Rohstoffmangel, Klimawandel und kleiner werdende Biodiversität bedrohen die Erde immer mehr. Das Senckenberg Naturmuseum stellt sich den Themen nachhaltige Zukunft und Bioökonomie in einer wachsenden Ausstellung.
Marlene Winkler /
Klimawandel und Artensterben werden innerhalb unserer Gesellschaft immer wichtigere Themen. Die Nachfrage nach Lebensmitteln, Energie und Konsumgütern steigt, nicht zuletzt wegen der immer weiter wachsenden Bevölkerungszahlen. Durch diesen steigenden Bedarf werden die Ressourcen der Erde massiv ausgereizt und überschritten. Das Golbal Footprint Network ermittelt jedes Jahr den „Earth Overshoot Day“, auch Weltüberlastungstag genannt. Dieser Tag markiert den Punkt an dem die natürlich Rohstoffe der Erde für das Jahr ausgeschöpft sind und die menschliche Nachfrage die Möglichkeiten der Erde übersteigt. Dieser Tag der Überlastung ist 2019 so früh wie noch nie, denn bereits am Montag, den 29. Juli, ist es soweit.
„Zukunft gestalten – Wie wollen wir leben?“
Mit diesem Thema beschäftigt sich auch das Senckenberg Naturmuseum vom bis zum 30. September 2020. Im Rahmen der wachsenden Ausstellung zur biobasierten Wirtschaft wird sich hauptsächlich mit Nachhaltigkeit und Erhalt der Artenvielfalt. Wie sieht eine Welt, in der sich Wirtschaft zum Wohle der Umwelt grundlegend verändert hat, aus? Dieser Problematik stellt sich die Ausstellung „Zukunft gestalten – Wie wollen wir leben?“. Ein wichtiger Teil dieser nachhaltigen Zukunft ist ein Umstieg auf biobasierte Rohstoffe. Sowohl die Chancen, als auch die Risiken dieser auf Pflanzen setzenden Bioökonomie stehen im Mittelpunkt der Ausstellung. Die Inhalte hierfür wurden im Rahmen des BMBF-geförderten Projekts Bio Kompass in Kooperation mit Jugendlichen und Vertretern aus den Bereichen Wissenschaft, Gesellschaft und Wirtschaft entwickelt.
Die Gesamtprojektleiterin Simone Kimpeler erklärt, dass es wichtig sei, Wissen über die Bioökonomie zu verbreiten und daran interessierte Bürgerinnen und Bürger aktiv in den Wandel einzubinden. Das Senckenberg Naturmuseum lade in diesem Zusammenhang zum Dialog über die Gestaltung und Auswirkungen der Bioökonomie im Alltag ein. Die Frankfurter Jugend wurde aufgrund dieses Austausches in die Inhaltsentwicklung mit einbezogen. Dabei setzten die Jugendlichen ihre Schwerpunkte auf (Plastik-)Konsum, Ernährung und Energieversorgung – Themen, die daraufhin zum thematischen Rahmen der Ausstellung wurden.
Es sei nicht nur das erste Mal, dass eine Ausstellung auf partizipative Weise entstehe, sondern auch ein inspirierender Prozess, von dem alle Beteiligten profitieren und etwas lernen würden, so Christina Höfling, Kuratorin der Ausstellung. Doch damit endet das Konzept nicht. Die Besucherinnen und Besucher der Ausstellung können sich selbst, durch die Entwicklung eigener Ideen auf Basis der vorhandenen Konzepte, einbringen und damit die Ausstellung wachsen lassen. Katrin Böhning-Gaese, Direktorin des Senckenberg Biodiversität und Klimaforschung Zentrums, betont, dass der Schutz der Biodiversität und damit der Lebensgrundlage des Menschen nur möglich sei, wenn alle mit einbezogen würden. Das Prinzip der Zusammenarbeit ist daher auch das der wachsenden Ausstellung. Spannende und innovative Ansätze zur Herstellung von beispielsweise Kleidung und Bechern, sind bereits zu sehen: Darunter zum Beispiel Zahnputzbecher aus Flüssigholz, Kleidung aus Algen- oder Hanffasern und Becher aus Kaffeesatz.