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Kultur
 
Oster-Feiertage
21
Tanzverbot an Ostern
An Ostern gibt es ein Tanzverbot. Neu ist das nicht, aber dieses Jahr meint es das Frankfurter Ordnungsamt ernst. Die Clubs sind uneins, wie sie damit umgehen sollen, denn viele haben schon in DJs investiert.
Am Dienstagnachmittag brütet Julian Smith in seinem Büro über einem Brief, der das Wappen der Stadt Frankfurt trägt. Das Ordnungsamt hat ihm geschrieben. Es weist auf das Hessische Sonn- und Feiertagsgesetz hin. Demnach seien Tanzveranstaltungen von Gründonnerstag bis Karsamstag verboten, auch am Ostersonntag und -montag gebe es Tanzverbote, da aber nur von 4 bis 12 Uhr. "In der Erwartung keine Ordnungsmaßnahmen gegen Sie in die Wege leiten zu müssen, regen wir an, dass Sie für den Fall, dass Sie tatsächlich solche Veranstaltungen zu den oben genannten Terminen und Zeiten beabsichtigt haben sollten, dies noch einmal zu überdenken", heißt es in dem Schreiben. Und so überdenkt Julian Smith nochmal, ob er seinen Club wie geplant am Karfreitag um 23 Uhr aufschließt. Dabei ist er nicht der einzige.

Auch der Cocoonclub, das King Kamehemeha, das Cooky's, das Odeon, der Sinkkasten und überhaupt alle Frankfurter Clubs, die bereits Veranstaltungen angekündigt haben, wurden mit dem Schreiben bedacht. Und viele Partymacher stellten sich die gleichen Fragen: riskieren wir die "Ordnungsmaßnahmen"?

Die beinhalten jedoch nicht nur ein Ordnungsgeld in vierstelliger Höhe, sondern auch einen, salopp formuliert, Eintrag ins Klassenbuch. Nach drei Verstößen droht die Entziehung der Konzession - und die will natürlich keiner riskieren. Im Odeon soll die geplante 27up-Party deswegen auch erstmal abgesagt werden. Auch das Travolta spielt mit diesem Gedanken. Im Sinkkasten will man noch ein Gespräch mit dem Ordnungsamt abwarten. Größeren Clubs entgehen aber oft mehr als nur die Einnahmen aus Kasse und Bar. Die gebuchten DJs kommen teilweise für 10.000 Euro und mehr aus dem Ausland - jetzt, keine zwei Wochen mehr bis zu den Events, lassen sich die Verträge auch nicht mal eben schnell wieder kündigen.

Ralph Rohr, Sprecher vom Frankfurter Ordnungsamt, legt denn auch Wert darauf, dass die Stadt das Feiern an den Feiertagen nicht verboten habe, sondern nur auf das Feiertagsgesetz hinweise. "Das ist ein Service von uns, keine böse Drohung."

Warum das Amt erst dieses Jahr über das seit 1971 bestehende Gesetz informiert? Ein Anrufer sei auf die Werbung eines Veranstalters aufmerksam geworden und habe das Ordnungsamt verständigt. "Daraufhin waren wir gezwungen, tätig zu werden", so Rohr. "Bei der Recherche haben wir dann festgestellt: huch, das sind ja noch mehr." Clubbesitzer, die sich nicht an das Tanzverbot halten und bei Kontrollen erwischt werden, müssen mit einem Ordnungswidrigkeitsverfahren rechnen. "Wie das ausgeht, ist ganz vom Einzelfall abhängig", sagt Rohr. Hat der Betreiber Werbung für seine Veranstaltung gemacht, hat er bereits den Hinweis vom Ordnungsamt erhalten, gibt es noch andere Verstöße - alles Faktoren, die die Höhe eines Bußgeldes beeinflussen können.

Im katholischen Bayern ist solches Amtshandeln dagegen schon lange Usus. Die Clubs bleiben selbst im großstädtischen München zu - und das Publikum sucht sich andere Vergnügungen. So rührt die Frankfurter Aufregung dieses Mal auch eher daher, dass das Gesetz jahrelang nicht durchgesetzt wurde. Um an Ostern doch noch feiern zu können, kommen einige Cubbesitzer auf Ideen. Laut Gesetz dürfen Veranstaltungen, "die der Würdigung der Feiertage, der seelischen Erhebung oder einem überwiegenden Interesse der Kunst, Wissenschaft, Volksbildung oder Politik dienen" nämlich doch am Karfreitag abgehalten werden. Juristisch ist das schwierig, aber möglich. Wie es geht, lebt die Jugendkulturkirche Sankt Peter vor. Dort ist für Ostersamstag zwischen 19 und 21 Uhr eine Osternacht geplant, die die Auferstehung Jesu in Meditation und Rockmusik zum Thema hat. Die Band Arbaitnehmer spielt auf - und die Gruppe "firedancer" plant eine Performance.

