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Wiedereröffnung Gastronomie
 

Wiedereröffnung Gastronomie

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Wenn fünf Quadratmeter entscheiden

Foto: Pexels
Foto: Pexels
In Hessen dürfen Gastronomiebetriebe ab dem 15. Mai wieder öffnen. Doch nicht alle Frankfurter Restaurants nehmen den Betrieb auf: Einige bleiben aus Protest gegen die Corona-Auflagen geschlossen.
Seit Freitag dürfen Restaurants, Bars und Cafés in Hessen wieder öffnen. Das hatte die Hessische Landesregierung als eine der Lockerungs-Maßnahmen beschlossen. Zwar war die Freude unter Gästen und Gastronomien über die Entscheidung zunächst groß, inzwischen sind die Meinungen jedoch gespalten. Die Auflagen, die für eine Öffnung zu erfüllen sind, führen dazu, dass Frankfurts Restaurant-Landschaft inzwischen wie ein Flickenteppich aussieht: Während einige Restaurants und Cafés wie das Carmelo Greco, das Oosten oder das Sunny Side Up öffnen, bleiben viele geschlossen. Andere öffnen bewusst erst in den kommenden Tagen; sie wollen damit ein Zeichen des Protests setzen.

„Wir eröffnen frühestens am Samstag“, sagt Julia Rose, Restaurantleiterin des La Cevi im Nordend. „Auch wir zeigen uns damit solidarisch unserer Branche gegenüber. Denn: Die Bedingungen sind hart. Für viele Gastronomien lohnt es sich einfach wirtschaftlich gesehen nicht, wenn sie öffnen.“ Auch das La Cevi wird unter anderen Bedingungen öffnen. Statt 84 dürfen nur noch 22 Gäste gleichzeitig ins Restaurant, das Personal muss einen Mund-Nasen-Schutz tragen. Zudem werde man Stundenslots einrichten und Tische umstellen. „Im Optimalfall setzen wir Tischmarkierungen, kennzeichnen Laufwege und ermöglichen einen separaten Ein- und Ausgang“, so Rose. Je nachdem, wie die Vorbereitungen laufen, werde das La Cevi dann in den kommenden Tagen eröffnen.

Andere Restaurantbetreiberinnen und -betreiber haben sich dazu entschieden, weiterhin geschlossen zu bleiben. „Was die Regierung uns da an Öffnungsszenarien vorgelegt hat, ist einfach untragbar“, sagt Sascha Euler, Inhaber des Restaurant- und Bar-Konzepts Naiv in der Innenstadt. „Wir stehen wie vor einer Wand. Wir dürfen nur noch 20 Prozent aller Gäste bewirten, sollen aber mit 100 Prozent an Kosten fahren.“ Unter den Auflagen dürfe er nur noch 19 Gäste in seinem Laden bedienen, unter Normalbedingungen wären es fast hundert mehr; ein Öffnen würde sich für ihn und sein Team einfach nicht lohnen. „Wir haben das Glück kulante Mieter zu haben. Ansonsten machen wir alles, um weiter zu überleben“, sagte Euler. „Das Schlimmste ist eigentlich, dass die Regierung denkt, man könne auf den kleinen Gastronom ruhig verzichten. Doch gemeinsam machen wir als Gastrobranche einen riesigen Teil der Wirtschaft aus“, so Euler. „Einfach zu sagen ‚Ja mach mal‘, ist nicht fair.“

Mit der Nicht-Öffnung wollen die Gastronominnen und Gastronomen ein Zeichen setzen, sie fordern von der Regierung mehr Unterstützung und langfristige Fahrpläne. „Ideal wäre eine Mehrwertsteuer von 7 Prozent auf Speisen und Getränke, die zeitlich unbegrenzt und nicht auf ein Jahr limitiert ist“, so Euler. Darüber hinaus müsse die Abstandsregelung sinnvoll überdacht werden.

