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No Sex in the City
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Kolumne von Ana Marija Milkovic
 

Kolumne von Ana Marija Milkovic

Looking for Freedom

Unsere Kolumnistin Ana Marija Milkovic versteht manchmal die Welt nicht mehr. Insbesondere, wenn es um David Hasselhoff, den Martin-Gropius-Bau in Berlin, Ai Weiwei und die neue Springer Zentrale geht.
Wenn ich nun heiraten wollte und auf die Idee käme, in meinen Ehering David Hasselhoffs "Looking für Freedom" eingravieren zu lassen, wäre ich nicht die erste, die auf die Idee kommt. Ich wäre wahrscheinlich auch nicht die erste, die diese Parabel auf Anhieb mißversteht. Im Prinzip muss ich auch nicht alles verstehen. Ich muss auch nicht heiraten und auch nicht solche Ringe tragen. Es ist meine freie Entscheidung es zu tun oder auch gravierend zu lassen.

Wenn ich nun manchmal die Welt nicht von Anbeginn verstehe, hilft mir die eine oder andere veröffentlichte Meinung nach. Der neue Leiter der Documenta Adam Szymczyk in der TAZ zum Beispiel. Er bemüht folgende Parabel, die mir sofort auch im Zweifel für eine Ehe einleuchtet: Eine Ausstellung zu machen oder ein Buch zu schreiben, das den allgemeinen Status Quo widerspiegelt, käme einer ziemlich traurige Perspektive gleich.

Wie eine ziemlich traurige Perspektive demnach aussehen kann, lässt sich, ein Paradigmenwechsel vorausgesetzt, aktuell in Berlin im Martin-Gropius-Bau anlässlich Ai Weiweis Ausstellung "Evidence" betrachten. Um den Paradigmenwechsel einzuläuten empfehle ich zwei Artikel, erschienen in der Der Welt und in der FAZ, zu lesen. Ich fasse hier aber kurz zusammen. Die Welt titelt mit Entzauberung und die FAZ fragt nach weiteren Protagonisten chinesischer zeitgenössischer Kunst. Ai Weiwei zaubert uns vielleicht aber auch nur die Welt, die uns gefällt. Gleichermaßen nimmt er auch weiteren Protagonisten den Raum, den unsere Aufmerksamkeit ihnen auch nicht mehr lässt.

Fragte ich mich noch anfänglich: Was erlaubt Die Welt, wessen Flasche ist hier eigentlich leer? Denke ich nun doch differenzierter. Von visuellen One-Linern berichtet die Welt und bricht Ai Weiweis Blickwinkel zur Kunst auf die Perspektive eines 12-Jährigen herunter. Das kommt natürlich krass und kann nur etwas für Dumme, Zurückgebliebene sein. Ob nun Sammler, die sich mit One-Line-Zierrat schmücken auch dumm, bequem oder einfach nur einfältig uninteressiert sind, sei einmal dahingestellt. Es gestaltet sich im differenzierten Small Talk über Kunst aber einfach, wenn Bilder sich reduziert zusammen fassen und gleichzeitig groß aufblähen lassen. Dafür stehen 1000 Chinesen, 1000 Stühle, 1000 Hocker usw.

Wo sind nun die anderen Künstler, die sich nicht der Unterstützung des Westens erfreuen. Sollte die Motivation unseres westlichen Interesses an Ai Weiwei darin begründet sein, die Rechtsstaatlichkeit in China zu hinterfragen, dürfen wir uns dann in unserem Unterfangen ernst nehmen, wenn sich unser Interesse für diesen Teil der Welt an Ai Weweis Kunst befriedigen lässt?

Ai Weiwei steht für Konzeptkunst. Seine Werkstatt für eine Avantgardefabrik visueller One-Liner wie sie uns Deutschen besonders gefällt, schreibt Die Welt. Kennen Sie "Materie in einer entmaterialisierten Welt?" frage ich. Das ist auch so ein One-Liner. Diesmal stammt dieser One-Liner nicht aus Peking, sondern aus der Berliner Werkstatt des Springer Verlags, zu der auch Die Welt gehört. Unter diesem One-Liner wurde vergangenes Jahr ein Wettbewerb für die neue Springer Zentrale ausgelobt, der sich gleichwertig Ai Weiweis Kunst entzaubern lässt.

Die zukünftige Springer Zentrale wird nun von einem Stararchitekten gebaut. Das ist so üblich, wenn ein Ziel vorgegeben ist und andere weniger bekannte Architekten nicht von Interesse sind. Ein solcher Wettbewerb könnte auch langweilig enden, da das Ergebnis bereits vorweggenommen ist. Durchbohrt wird das zukünftige Verlagsgebäude durch einen Sichtkorridor, der sich an dem ehemaligen Verlauf der Mauer orientiert. Der Sichtkorridor ist ein öffentlich zugänglicher Attraktionskorridor, der bereits 1971 in Toronto von Roche-Dinkeloo Architekten für die Royal Bank of Canada ähnlich entworfen wurde. Nach Adam Szymczyk ist Qualität eine leere Kategorie, die gefährlich mit einem Markt und einem verbürgten und als sicher geltenden Wert verbunden ist.

Ich freue mich auf die nächste Documenta.

www.welt.de/kultur/kunst-und-architektur/article126500975/Ai-Weiwei-entzaubert-sich-mit-seiner-Kunst-Show.html

www.faz.net/aktuell/feuilleton/kunst/chinesische-kuenstler-es-gibt-nicht-nur-ai-weiwei-12874972.html

www.welt.de/vermischtes/article126917856/Ich-warte-darauf-dass-das-ZDF-eingestellt-wird.html

Mehr zur Springer Zentrale unter: www.stylepark.com/de/news/public-br-space-inc/349892
16. April 2014
Ana Marija Milkovic
 
 
Fotogalerie:
{#TEMPLATE_news_einzel_kolumne_GALERIE_WHILE#}
 

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