Und 2012? Lesen Sie hier weiter:
- Tanzverbot am Karfreitag nicht vom Tisch
- Keine Razzia am Karfreitag
13. April 2011
nil/jt
 
 
Fotogalerie:
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Leser-Kommentare

Kommentieren
 
Orange Beach am 22.4.2011, 03:06 Uhr:
Also diese Diskussion beschreibt doch einfach, daß wir auf einem viel zu hohem level leben! Unsere Probleme im Vergleich zu dem, was auf der ganzen Erde passiert, sind doch einfach nur null und nichtig. Und dann sind Oberlehrer wie T. wohlweislich ohne Bild unterwegs, die mit lang ausgestrecktem Zeigefinger darauf hinweisen, daß wir uns seit Jahren auf kriminellem Boden bewegen, weil wir die Gesetze nicht gelesen hatten. Degeneration laß grüßen! Solche menschliche Trockenheit ohne Verständnis für alles Andere ist einfach nur erschreckend! Und ich schäme mich dafür, bei der letzten Bundestagswahl die FDP gewählt zu haben! Brawo noch an die Kommentare von Kai Marian Pukall, Tom Leon, Fred Flack, Lisa Lange, Kralik Ana, Laure etc...
 
Kai-Marian Pukall am 17.4.2011, 22:44 Uhr:
Moment, § 7 Feiertagsgesetz spricht aber nicht explizit von Ostern, sondern von "gesetzlichen Feiertagen". Bedeutet das, das zum Beispiel am 1. Januar sämtliche Clubs schon morgens um vier schließen müssten? Viel Spaß dabei, das durchzusetzen...
 
T. am 17.4.2011, 17:38 Uhr:
Ich frage mich, was die Aufregung soll? Das Gesetz besteht schon lange, und nur weil jetzt nach Jahren (!) mal geprüft und zur Einhaltung aufgerufen wird, wird son Rummel darum gemacht? Es ist schlimm genug, dass man sich jahrelang ungestraft wissendlich über bestehende Gesetze hinwegsetzt, ohne dass sich darüber beschwert wird! Hat überhaupt jemand dener die sich hier so laut darüber beschweren überhaupt den Artikel von vorne bis zum Ende AUFMERKSAM durchgelesen? ich glaube nicht...
 
Tom Leon am 16.4.2011, 16:34 Uhr:
Na prima: Das gesamte Osterfest läuft doch [ähnlich wie Weihnachten] auf extremen Konsum aus. Durchforste Omis Garten, - stopf Dich mit Schokolade voll und platze!!! Da frag' ich mich: Tanzen ist aber verboten? Hm.... Wird zeit, dass diese ollen Gesetze gekippt werden.... braucht doch wirklich keiner mehr!
 
Fred Flack am 16.4.2011, 00:57 Uhr:
Ich wohne zwar nicht in Hessen aber das is mal der Größte Schwachsinn den ich je gehört habe. Wie Lisa Lange schon sagte Kirche und Staat sind getrennt zu behandeln und das geschieht hier ganz offenschitlich nicht.
 
Lisa Lange am 15.4.2011, 12:33 Uhr:
Das kann ja wohl nicht wahr sein?! Hieß es nicht mal, dass Kirche und Politik zwei verschiedene Sachen sind? Kann ich jetzt meine eigene Religion gründen und festlegen, dass man Montags nicht arbeiten darf? Ich asse diese auf Chrislichem Glauben aufgebauten gesetzten! Ich bin für einen flashmob am Ostersonntag direkt vor der Kirche: 3 Stunden tanzen!
 
kralik.ana am 15.4.2011, 10:24 Uhr:
Achtung-achtung! Da ja Ostern jedes Jahr an einem anderen Datum stattfindet, ist es zu prüfen, ob der geplante Hochzeitstermin in 50 Jahren auf Ostern fällt. Wenn ja, ist es ausgeschlossen, auf der Goldenen Hochzeit tanzen zu dürfen.........
 
Laura am 14.4.2011, 03:32 Uhr:
Shit on Frankfurt - come to New York! All and everything: 24 hours, 7 days a week!
 
