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Corona: Schwanger durch die Krise
 

Corona: Schwanger durch die Krise

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„Für die werdenden Mütter ist die Anwesenheit der Väter von höchster Wichtigkeit“

Foto: Gynaekologikum Frankfurt
Foto: Gynaekologikum Frankfurt
Was bedeutet die Corona-Krise für werdende Mütter? Jan-Erik Baumüller, Facharzt für Frauenheilkunde, erklärt, wie sich Schwangere schützen können, wie sie sich in Quarantäne verhalten sollten und was es bei Neugeborenen zu beachten gilt.
JOURNAL FRANKFURT: Herr Dr. Baumüller, das Coronavirus und die hohe Ansteckungsgefahr verunsichern insbesondere schwangere Frauen für große Unsicherheit. Werden Sie momentan vermehrt aufgesucht und um Rat gebeten?
Dr. Jan-Erik Baumüller
: Ja. Werdende Mamas sind in der Regel ängstlicher, wenn es um Infektionsrisiken rund um die Schwangerschaft geht. Je nach Persönlichkeitsstruktur reichen die Reaktionen von panischer Angst mit Wunsch nach Ausstellung eines Beschäftigungsverbotes – was Aufgabe des Betriebsarztes und nicht des betreuenden Gynäkologen ist – bis zu rationaler Gelassenheit, da Infektionen meist „milde” verlaufen und wir hierzulande über ein hervorragendes Gesundheitssystem verfügen.

Sind die Sorgen denn berechtigt? Ist das Virus für Schwangere gefährlicher?
Das Problem mit Corona-Infektionen in der Schwangerschaft ist ungefähr das Gleiche wie bei einer Influenza-Grippe: Wenn die Mutter einen schweren Verlauf entwickelt, der beispielsweise mit einer Lungenentzündung endet und die Situation für die Mutter selbst kritisch wird, muss gegebenenfalls eine frühzeitige Entbindung per Kaiserschnitt zur Rettung der Mutter erfolgen. Je früher dies passiert, desto höher ist das Risiko der Folgen der Frühgeburtlichkeit für das Kind. Die bisherigen Erkenntnisse hierzu beruhen auf Einzelfallberichten und erlauben keine statistischen Rückschlüsse. Grundsätzlich ist das Risiko für einen solchen Verlauf ab der 28. Schwangerschaftswoche höher oder wenn die Schwangere Vorerkrankungen wie Asthma oder Adipositas aufweist. In manchen Ländern gibt es deshalb bereits die klare Empfehlung, Schwangere ab der 28. Schwangerschaftswoche nicht mehr arbeiten zu lassen, wenn sie in Kontakt mit anderen Menschen sind.

Wie kann ich als Schwangere einer Infektion am besten vorbeugen?
Sie sollten sich so gut wie möglich an die Maßnahmen halten, die hierzulande für alle empfohlen werden. Familienangehörige werdender Mamas sollten noch engmaschiger auf die Hygiene achten. Wenn es schon größere Geschwister gibt, sollten diese möglich keinen Kontakt zu anderen Kindern haben. Dies ist alles sehr schwer zu realisieren, man sollte sein Bestes geben und immer vor Augen haben: die meisten Infektionen verlaufen ohne Langzeitfolgen.

Was muss ich beachten, wenn ich als Schwangere in Quarantäne muss?
Wenn man in Quarantäne muss, sollten die gleichen Verhaltensmaßregeln befolgt werden, wie im nicht-schwangeren Zustand, um eine Übertragung auf andere zu vermeiden. Die Schwangere selbst muss auf die gleichen Symptome achten und in Kontakt mit ihrem Hausarzt bleiben. Bei zunehmenden respiratorischen Problemen sollte vorsorglich eine Vorstellung in einem Perinatalzentrum erfolgen. Dabei handelt es sich um eine Klinik, die sowohl über eine Geburtshilfe und Kinderärzte verfügt als auch über eine Intensivstation, falls die Atemsituation Maßnahmen erfordert.

Einige Kreißsäle untersagen momentan die Anwesenheit des Vaters bei der Geburt, um das Infektionsrisiko zu minimieren. Wie stehen Sie zu dieser Maßnahme?
Das ist tatsächlich momentan die größte Sorge meiner Patientinnen. Sie haben Angst, dass der Vater nicht bei der Geburt dabei sein kann. Nach meinem derzeitigen Wissensstand gilt dies in Frankfurt nur im Kreißsaal der Universitätsklinik. Ich kenne die genauen Gegebenheiten dort nicht, aber die Hygienekommission wird sich schon Gedanken gemacht haben, warum es so sein soll. Für die werdenden Mütter ist die Anwesenheit der Väter jedoch von höchster Wichtigkeit.

Was bedeutet eine Corona-Infektion der Mutter für das Neugeborene? Lässt sich das bereits einschätzen?
Die erste Sorge ist das Risiko für Fehlbildungen, welches nach aktuellem Stand der Wissenschaft jedoch nicht besteht. Im Unterschied zu anderen weit verbreiteten Erregern, wie zum Beispiel das Cytomegalievirus, das bei einer Infektion in der frühen Schwangerschaft zu schweren Krankheitsbildern beim Fötus führen kann, ist dies aktuell für die bisherigen Corona-Viren nicht beschrieben. Eine schwere virale Infektion könnte theoretisch in der Frühschwangerschaft zu frühen Fehlgeburten führen.

Kann und darf ich als Mutter trotz Corona stillen?
Es kann ohne Einschränkung gestillt werden. Die Mütter sollen bei nachgewiesener Infektion Mundschutz tragen und sich regelmäßig die Hände desinfizieren. Jedes Elternpaar, dass schon mal ein Neugeborenes auf den Armen hatte, erahnt dass dies eine Übertragung kaum verhindern wird. Hier ist es beruhigend zu hören, dass die ersten Daten zeigen, dass schwere Verläufe bei Säuglingen extrem selten sind.
 
9. April 2020, 11.53 Uhr
Sina Eichhorn
 
Sina Eichhorn
Jahrgang 1994, Studium der Germanistik an der Justus-Liebig-Universität Gießen, seit Oktober 2018 beim Journal Frankfurt. – Mehr von Sina Eichhorn >>
 
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