Auch Oberbürgermeister Peter Feldmann (SPD) zeigte Verständnis für die Kritik seitens der Gastronomie. „Alle anderen Bundesländer sind da pragmatischer als Hessen“ so Feldmann. Er sprach sich für eine Angleichung des hessischen Sonderweges an den nationalen Standard aus. In anderen Ländern, wie beispielsweise in Rheinland-Pfalz, Berlin oder Nordrhein-Westfalen dürfen Restaurants ebenfalls öffnen, dort gelten jedoch die aktuellen Abstandsregeln von 1,5 Metern, eine 5-Quadratmeter-Regel gibt es nicht. Darüber hinaus ist sowohl im Innen- als auch im Außenbereich das Tragen einer Mund-Nasen-Bedeckung Pflicht – nur am Tisch dürfen die Gäste ihre Masken abnehmen.

„Ich kann mir nicht vorstellen, dass unter diesen Umständen überhaupt Gäste kommen würden“, so Sascha Euler. „In unserem Laden sitzen die Gäste eng zusammen, viele stehen an der Bar oder an den Stehtischen, das alles wäre nicht möglich.“ Julia Rose hingegen hat schon vermehrt Reservierungsanfragen für das La Cevi bekommen: „Viele Leute haben uns bereits über Instagram geschrieben oder uns angerufen; wir freuen uns, wieder öffnen zu können.“
 
15. Mai 2020, 12.10 Uhr
Sina Eichhorn
 
Sina Eichhorn
Jahrgang 1994, Studium der Germanistik an der Justus-Liebig-Universität Gießen, seit Oktober 2018 beim Journal Frankfurt. – Mehr von Sina Eichhorn >>
 
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Leser-Kommentare

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Susanne B. am 18.5.2020, 12:26 Uhr:
Die hessische Regelung ist ohne Augenmaß, versetzt Gastronomie und Gäste völlig unnötig in Stress, Überlebenskampf, ...schleunigst nachbessern!
 
Uwe Looschen am 16.5.2020, 15:19 Uhr:
Es geht um die Existenz. Da ist es den heimischen Gastronomen vollkommen wurscht, welche Sorgen der Italiener oder Spanier in seinem Land hat. Wer an seinem eigenen Leibe die Existenznot spürt, der hat viele Probleme, die auch keine Italiener oder Spanier oder Franzose für ihn löst.
Und immer wieder das bashing, dass alle Gastronome dicke Autos haben, in Riesenhäuser wohnen, und die Zigarre mit einem Fuffi anzünden. In welcher Welt Herr Werner B. leben Sie eigentlich? Und hat einer der eine Kneipe hat nicht auch die Berechtigung, am Wirtschaftsleben teilnehmen zu können?
Luxus-Gastronome; ich lach mich weg.
Und für unsere Rechenkünstler: Auf 5qm soll nur eine Person sein.
Bei einem Abstand von 1,5 Meter habe ich von der Mitte 1 Person und jeweils eine Person oben, unten, links und rechts. Im Kreis sind dies 9 qm. Folglich sind 5 Personen auf 9qm. Somit sind auf 5qm bei reiner Abstandsregelung mehr als 2 Personen.
15 Bundesländer konnten dies korrekt vorschreiben und auch berechnen. Aber in Hessen sollen ja andere strengere Regelungen gelten. Leben in Hessen also wesentlich mehr Gefährdete Menschen als in Berlin oder Hamburg oder Köln oder auf dem Dorf in der Rhön?
Leite; kommt mal wieder auf den Teppich der Realität. Wir werden mit diesem Virus leben müssen. Heute, morgen und auch nächstes Jahr. Da kann man nicht für Monate oder Jahre die Schotten dicht machen. Das geht nicht.
 
Werner B. am 16.5.2020, 00:04 Uhr:
Mein Gott, nix kapiert oder? Die üblichen "wir sind benachteiligt, ich kann aber nicht, ich will aber, bei uns ist es aber so eng..... etc.".
Es geht um die Eindämmung eines Virus, Leben retten, nicht Kneipen retten, um es mal klar zu sagen.
Deutschland hat es - bis dato - sehr entspannt durch die Krise geschafft, fragt mal einen Gastronomen in Spanien, Frankreich, Italien oder UK - denen geht es schlecht!
Das Gejammer der Luxus Gastronomen (mit BMW X7 SUV....) hilft uns nicht weiter!