Henrik Schuetze am 13.4.2011, 19:17 Uhr:
@Niels Bremer: Sie haben aber natürlich Recht. Das gesatz wurde grundlegend überarbeitet bis zum 29.12.1971. Weitere Bearbeitungen erfolgten am 15. Mai 1974, 11. Oktober 1994, 26. November 1997 und wie schon erwähnt am: 2. Februar 2010.
Aber natürlich nicht 2006. Sorry für das Versehen
 
Henrik Schuetze am 13.4.2011, 19:13 Uhr:
@Niels Bremer: Echt? Bei mir steht da: Vom 17. September 1952 (GVBI. S. 145)
In der Fassung vom 29. Dezember 1971 (GVBI. I S. 344)
Zuletzt geändert am 11. Oktober 1994 (GVBl. I S. 596)

Aber wir können gern weiter googeln: www.rv.hessenrecht.hessen.de/jportal/portal/t/2omb/page/bshesprod.psml?doc.hl=1&doc.id=jlr-FeiertGHE1952rahmen%3Ajuris-lr00&documentnumber=1&numberofresults=21&showdoccase=1&doc.part=H¶mfromHL=true#focuspoint

Da steht dann das Gesetz sogar am 2. Februar 2010 verändert wurde. Und da steht seit dem drin, dass das Gesetz am 31.12.2014 ausläuft: § 17 Dieses Gesetz tritt mit seiner Verkündung in Kraft. Es tritt mit Ablauf des 31. Dezember 2014 außer Kraft.
 
nils.bremer am 13.4.2011, 18:27 Uhr:
Herr Schuetze, in dem von Ihnen verlinkten Dokument steht es deutlich: das Gesetz liegt in der Fassung von 1971 vor.
 
Wolf Heilig am 13.4.2011, 18:08 Uhr:
Das ist doch wieder typisch, 1 Anwohner oder Bürger oder jemand dem einfach mal langweilig war, hat das Ordnungsamt darauf hingewiesen und schon wird kontrolliert. Gläubige die an Ostern nicht tanzen wollen zwingt doch niemand auszugehen, bleibt zu Hause. Ich bin nicht ohne Grund aus der Kirche ausgetreten und bekomme jetzt vom Staat trotzdem vorgeschrieben wann ich Party machen darf. Als hätten wir keine größeren Probleme?!?
 
Gregor Kunkel am 13.4.2011, 18:03 Uhr:
............
 
Henrik Schuetze am 13.4.2011, 16:49 Uhr:
und nochma: man sollte richtig lesen: §9: Am 1. Weihnachtstag, Ostersonntag und Pfingstsonntag gelten die Vorschriften des § 7 Abs. 1 Nr. 1 und 4 während des ganzen Tages. <-- Und da steht: TANZverbot... Also wäre ja schon die Aussage des Ordnungsamtes falsch... *wunder*
 
Henrik Schuetze am 13.4.2011, 16:46 Uhr:
Also ums nochmal zusammen zu fassen für hessen:
Gründonnerstag ab 04:00 Uhr verbot von Tanzveranstaltungen
Karfreitag: 00:00 - 24:00 Uhr Verbot von Tanzveranstaltungen
Karsamstag: 00:00 - 24:00 Uhr Verbot von Tanzveranstaltungen
OsterSonntag: 04:00 - 12:00 Uhr Verbot von Tanzveranstaltungen
OsterMontag: 04:00 - 12:00 Uhr Verbot von Tanzveranstaltungen
Das mit dem Sonntag gilt aber an jedem Sonntag.

Ausserdem is das Gestz von 2006: www.datumsrechner.de/gesetze/Hessen.pdf
 
Henrik Schuetze am 13.4.2011, 16:32 Uhr:
Vielleicht reicht auch, gegen 23:00 Uhr erstmal ne halbe Stunde lang ne Lesung oder ähnliches zu veranstalten... Blöd nur dass das wahrscheinlich in der Werbung hätte stehen müssen.
Das Karfreitag keine Partys sein dürfen is aber scho lange bekannt. Nich nur in Bayern, hessen und Sachsen. Ostersonntag früh und ostermontag morgen is natürlich hart... Naja. Auch nich schlecht. Bleiben die Clubs halt mal zu.
 
Rainer Emmerich am 13.4.2011, 15:43 Uhr:
Wie kann man sich als Weltstadt bezeichnen wenn man solche Gesetze und Regeln aufstellt.
 
journalffm am 13.4.2011, 15:33 Uhr:
Es handelt sich um das Hessische Feiertagsgesetz in der Fassung vom 29. Dezember 1971.
 
Michael Graf von Mainberg am 13.4.2011, 15:11 Uhr:
Ihr habt Euch verschrieben, das Gesetzt ist nicht von 1971, sondern von 1791 ... was anderes kann ich mir nicht vorstellen ... oder hat das was mit unseren christlichen Grundwerten zu tun?
 
Setzfehler am 13.4.2011, 13:42 Uhr:
... und Ostereier gesucht ...
 
Christian Spreen Six am 13.4.2011, 12:55 Uhr:
Dann ist doch alles easy: Cocoon, Velvet&Co müssen einfach alle Gäste auffordern sich als Priester oder Nonne zu verkleiden (die Kostüme gibt's jetzt wo Fasching vorbei ist sicher zum Dumping-Preis) und dann wird die Heilige Oster-Party gefeiert... :-)
 
 
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