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Boris Tomic verlässt Stadtredaktion
 

Boris Tomic verlässt Stadtredaktion

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Umbau bei der Frankfurter Neuen Presse

Foto: Salome Roessler
Foto: Salome Roessler
Boris Tomic verlässt die Frankfurter Stadtredaktion der FNP, die er sieben Jahre leitete. Die Zeitung befindet sich derzeit in einem großen Umbauprozess – personell wie auch in ihren Kulissen.
Im Oktober 2009 verließ Boris Tomic (Foto) das Journal Frankfurt, bei dem er über fünf Jahre Chefredakteur war. Er ging zur Frankfurter Neuen Presse, übernahm dort die Leitung der Stadtredaktion. Der Journalist, der vor seiner Zeit in Frankfurt in der Bundeshauptstadt seine Meriten verdiente – unter anderem beim Berliner Verlag – öffnete die Lokalseiten für neue Zielgruppen, etwa junge Familien oder Menschen aus dem Frankfurter Kulturbetrieb. Als beispielhaft kann die Einführung des Porträtformats "Der rote Faden" gelten, in der einmal in der Woche Frankfurter und ihr Schaffen vorgestellt werden – in einer für eine Tageszeitung ungewöhnlichen Länge und mit klarer Bildsprache. Aus der Vielzahl der Porträts ist auch ein kürzlich erschienenes Buch entstanden, bei dem Herr Tomic als Herausgeber fungierte.

Nun, nach etwas über sieben Jahren, zieht es ihn, der stets die Herausforderungen suchte, zu neuen Ufern. "Ich gehe von Bord", schreibt er gewohnt knapp. Seine Mannschaft hatte er am Donnerstagvormittag über den Schritt informiert, den Verlag bald verlassen zu wollen. Sein Ziel: Der Deutsche Fachverlag, schräg gegenüber der FNP an der Mainzer Landstraße im Gallus gelegen. Er soll dort die Chefredaktion der Fachzeitschriften food-service und FoodService Europe & Middle East übernehmen.

Joachim Braun, Chefredakteur der Zeitung, bedauert die Personalie: "Ich schätze ihn persönlich und seine Arbeit sehr und hätte den Change-Prozess gerne auch weiterhin mit ihm gemeinsam umgesetzt." Dieser "Change-Prozess" sei gleichsam nicht der Grund gewesen, dass er gekündigt habe. "Über die Gründe seines Wechsels hat er mir nur gesagt, dass es nicht an mir und meinem Projekt liegt, das er weiterhin richtig findet", so Braun.

Der Change-Prozess hat den Verlag schon seit einigen Monaten im Griff. Vor einem Jahr wurde öffentlich, das Joachim Braun vom Nordbayerischen Kurier die Nachfolge von Chefredakteur Rainer M. Gefeller antreten soll. Im März dieses Jahres stellte Joachim Braun die Ergebnisse eines "Strukturprozesses" vor, Titel: "Zukunft der FNP – FNP der Zukunft".

Das Papier wurde mit zwei recht drastischen Zitaten eingeleitet. Albert Einstein: "Die reinste Form des Wahnsinns ist es, alles beim Alten zu lassen und gleichzeitig zu hoffen, dass sich etwas ändert." Und direkt folgend die Medienforscherin Marie Bénilde: "Journalisten sind heute in derselben Situation wie die Stahlarbeiter in den 70er-Jahren. Ihr Schicksal ist es zu verschwinden, sie wissen es nur noch nicht.“

Soll heißen: Ohne Veränderung wird die Zeitung nicht erhalten werden können. Mit Veränderung: vielleicht. Zu den Leitlinien soll künftig eine stärkere Digitalisierung, eine Besinnung auf eigene Geschichten und Recherchen, ein kompletter Umbau der Redaktion zu einem Newsroom zählen. Für die baulichen Veränderungen nimmt der Verlag, die Frankfurter Societät, einen siebenstelligen Betrag in die Hand, wie Herr Braun in einem Interview mit dem Gewerkschaftsblatt journalist sagte. Am Ende sollen nicht unbedingt mehr Print-Abonnenten stehen – aber eine digitale Aufwärtsentwicklung, die dem Verlag schlussendlich auch wieder mehr Gewinne bescheren könnte. Vielleicht.

Neben dem bald wechselnden Boris Tomic und dem früheren Chefredakteur Gefeller hat auch dessen Stellvertreter Thomas Ruhmöller das Blatt zum 1. Oktober verlassen. Er war in der Frankfurter Öffentlichkeit dadurch bekanntgeworden, dass er nach der ein oder anderen missglückten investigativen Recherche, dem Verlag Rechtskosten im sechsstelligen Bereich beschert hatte. Fortan wurde er mit der Verwaltung der Onlineredaktion betraut, war auch bei der Eingliederung der Frankfurter Rundschau in den Verlag federführend. Nun trennte man sich, wie es heißt, "im besten freundschaftlichen Einvernehmen", Oliver Rohloff, Geschäftsführer der Mediengruppe Frankfurter Societät, in der die FNP erscheint, bindet folgenden Kranz: "Thomas Ruhmöller hat der Print-Redaktion viele frische Impulse gegeben und das Renommee der Zeitung deutlich gesteigert."

Auch Herr Rohloff ist neu im Verlag, übernahm im vergangenen Jahr die Aufgaben von Hans Homrighausen. Der Nachfolger von Thomas Ruhmöller wiederum ist Lutz Bernhardt, der Chefredakteur des GrenzEcho aus Eupen war, einer deutschsprachigen, belgischen Zeitung mit einer Auflage von gut 11.000 Exemplaren. Wer nun die Aufgaben von Boris Tomic in der Stadtredaktion, mithin Herzstück und Taktgeber der Frankfurter Regionalzeitung, übernehmen wird, ist jedoch noch nicht klar. Sein Vertrag bei der FNP endet offiziell am 31. März 2017.
18. November 2016
nil
 
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