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No Sex in the City
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Kolumne von Ana Marija Milkovic
 

Kolumne von Ana Marija Milkovic

Abgeschrieben!

Unsere Autorin Ana Marija Milkovic ist Architektin. Als solche baut sie liebend gerne um. Auch Texte. Hier zum Beispiel die jüngste Kolumne von Harald Martenstein.
Falls Sie zufällig Architekt sind und ein Thema suchen: Das Thema ist egal. Man kann aus jedem Thema gute oder schlechte Architektur machen. Dafür gibt es Tausende Beispiele. Ich bin keine Frau, die einen Keks in eine Tasse Tee taucht. Oder jemand, die sich in einen Käfer verwandelt.
Als Kolumnistin behaupte ich immer mal wieder, dass die zeitgenössische Architektur nichts taugt. Sie sei kraftlos, behandele die falschen Themen. Als Kolumnistin mit Migrationshintergrund verfasse ich gerne"Onkel-Tom-Kolumnen". Das ist eine Anspielung auf den Roman Onkel Toms Hütte, die einiges zur Abschaffung des Passivhausstandards beiträgt.

Ich habe zuerst gedacht, die Passivhaussatzung in Frankfurt sei sei ein Beitrag zum Karneval. Was sind die Menschen gleich noch mal gleich von Beruf, die solche Entscheidungen fällen? Politiker? Wer hindert die eigentlich daran, der Frankfurter Architektur zu dem von ihm vermissten Weltrang zu verhelfen? Wenn eine Architektin sagt, in unserer Stadt gibt es keine gute Architektur mehr, die Häuser sind immer passiv, würde ich sie auch dazu ermuntern, ein aktives Haus zu bauen und auf diese Weise den anderen zu zeigen, wie man es macht.

Wo ist denn eigentlich, hätte Julius Posener heute vermutlich gefragt, das große Werk von Frankfurter Architekten, das Werk, von dem man sagen könnte, es wird sie überleben? Irgendwas, das man mit den Werken Ernst Mays, Kramers vergleichen könnte? Da ist nichts. Und dabei gehen viele Architekten schon auf die sechzig zu und bauen seit Jahrzehnten. Zeitgenössische Architektur besteht hauptsächlich aus hübschem Kleinkram, etwas von dem, was man die "Rezensions-Nomenklatura" nennt und meistens extrem freundlich aufgenommen wird. Es ist ja auch hübsch. Ein bisschen viel Stein vielleicht, aber hübsch. Vor etwa 15 Jahren hat Christoph Mäckler schon mal über die Architektur geschrieben, da nannte er das, was in Frankfurt gebaut wird, "Schlecht besohlte-Architektur". Seitdem besohlen Architekten gerne Lochfassaden mit Naturstein, wenn's Geld reicht.

Sein größter literarischer Erfolg war, dass die FAZ mal zwei Feuilleton Seiten von ihm gedruckt hat, aber das ist auch schon Jahre her. Schon klar, nicht jeder Fußballer kann ein Maradona sein. Aber wenn der Ersatzstürmer des FC Augsburg aufsteht und den anderen vorwirft, sie schustern Onkel-Tom-Schuhe falsch, macht der arme Kerl sich lächerlich.

Die zeitgenössische deutsche Architektur, schreibe ich, sei das "Erbe der Heroischen Moderne", eine "raffinierte Machtmaschine", die, offenbar ganz im ererbten Geiste ihrer Großväter, gute Architektur unterdrücke. Ich habe aber gelernt, dass Intelligenz nicht vererbt wird, dass Geschlecht nicht vererbt wird, eigentlich wird gar nichts vererbt, das ist alles nach der heute gängigen Meinung anerzogen, mit keiner einzigen Ausnahme. Heroismus ist Gott sei Dank auch nicht als Eigenschaft erblich, eher eine wirklich verrückte Laune der Natur. In 15 Jahren, wenn heute 60jährige Architekten ihre Bauten zum dritten Mal kopieren, wird sie es allerdings an den Schaltstellen des Architekturbetriebs schon mit den "Urenkeln des Heroismus" zu tun haben. In spätestens 40 Jahren haben dann die "Ururenkel des Heroismus" ihre Knobelbecher angezogen und überarbeiten jede guten Entwurf kurz und klein, wahrscheinlich dann auch die Kitas, mit deren Hilfe die Horrorgeneration der Heroismus-Urururenkel großgezogen wird.
20. März 2014
Ana Marija Milkovic
 
 
Fotogalerie:
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