Zahlen der BAGW zur Wohnungslosigkeit

650 000 Menschen in Deutschland sind obdachlos

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Die Mieten steigen, bezahlbarer Wohnraum wird knapper und Armut ein immer größeres Thema. Eine der Folgen dieser Probleme ist Obdachlosigkeit. Wie viele Menschen in Deutschland davon betroffen sind, zeigt eine Statistik der Bundesarbeitsgemeinschaft Wohnungslosenhilfe e.V.

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Die Bundesarbeitsgemeinschaft Wohnungslosenhilfe e.V. (BAGW) teilte nun mit, dass Schätzungen zufolge etwa 650 000 Menschen in Deutschland von Wohnungslosigkeit betroffen sind. Die meisten leben in Notquartieren. 48 000 von ihnen sind obdachlos. Die Schätzungen beruhen auf einer Hochrechnung aus dem Jahr 2017, die sich auf Zahlen aus Nordrhein-Westfalen stützt. Aktuellere Zahlen gebe es nicht und auch eine bundesweite Zählung habe es bislang nicht gegeben. Unter den Wohnungslosen waren auch 375 000 anerkannte Asylsuchende und Flüchtlinge in Flüchtlingsunterkünften und Erstaufnahmeeinrichtungen der Bundesländer. Nimmt man diese aus der Statistik heraus, waren dem Bericht zufolge 275 000 Menschen ohne Wohnung in Deutschland. Die BAG W schätzt die Zahl der Kinder und minderjährigen Jugendlichen auf 22 000 (acht Prozent), die der Erwachsenen auf 253 000 (92 Prozent). Der Anteil der erwachsenen Männer liege bei über 70 Prozent (185 000), der Frauenanteil bei knapp 30 Prozent (68 000).

Hauptgründe für die steigende Zahl der Wohnungslosen sind für die BAGW das unzureichende Angebot an bezahlbarem Wohnraum, die Schrumpfung des Sozialwohnungsbestandes und die Verfestigung von Armut. Es fehle insbesondere an bezahlbarem Wohnraum für die steigende Zahl von Menschen im Niedrigeinkommensbereich und für die Menschen, die Transferleistungen beziehen. Die Armutsrisikoquote sei bei Mieterinnen und Mietern deutlich gestiegen und betrug im Jahr 2015 knapp 30 Prozent. Darüber hinaus fehlten mindestens zwölf Millionen Kleinwohnungen. Der besonders großen Nachfragegruppe der Einpersonenhaushalte (17,2 Millionen) stand im Jahr 2017 nur ein Angebot von 5,2 Millionen Ein- bis Zweizimmerwohnungen gegenüber. Benötigt werden laut BAGW in Deutschland pro Jahr 80 000 bis 100 000 neue Sozialwohnungen und weitere 100 000 bezahlbare Wohnungen. Die Bundesregierung hatte sich das Ziel von 375 000 neuen Wohnungen pro Jahr gesetzt, im Jahr 2018 aber nur 285 000 Wohnungen, darunter lediglich 27 000 Sozialwohnungen, gebaut.

Bezahlbarer Wohnraum und Obdachlosigkeit – Große Probleme auch in Frankfurt

Auf der Zeil, rund um den Hauptbahnhof oder in U-Bahn-Unterführungen: Auch in Frankfurt ist Obdachlosigkeit ein großes Problem. Etwa 3000 Menschen in Frankfurt sind schätzungsweise obdachlos. Eyup Yilmaz, wohnungspolitischer Sprecher der Fraktion die Linke im Römer, beklagt, dass Notunterkünfte für viele zu Dauerwohnungen geworden seien. „Wir sehen, dass der freie Markt es nicht schafft, dass jede*r eine Wohnung hat.“ Auch hier sei ein großes Problem, dass zu wenig bezahlbare Wohnungen gebaut würden: „Im vergangenen Jahr sind gerade einmal 65 Sozialwohnungen in Frankfurt entstanden. Die öffentlichen Wohnungsunternehmen bauen kaum geförderte Wohnungen“, kommentiert Yilmaz. Außerdem seien die Bindungsfristen im sozialen Wohnungsbau zu kurz. Die Bestände schwänden, weil mehr Sozialwohnungen aus der Bindung fielen als gebaut werden. Dazu komme eine Regelung, nach der privat gebaute Sozialwohnungen schon früher aus der Bindung fallen können, wenn die öffentlichen Kredite früher als vereinbart zurückgezahlt werden.


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