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Anne Imhof trägt sich in das Goldene Buch ein
 
Anne Imhof trägt sich in das Goldene Buch ein
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Wann es an der Zeit ist, die Faust zu erheben
Foto: Bernd Kammerer
Foto: Bernd Kammerer
Für ihre Inszenierung "Faust" im Deutschen Pavillon auf der Biennale in Venedig wurde die Frankfurter Künstlerin Anne Imhof nun auch von der Stadt gewürdigt. In einem Festakt trug sie sich in das Goldene Buch ein.
Ein bisschen verwirrend war der Festakt, als sich die Künstlerin Anne Imhof in das Goldene Buch der Stadt eintrug. Die üblichen Sitzreihen gab es nicht, stattdessen verstreuten sich die Gäste mitten im Raum. Konventionell durfte es am Mittwochmittag bei dieser Ehrung natürlich nicht zugehen. Anne Imhof bekam für ihre Inszenierung "Faust" im Deutschen Pavillon der 57. Kunstbiennale in Venedig den Goldenen Löwen und wurde nun auch von der Stadt Frankfurt geehrt. Denn schon Oberbürgermeister Peter Feldmann stellte in seinem Grußwort fest, dass Imhofs künstlerische Gestaltung "keinem allgemeinen Konsens folgt, keine Mehrheit fordert, allein sich selbst verpflichtet ist". Frankfurt könne stolz sein, der Startpunkt für die Blitzkarriere einer solch internationalen und hochkarätigen Künstlerin zu sein.

Kulturdezernentin Ina Hartwig betonte, Anne Imhof habe mit ihrer Version von "Faust" ein "verstörendes, fünfstündiges Epos geschaffen", mit „auratischen, bisweilen elegischen Bildern". Die fünfstündige Performance habe ihre Zuschauer ergriffen und beeindruckt hinterlassen. "Gute Kunst zeichnet sich dadurch aus, nicht eindeutig und doch deutbar zu sein", so die Kulturdezernentin weiter und setzte sogleich zu einem eigenen Deutungsversuch an und vermutet im Mephistopheles die digitale Maschinerie. Sie lobt Anne Imhof dafür eine beklemmend schöne Atmosphäre geschaffen zu haben: "Körper junger Menschen, gefangen im Traum".

Anne Imhof bedankte sich beim Festakt mehrmals für die Leistung der Performer und betonte, dass lediglich zwei von ihnen einen deutschen Pass hätten. Das spiegle auch ihr Bild von Frankfurt wider. "Ich schätze Frankfurt als Stadt sehr. Die Straße prägt mich sehr", sagte sie. Sie lebt und arbeitet im Bahnhofsviertel und arbeitete früher als Türsteherin für das Robert Johnson. Begonnen hat sie ihre Laufbahn als Künstlerin an der Hochschule für Gestaltung in Offenbach. Sie machte ihren Abschluss an der Städelschule und arbeitete in dem in der Gutleutstraße ansässigen Atelier- und Ausstellungshaus basis.

Nach Abschluss des Studiums an der Städelschule 2012 folgte ein Jahr später die erste Einzelausstellung im Portikus. 2015 wurde Imhof der Preis der Nationalgalerie verliehen, in diesem Jahr folgte dann der Goldene Löwe für die Gestaltung des Deutschen Pavillons in Venedig.

Anne Imhof sagte während ihrer Ehrung über die Arbeit lediglich, dass "Faust" den Stolz ausdrücke "eine Frau zu sein in dieser Welt". "Die Zukunft besteht aus den Entscheidungen, die wir treffen. Wir müssen reflektieren, wann wir "Ja" sagen und wann wir "Nein" sagen und wann es an der Zeit ist, die Faust zu erheben."
11. August 2017
Tamara Marszalkowski
 
Tamara Marszalkowski
Jahrgang 1987, Studium der Kunstgeschichte, Ethnologie und Pädagogik in Frankfurt, seit 2015 beim Journal Frankfurt. – Mehr von Tamara Marszalkowski >>
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