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Foto: Lydia Ishikawa (3.v.links) und ihr Team; © Nina Mülhens
Foto: Lydia Ishikawa (3.v.links) und ihr Team; © Nina Mülhens

Immobilien-Branche

„Viele denken: Du kriegst das Geld für einmal den Schlüssel ins Schloss stecken"

Die Frankfurterin Lydia Ishikawa betreibt seit nunmehr 30 Jahren ihre Immobilien-Beratungsfirma in Bockenheim. Neben der Abwicklung setzen sie und ihr neunköpfiges Team vor allem auf die Beratung – und wollen damit den Vorurteilen, die ihrer Branche anhaften, entgegentreten.
„Wir haben in dieser Branche definitiv mit vielen Vorurteilen zu kämpfen“, berichtet Lydia Ishikawa. Die gebürtige Frankfurterin führt seit nunmehr 30 Jahren ihre eigene Immobilien-Beratungsfirma in Frankfurt; seit einigen Jahren ist auch ihre Tochter Karen in das Unternehmen eingestiegen. Auch letztere weiß um die Umstände der Makler-Branche. Probleme in der Gesetzgebung oder die Tatsache, dass quasi „jeder einfach Makler werden könne“, führten dazu, dass vieles in der Branche nicht optimal laufe und Leute teilweise ein falsches Bild des Berufs hätten. „Viele denken: Du kriegst das Geld für einmal den Schlüssel ins Schloss stecken, die Tür öffnen und die Leute reinlassen“, so Karen Ishikawa. Dabei stecke viel mehr dahinter, vor allem wenn es um die Menschen, und nicht nur die Objekte gehe. Eines der Ziele der beiden sei es dementsprechend, das Makler-Dasein ins rechte Licht zu rücken.

Lydia Ishikawa selbst kam 1991 nach Deutschland zurück, nachdem sie 15 Jahre lang mit ihrem Mann in Tokio gelebt hatte. Schon dort habe sie sich für Immobilien interessiert und in Wohnungen investiert, diese saniert und weiterverkauft. Eine Seltenheit in jener Zeit, berichtet sie. Zurück in ihrer Heimatstadt Frankfurt habe sie durch ihre Sprachkenntnisse viel mit japanischen Firmen zu tun gehabt und etwa beim Verkauf assistiert. Nach und nach habe sie die Verkäufe selbst abgewickelt und sei so in die Branche gewachsen. Durch die Wirtschaftskrise, in der viele ihre Wohnungen aufgegeben hätten, sei ihr der Einstand in die Luxusimmobilien gelungen. Mitte der 90er-Jahre begann sie, das Team auszuweiten, heute hat sie neun Mitarbeiterinnen.

„Mir war es schon immer wichtig, meinen Leuten auch eine Festanstellung zu bieten“, so Ishikawa. Dadurch herrsche kein Konkurrenzkampf, es gebe „weniger Ellenbogen“ als in Franchise-Unternehmen oder wenn alle freiberuflich und entsprechend auf Provision arbeiteten. „Ich wollte vor allem service-orientierte Leute. Nur eine hat die eigentliche Ausbildung zur Immobilienkauffrau gemacht, viele sind Quereinsteiger oder gelernte Architektinnen“, so die Inhaberin. Dazu zählt auch ihre Tochter. Durch ihr Studium könne sie die Kundinnen und Kunden gut beraten, etwa, wenn es um Fragen gehe, wie man die Immobilien verändern oder an die eigenen Bedürfnisse anpasse könne.

Neben den wenigen inhabergeführten Unternehmen zeichne sich die Branche normalerweise vor allem als eine Männerdomäne aus, erklären die beiden. Umso schöner sei es, dass aktuell nur Frauen bei ihnen arbeiteten. Gemeinsam betreuten sie häufig internationale Kundinnen und Kunden, was mitunter der Sprachenvielfalt – neben Deutsch und Japanisch bringt das Team Englisch, Italienisch, Französisch, Chinesisch und Schwedisch mit – geschuldet sein könnte. „Eigentlich fühlt sich jeder in seiner Muttersprache am wohlsten, gerade, wenn es um große Themen wie etwa einen Immobilienkauf geht. Man hat einfach weniger Angst, auf jemanden reinzufallen“, so Ishikawa. Vor allem bei Ausländerinnen und Ausländern sei letzteres oft der Fall, da sie unter anderem die Rechtslage nicht verstünden.

Eine Veränderung der Branche sehen Mutter und Tochter nur, wenn sich auch die Gesetzgebung entsprechend ändern würde. Nicht nur hinsichtlich des Geldes, wie etwa die neue Verordnung an wen und in welcher Höhe die Makler-Provisionen gezahlt werden müssen, sondern auch in Sachen Ausbildung. Wenn niemand eine ordentliche Prüfung am Ende ablegen müsse, werde es auch immer schwarze Schafe geben, so Lydia Ishikawa. „Der aktuelle Koalitionsvertrag sieht bereits einen Sachkundenachweis vor. Das ist ein wichtiger erster Schritt.“
 
2. Dezember 2021, 10.40 Uhr
Sina Eichhorn
 
Sina Eichhorn
Jahrgang 1994, Studium der Germanistik an der Justus-Liebig-Universität Gießen, seit Oktober 2018 beim Journal Frankfurt. – Mehr von Sina Eichhorn >>
 
 
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