Klarstellung: Es geht um die "armen" Gastronomen, nicht um die Kellner, Köche und co - die sind echt die Leidtragenden!

Das sagt einer der sehr gerne Essen geht - aber es halt mal ein paar Woche sein lassen kann.
 
Winfried Bue am 15.5.2020, 20:04 Uhr:
In Mathe nicht aufgepaßt? Natürlich hat die 1,5m-Regel keinen Vorteil gegenüber der 5m2-Regel. 1,5m Abstand bedeutet: in einem Kreis von 3m Durchmesser darf sich niemand sonst aufhalten. Ein solcher Kreis hätte aber etwa 7m2 Fläche. Damit hat die 5m2-Regel sogar Vorteile gegenüber der 1,5m-Abstand-Regel.
 
Uwe Looschen am 15.5.2020, 16:35 Uhr:
#altstadt_F Ihre Berechnung ist nicht richtig. Bei einer reiner Anstandsregelung von 1,50 Meter bekomme ich auf 5qm 2,2 Personen unter. So wie es Tarek al Wazir vorgeschrieben hat, dürfen aber nur 1 Person je 5QM sein. Folglich können in allen anderen Bundesländer mind. doppelt so viele Personen bewirtet werden. Ihr Denkfehler ist, dass auf 9qm 4 Personen Platz finden, wenn 1.50 Meter Abstand besteht. Jetzt können Sie die exakte Zahl mit Nachkommastelle selbst ausrechnen, wieviel dann auf 5qm Platz hätten.
Ich denke, das ist schon ein großer Unterschied. Und ein massiver Nachteil für hessische Gastronome.
 
altstadt_F am 15.5.2020, 15:57 Uhr:
Wer rechnen kann ist klar im Vorteil.1,5 Meter Abstand bedeutet (wenn es konsequent angewendet wird) 9 qm. Wo soll da der Vorteil gegenüber der 5 qm-Regel liegen? Es geht wohl eher darum, es bei 1,5 m nicht so genau nehmen zu müssen... Ich verstehe ja, dass es sich für viele einfach wirtschaftlich nicht lohnt, aber wer keine neuen Hotspots generieren will, sollte das schon ernst nehmen.
 
Uwe Looschen am 15.5.2020, 15:09 Uhr:
unser grüner Wirtschaftsminister Tarel al Wazir mußte sich außerordentlich profilieren. Denn er hat sich diese 5qm/1 Person ausgedacht und gegen den Willen der Experten durchgesetzt. Bis heute gibt er für diese Vorgabe keinerlei Gründe ab.
Bemerkenswert ist es auch, dass kein anderes Bundesland diese Sonderregelung - heißt Benachteiligung der Gastronomie - hat. Und dabei sagt uns die Landesregierung ständig, wie fortschrittlich man sei.
Nein, nein. Das ist Gängelei. Als ob man ganz bewußt verhindern will, dass viele gastronomische Betriebe aufmachen.
Bin schon gespannt, wie es morgen beim Eintrachtspiel aussieht. Dieses Spiel wird ja nicht im freeTV gezeigt, weil es ein einzelnes Spiel ist. Der Ansturm auf Kneipen und Sportsbars wird riesig sein, weil viele die Eintracht sehen wollen.
 
Luzie Regina Zimmermann am 15.5.2020, 14:14 Uhr:
www.facebook.com/141772032504128/posts/3522918937722737/ ... antwort steht noch aus,
wir müssen eh zu lassen (raumgröße und 'tanzlokal/club oder ähnliche einrichtung' auch so ne' unklare definition bei den jüngst veröffentl. sog. auslegungsregeln des hess.Landtag) ... solidarische grüße aus der LEBENSFREUDE PUR ✌️
 
 
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