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Deutsche Depressionshilfe
 

Deutsche Depressionshilfe

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Corona-Krise: Umgang mit Depressionen in der Isolation

Foto: Ben Blennerhassett/Unsplash
Foto: Ben Blennerhassett/Unsplash
Für Menschen mit Depressionen kann das Coronavirus und die damit einhergehende Isolation eine große Belastung sein. Wichtig sind eine klare Tagesstruktur und nicht zu viel Schlaf, erklärt der Vorsitzende der Deutschen Depressionshilfe Dr. Ulrich Hegerl.
Die Corona-Krise kann in vielerlei Hinsicht belastend sein: Geldsorgen, Krankheit, Isolation, weniger soziale Kontakte und weniger Beschäftigung. Für Personen, die von Depressionen betroffen sind, kann diese Situation aktuell besonders belastend sein, erklärt Dr. Ulrich Hegerl, Vorsitzender der Deutschen Depressionshilfe und Inhaber der Johann Christian Senckenberg Distinguished Professorship an der Klinik für Psychiatrie, Psychosomatik und Psychotherapie der Goethe-Universität. „Die Tagesstruktur fällt weg und viele neigen dann zu längeren Liegezeiten“, so Hegerl. Aber gerade längere Bettzeiten steigern eine Depression, deshalb sollten diese auch, wenn man nun mehr Zeit zu Hause verbringt, nicht verlängert werden, erklärt der Psychologe. Stattdessen sei es wichtig, aktiv zu werden, Sport zu treiben und dem Tag und der Woche eine klare Struktur zu geben. Dabei sollten Betroffene nicht nur Arbeits- und Lernzeiten einbeziehen, sondern auch schöne Dinge wie Yoga, Serien schauen oder lesen. „Bei einer Depression ist alles, was den Körper wach macht, schlecht, und alles, was ihn müde macht, gut“, erklärt Hegerl. Viele Menschen mit Depressionen geben an, dass sie sich permanent wie in einer Prüfung fühlten, innerlich aufgeregt und erschöpft durch diese Daueranspannung. Schlaf verstärkt in der Depression bei den meisten dieses Erschöpfungsgefühl. Deshalb werden Depressionen auch in Klinken häufig mit Schlafentzug behandelt.


Nicht isolieren und alternative Therapiemöglichkeiten wahrnehmen

Auch wenn der persönliche Kontakt mit Freunden und Verwandten aktuell nur sehr eingeschränkt stattfinden darf, sei es wichtig, Kontakte aufrechtzuerhalten und sich mit anderen auszutauschen, ob am Telefon, im Chat oder in Onlineforen für Betroffene, wie beispielsweise das Diskussionsforum Depression. „Man ist ja nur räumlich, nicht sozial isoliert in der Corona-Krise. Depressiv Erkrankten fällt aber auch das Kontakthalten während einer Depression schwer. Viele haben in der Depression gar keine Lust auf soziale Kontakte.“ Deshalb sei es auch für Angehörige und Freunde wichtig, dass sie auf den Betroffenen zugehen. „Die Hilfe von Angehörigen kann für Betroffene in schwierigen Phasen lebensrettend sein“, sagt Hegerl.

Arztbesuche, und somit auch die bei einem Psychotherapeuten, sind weiterhin möglich, da sie unter „notwendige medizinische Leistungen“ fallen. Sollten Betroffene nicht die Möglichkeit haben, eine Praxis zu besuchen, weil sie in Quarantäne sind, würden Psychotherapeuten zum Teil auch Videosprechstunden anbieten. Dennoch erhöhe die aktuelle Situation das Risiko, dass Menschen mit Depressionen nicht ausreichen unterstützt werden: „Die Versorgungsqualität nimmt ab, weil Therapiestunden oder Klinikaufenthalte eventuell nicht mehr stattfinden können. Einige Betroffene stellen dann vielleicht ohne Absprache mit ihrem Arzt die Einnahme von Antidepressiva ein; davon würde ich in jedem Fall abraten.“ Um Betroffenen, die aktuell keine Therapiestunden wahrnehmen können, besser zu unterstützen, stellt die Deutsche Depressionshilfe ihr kostenloses Onlineprogramm zum Selbstmanagement „I fight depression“ für sechs Wochen auch ohne begleitende Therapie zur Verfügung. Eine formlose Anmeldung ist über die E-Mail-Adresse ifightdepression@deutsche-depressionshilfe.de möglich. Die Freischaltung erfolgt innerhalb von 24 Stunden und ist für Personen ab 15 Jahren zugänglich. Das Tool soll dabei helfen, den Tag zu strukturieren, Empfehlungen zu geben und Gedankenautomatismen aufzulösen. Zudem werden den Benutzerinnen und Benutzern Arbeitspakete für den Tag oder die Woche sowie Hausaufgaben mitgegeben. „Wir wollen Patienten unterstützen, den Alltag in häuslicher Isolation gut zu meistern.“

Sollten Sie verzweifelt sein und keinen Ausweg mehr sehen, und daran denken, sich das Leben zu nehmen, sprechen Sie bitte mit anderen Menschen über Ihre Situation. Rund um die Uhr erreichbar ist die Telefonseelsorge: 0800 1110111 und 0800 11 0 222. Der Anruf ist kostenfrei, anonym und taucht nicht in den Einzelverbindungen Ihrer Telefonabrechnung auf. Über die Webseite telefonseelsorge.de können Sie auch per Mail und Chat das Gespräch suchen. Junge Menschen können per E-Mail über u25-deutschland.de oder www.jugendnotmail.de Kontakt aufnehmen. Ab dem heutigen Montag können Betroffene aus dem Rhein-Main-Gebiet unter der Telefonnummer 069/798-46666 mit Therapeutinnen und Therapeuten reden. Die Telefonnummer ist von Montag bis Freitag jeweils von 15 bis 21 Uhr erreichbar sowie Samstag und Sonntag von 16 bis 20 Uhr.
 
30. März 2020, 13.33 Uhr
Johanna Wendel
 
Johanna Wendel
Jahrgang 1993, Technikjournalismus-Studium an der Hochschule Bonn-Rhein-Sieg, seit Januar 2019 beim Journal Frankfurt. – Mehr von Johanna Wendel >>
 
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