Newsletter
|
ePaper
|
Apps
|
Abo
|
Shop
|
Jobs
No Sex in the City
Startseite Alle KolumnenNo Sex in the City
Kolumne von Ana Marija Milkovic
 

Kolumne von Ana Marija Milkovic

Wenn der Platz der Republik ein Unort ist

Foto: Harald Schröder
Foto: Harald Schröder
Unsere Kolumnistin lässt sich treiben. Von Bruce Naumann zum Platz der Republik in Frankfurt. Oder dem Platz der Einheit. Beides unwirtliche Plätze. Was sagt das über unser Gemeinwesen aus?
Meine Geschichte beginnt im Schaulager in Basel. Das Gebäude hält, was sein Name verspricht. Es ist ein Lager für Kunst mit Ausstellungsflächen. Lager und Ausstellungsflächen sind sinnbildlich auf Augenhöhe konzipiert. Ich stand in dem Teil der Ausstellungsräume, die sich im Untergeschoss befinden und schaute nach oben. Geschosse staffeln sich mit Emporen sichtbar nach oben. Ein bisschen erinnert mich das Ganze an das Moma in New York, nur, dass dort die Ausstellungsflächen über die oberen Geschosse exponiert zugänglich sind. Hier stand ich vor annähernd 20 Jahren, als das Schaulager eröffnet wurde. Ich erinnerte mich.

Damals wurde eine Werkschau von Herzog de Meuron, den Architekten des Gebäudes, gezeigt. Im Gegensatz zu mir, konnte die Zeit dem Schaulager nichts anhaben. Ich stellte mir die Frage, ob das Wesen der Architektur eine intellektuelle Größe, ein gebautes Manifest ist, das unbeschadet über die Zeit eines einzelnen menschlichen Lebens zu heben ist? Das würde auch in Frankfurt einiges erklären, wenngleich dIe Neubauten in den letzten 25 Jahren dem Wert einer intellektuellen Arbeit wie der von Herzog de Meuron nicht entsprechen können. Der Punkt geht nach Hamburg an die Elbphilharmonie.

Aktuell wird in den Ausstellungsräumen des Schaulagers eine Retrospektive des amerikanischen Künstlers Bruce Nauman gezeigt. In einer seiner jüngsten Videoarbeiten, erkenne ich Bruce Nauman sichtlich gealtert wieder. Während ich in einem gestalterisch optimierten Gebäude stehe, umringt von Menschen, denen die Gesellschaft über Jahre eine Selbstoptimierung abverlangt hat, spaziert Naumann dank moderner Kameratechnik ziemlich uneitel an mir vorbei. Die Kunst Naumans entfernt sich beim Betrachten. Das hilft das Jetzt und Hier zu überwinden und über das Wesentliche nachzudenken: Was soll das?

Im Begleitheft lese ich nach, dass seine Kunst das Verhältnis zwischen Wissen und Wahrnehmung destabilisiert. Der Gedanke gefällt mir. Menschen können durch Kunst in die Lage versetzt werden, neu zu denken. Die Welt und ihre Orte lassen sich zum Besseren verändern, wenn das menschliche Wissen sich von der üblichen Wahrnehmung entfernt. Im Schaulager in Basel stehend, hatte ich dazu eine Idee.

Der Platz der Republik in Frankfurt fiel mir ein. Der Platz der Republik ist ein Ort, an dem sich Wissen und Wahrnehmung destabilisieren, Name und Ort nicht zusammengehen. Es ist als sei Bruce Nauman bereits am Platz der Republik gewesen, um uns zum Denken zu bewegen. Ein Platz sollte doch zum Verweilen einladen. Deswegen nennt sich ein Platz nicht etwa Gang oder Verkehrsinsel. Vor Wochen stand ich auf einer Verkehrsinsel, die in Frankfurt wiederum den Namen „Platz der Republik“ trägt. Mit dem Platz der Einheit verhält es sich nicht besser. Was aber passiert mit unserem Gemeinwesen, wenn den unwirtlichsten Plätze der Stadt irgendwelche Namen der Republik und der Einheit zugesprochen werden?

„The Truth Artist Helps The World By Revealing Mystic Truths.“ Nachdem Nauman den Satz einmal aufgeschrieben hatte, sah er ein, dass er total töricht war. Andererseits glaubte er an die Aussage. Ich schlage vor, hier weiterzumachen. Das Zitat sollte an eine Hauswand am Platz der Republik projiziert werden, denn wo kein Wissen über Kunst, da ist auch kein Raum für Erkenntnis und Veränderung. Die Luminale in Frankfurt ist ein würdiger Rahmen, den Plan zu realisieren. Herr Guntersdorf, der dafür zuständig ist, müsste sich nur einverstanden erklären und das Vorhaben unterstützten - vorausgesetzt Bruce Nauman lässt es zu. Er steht wie nur wenige für Erkenntnis.
6. April 2018
Ana Marija Milkovic
 
 
Fotogalerie:
{#TEMPLATE_news_einzel_kolumne_GALERIE_WHILE#}
 

Leser-Kommentare

Kommentieren
Schreiben Sie den ersten Kommentar.
Mehr Nachrichten aus dem Ressort No Sex in the City
Ana Marija Milkovics Kolumne
Wild at heart
Unsere Kolumnistin Ana Marija Milkovic schreibt über Cindy Crawfords Lebensratgeber und darüber, was diese mit der Messe Design Annual zu tun haben, auf der sie Julian Smiths Handynummer bekam – sich aber nie bei ihm meldete.
Text: Ana Marija Milkovic / Foto: Harald Schröder
 
 
Ana Marija Milkovics Kolumne
What else?
Unsere Kolumnistin Ana Marija Milkovic trinkt gerne Kapselkaffee von Nespresso. Dabei, glaubt sie, wähnt sie sich in guter Gesellschaft. Doch der Gedanke an das Müllaufkommen und die Privatisierung von Wasser mindern ihren Genuss.
Text: Ana Marija Milkovic / Foto: Harald Schröder
 
 
Ana Marija Milkovics Kolumne
Von Testa zu Omer Klein Trio
Unsere Kolumnistin Ana Marija Milkovic kauft gerne CDs im Laden – weil sie so oft auf neue Künstler aufmerksam wird. Warum ihr ihre neuen Entdeckungen Gianmaria Testa und das Omer Klein Trio besonders gut gefallen, beschreibt sie in ihrer Kolumne.
Text: Ana Marija Milkovic / Foto: Harald Schröder
 
 
Ana Marija Milkovics Kolumne
Ein Nachruf
Am gestrigen Dienstag ist der Modeschöpfer Karl Lagerfeld gestorben. Unsere Kolumnistin Ana Marija Milkovic betrauert seinen Tod - und erinnert daran, dass Lagerfeld nicht nur wegen seiner Mode bekannt war, sondern auch wegen politischer Statements.
Text: Ana Marija Milkovic / Foto: Harald Schröder
 
 
ANA MARIJA MILKOVICS KOLUMNE
Makis Milki Way
Unsere Kolumnistin Ana Marija Milkovic hat große Ziel für 2019: Auf ihrem neu gestarteten Instagram-Profil möchte sie innerhalb eines Jahres eine Million Follower erreichen. Wie sie das schaffen möchte, schreibt sie in ihrer Kolumne.
Text: Ana Marija Milkovic / Foto: © Harald Schröder
 
 
 
 
Ältere Beiträge