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No Sex in the City
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Kolumne von Ana Marija Milkovic
 

Kolumne von Ana Marija Milkovic

Udo, Susanne und ich

Foto: Harald Schröder
Foto: Harald Schröder
Unsere Kolumnistin Ana Marija Milkovic erinnert sich noch genau an den Moment, in dem sie Susanne Pfeffer zum ersten Mal sah. Warum die Dame so erfolgreich wurde wie sie jetzt ist, weiß sie ganz genau.
Das Triangolo war einmal ein italienisches Restaurant im Museum für Moderne Kunst. Erschlossen wurde es über die Braubachstrasse oder durch die Lobby des Museums. Der Raumzuschnitt des Restaurants folgt dem baulichen Tortenstück, wie das Museumsgebäude von Frankfurtern liebevoll genannt wird. Auf dunkelbraunem Stäbchenparkett stand loses Mobiliar. Entlang des Raums nahmen die Gäste auf einer überlangen roten Sitzbank Platz. Ich mochte die Stühle des Restaurants nie.

Rückblickend betrachtet vermisse ich sie. Ich habe auf ihnen schöne Stunden verbracht. Einmal sah ich Bill Viola auf ihnen sitzen. Dann war ich unter den Gästen, die in diesem Raum den Abend mit Muhammed Ali zum Essen verbringen durften. Wieder ein anders Mal fand die Hochzeitsgesellschaft von Joschka Fischers Sohn am Nebentisch Platz. Es war ein Kommen und Gehen. Liebschaften und große Gelegenheiten, ein Leben aus der Perspektive der Kunst.

Vor vielen Jahren ging im Triangolo die Tür auf. Herein kam ein Mann mit gewellten braunen Haaren, streng nach hinten gekämmt. Im Gefolge eine Frau mit besonderer Frisur und eigenständigen Schritt. Die Frau trug ihre blonden langen Zöpfe in Form eines Kranzes auf dem Kopf gesteckt. Ich erinnere mich, dass sie einen dicken, gestrickten Pullover mit nordischem Muster und Applikationen mit einem Faltenrock trug. Ihre Kleidung war besonders, nicht von Markennamen geprägt. Sie war anders als die Frauen, die in Frankfurt berufstätig ein- und ausgingen. Das sei der neue Museumsdirektor Udo Kittelmann, sagte mir mein Gesprächspartner. Und wer ist die Frau, fragte ich. Das war Susanne Pfeffer, seine Assistentin.
Monate später führten wir Udo und Susanne zur Mona Lisa, einer Bar in der Fahrgasse. Ein serbischer Bauunternehmer hatte uns Architekten das Lokal gezeigt. Gerechtigkeit, pflegte er zu sagen, gibt es nicht. Ich vervollständige gerne den Satz: Aber dafür die Mona Lisa, die ihren Rock gerne bei männlichen Gesprächspartnern ein wenig höher als notwendig zieht.

Heute kehrt in der Mona Lisa der Kulturbetrieb nach jeder Ausstellungseröffnung im MMK zum Absacker ein. Damals fing es an, dass sich mein Blick im Haarkranz von Susanne Pfeffer fasziniert verfing.
Susanne litt wie alle Mitarbeiter des Kulturbetriebes an der Unvollständigkeit von Werkverträgen, die nicht dauerhaft verlängert werden können. Udo hatte bereits Kunststücke vollbracht. Das System konnte aber auch er nicht ändern. Irgendwann bewarb sich jedoch Susanne im Künstlerhaus Bremen als Leiterin. Es war mir sonnenklar, warum sie angenommen wurde. Zu Ihrer ersten Ausstellung fuhr ich natürlich hin. Susanne machte ein tolles Programm. Editionen entstanden. Ich erstand ein Werk. „Das Welt“ von Schwontkowski. Susanne brachte es mir nach Hause und hinterließ auf dem Bild ihren Fingerabdruck. Heute steht es gerahmt an die Wand gelehnt und lächelt zum besseren Verständnis der Welt mich und meine Gäste an.

Meine Art zu reisen, mit einem Koffer alleine in die Welt mit Frohsinn, neugierig, habe ich von ihr gelernt. Susanne war es, die mich in Venedig zu einem Laden schickte, wo ich meine ersten Strümpfe, die mehr Netz als Strumpf sind, erstand. Ich trage das erste Paar noch heute. Jahre später fand ich damit zu meinem eigenen Stil. Susanne gab auch mir die Inspiration, auf die Welt mit einem zwinkernden Auge zu blicken, wie es Schwontkoski in einem Bild „Das Welt“ im Rauschebart festgehalten hat. Jetzt sind Susanne Pfeffer und Anne Imhoff mit dem Goldenen Löwen zur Biennale in Venedig ausgezeichnet worden.

Imhoff arbeitet in der Niddastrasse in Frankfurt, ein Haus weiter von dem entfernt, in dem ich mein eigenes Büro untergebracht hatte. Damals haben sich nur wenige hierher getraut. Mein Name hängt noch an der Tür, auch wenn ich schon längst nicht mehr dort arbeite. Heute ist die Gegend hip und Susanne längst Direktorin des Fridericianums in Kassel. Als Assistentin von Udo Kittelmann wirkte Susanne 2001 an der Biennale mit. Jetzt ist sie eigenständige Preisträgerin und eine der möglichen Nachfolgerinnen des Direktorenpostens im MMK. Ich hatte Susanne aus den Augen verloren. Umso mehr freue ich mich, von ihrem Erfolg zu hören. Susanne hat die Kraft, den Kulturbetrieb in der Domstrasse durch ihre Handschrift neu zu erfinden.
18. Mai 2017
Ana Marija Milkovic
 
 
Fotogalerie:
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Leser-Kommentare

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Barbara Goerlich am 18.5.2017, 13:14 Uhr:
Toller Artikel. Ich habe ihn ssssehr gern gelesen. Danke.
 
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