begeistert, dass es einen einfach nicht mehr loslässt. So gerne er hier in Deutschland springt, so sehr zieht es ihn in die Ferne wo es stabilere Wetterverhältnisse und mehr Platz und Zeit für Sprünge gibt. Ob Sevilla oder Sardinien – sein Lieblingsziel ist das ferne Arizona. Ein echtes Fallschirmspringer-Eldorado. „Während sie in Gießen, wo ich gerne hingehe weil mir alles vertraut ist, eine Mittagspause machen müssen, weil sich Bürger beschwert haben, kannst du in den USA zehn Sprünge pro Tag machen wenn du willst.“

Was macht das Fallschirmspringen so attraktiv für Scheffler? „Der Punkt ist: Was es von allen Tätigkeiten, die ich sonst so mache, unterscheidet, ist, dass du für diese 60 Sekunden, quasi ab dem Zeitpunkt, wo du auf 4.000 Metern in der Tür des Flugzeugs stehst, so fokussiert auf eine einzige Sache bist, auf diesen Ablauf, den du dir vorher überlegt hast, dass da kein Platz für irgendetwas anderes im Kopf ist“, schwärmt er. „Und das ist ein Zustand, um den mit Meditation zu erreichen, musst du dich schon sehr anstrengen. Alles andere wird vollkommen ausgeblendet. Das bläst den Kopf richtig frei. Alle Probleme, die dich vorher beschäftigt haben, sind erst einmal weg.“ Und es setzt so viel Adrenalin im Körper frei, dass die Springer hinterher vollkommen euphorisiert sind. Das schafft keine Droge der Welt.




Ralf Scheffler hebt ab (Foto: privat)



Dieser Artikel erschien zuerst in Ausgabe 12/1018 des JOURNAL FRANKFURT.
 
28. Dezember 2018, 10.57 Uhr
Detlef Kinsler
 
Detlef Kinsler
Weil sein Hobby schon früh zum Beruf wurde, ist Fotografieren eine weitere Leidenschaft des Journal-Frankfurt-Musikredakteurs, der außerdem regelmäßig über Frauenfußball schreibt. – Mehr von Detlef Kinsler >>
 
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