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Foto: Bernd Kammerer
Foto: Bernd Kammerer

CSD Frankfurt

Bunt, laut und stolz

Seit 1992 feiert Frankfurt den Christopher Street Day (CSD). Jahr für Jahr kommen dazu Tausende in die Stadt, um Sichtbarkeit für die Community und ihre Rechte zu schaffen. Ein Rückblick auf 30 Jahre buntes Frankfurt und ein Ausblick auf das Jubliläumswochenende.
Alles begann mit einem Steinwurf. In der Nacht zum Samstag, dem 28. Juni 1969, stürmten Polizisten die New Yorker Bar Stonewall Inn in der Christopher Street. Es war nicht die erste Razzia, doch in dieser Nacht war etwas anders als bei den, von vielen Schwulen, Lesben und Transgender als demütigend empfundenen, Razzien zuvor: Die queere Community hatte erstmals das Gefühl, sich wehren zu können. Und das war für viele das entscheidende. Zu einer Zeit, in der Homosexualität laut Weltgesundheitsorganisation als Krankheit galt und in Filmen vor homosexuellen Nachbarn gewarnt wurde („Boys Beware“), markiert der Aufstand eine Zäsur in der Geschichte der LGBT-Bewegung in den USA. Inmitten von gesellschaftlichen Bewegungen und Protesten gegen den Vietnamkrieg, White Supremacy und das Patriarchat, hatten auch die Schwulen, Lesben und Transgender genug. Es gibt viele Versionen dazu, was genau an dem Abend passiert ist und wer den ersten Stein auf die Beamten geworfen hat, der die Unruhen entfachte. In New York wird seitdem am letzten Samstag im Juni mit einem Straßenumzug an die vier Tage anhaltenden Aufstände in der Christopher Street erinnert.

Mit „Homolulu“ erfuhr die LGBTQI-Bewegung Ende Juli 1979 auch in Frankfurt einen Aufschwung. „Frei vom Zwang uns gegen den Hetero-Terror abzugrenzen werden wir eine Woche Theater spielen, singen, einander lieben, miteinander arbeiten, uns zu Gesprächen zusammenfinden, lachen, tanzen, feiern“, wurde das Fest damals im JOURNAL-FRANKFURT-Vorgänger Pflasterstrand beworben. Auch dort durfte eine Pride Parade nicht fehlen. Doch bis zum ersten Christopher Street Day und seiner kontinuierlichen Fortsetzung in Frankfurt dauerte es noch weitere 13 Jahre.

1992 fand dann die erste Pride, wie man sie heute kennt, in Frankfurt statt. Zunächst noch in der Klingerstraße, zog der CSD nur drei Jahre später an den Ort, wo auch heute gefeiert wird: die Konstablerwache. Grund dafür war die wachsende Besucherzahl; 10 000 Menschen zählte 1994 der letzte CSD in der Klinger- und der Allerheiligenstraße. Zwei Tage lang, am 15. und 16. Juli 1995, fand das Straßenfest unter dem Motto „Gay Live“ statt. Auch in den Tagen danach gab es Programm. Mit Ausnahme vom Jahr 2008, wo die Demo an der Hauptwache, dem Rossmarkt, dem Goethe- und Rathenauplatz stattfand, ist seitdem die Konstablerwache jedes Jahr im Juli Treffpunkt für die queere Community.

Nicht unerwähnt bleiben in der Geschichte des Frankfurter CSD sollte wohl auch der Skandal 2016: Mit dem Motto „Lieb Heil“, das sich an die Nazi-Grußformel anlehnte, wollten die Veranstalter ein Zeichen gegen den Rechtsruck in der deutschen Politik setzen. Einige Teilnehmenden protestierten gegen die Darstellung und riefen zum Boykott auf – die Veranstalter änderten schließlich das Motto in „Liebe gegen rechts“.

Durch die Corona-Pandemie musste 2020 und 2021 die Party an der Konstablerwache abgesagt werden. „Der CSD bedeutet vor allem, präsent zu sein, unsere Forderungen zu stellen und zu zeigen: Queere Menschen gibt es und queere Menschen haben gleiche Rechte und fordern das eben auch ein“, sagte der damalige CSD-Pressesprecher Joachim Letschert im Gespräch mit dem JOURNAL-FRANKFURT nach Bekanntwerden der CSD-Absage im April 2020. Statt der großen Feier gab es einen Autokorso, Kundgebungen auf dem Römerberg und eine Fußdemo. In diesem Jahr geht es ein Stück mehr zur Normalität zurück: Am 16. Juli zieht die CSD-Demonstration unter dem Jubiläumsmotto „30 Jahre und kein bisschen leise“ durch die Innenstadt. Aufgrund der großen Teilnehmerzahl im Jahr zuvor (laut Veranstalter waren es 8000 Menschen) wird die Demo-Route geändert; auch eine Showbühne auf der Konstablerwache soll errichtet werden. Zudem sind Lastkraftwagen wieder erlaubt. Los geht es am Samstag um 11.30 Uhr mit einer Kundgebung auf dem Römerberg. Um 12 Uhr wird am Römer die Regenbogenflagge gehisst. Nach einer Schweigeminute für an Aids verstorbene Frankfurterinnen und Frankfurter beginnt der Demonstrationszug durch die Innenstadt.

Konstablerwache wird zum Festplatz

Auf der Hauptbühne an der Konstablerwache geht es bereits am Freitag ab 15 Uhr los. Neben DJ-Auftritten und Live-Musik, etwa von Sängerin Balu, wird es auch Showtanz und Burlesque von der Frankfurt School of Burlesque geben. Am Samstag folgt ebenfalls ein buntes Programm von 15 bis 1 Uhr – mit dabei sind unter anderem die Band Mia und DJ Sascha. Zusätzlich wird es auch erstmals eine GRIND Dance Stage geben, direkt am Regenbogenkreisel in der Alten Gasse. Dort stehen über die vier Festivaltage hinweg knapp ein Dutzend DJs auf dem Programm, in Zusammenarbeit mit der Pink Bar gibt es Getränke.

Erweitertes Programm mit Lesung und Gottesdienst

Auch einige Veranstaltungen in der Stadt sollen angeboten werden; Im Haus am Dom findet am CSD-Samstag von 18.30 Uhr bis 20 Uhr Podiumsgespräch, Lesung und Sektempfang statt. Unter dem Titel „Katholisch und Queer“ geben queere Christinnen und Christen biografische Zeugnisse von ihren Erfahrungen mit und in der katholischen Kirche. Veranstaltet wird der Abend von der Katholischen Akademie Rabanus Maurus und dem Bistum Limburg. Das LSKH Queeres Kulturhaus organisiert außerdem zum CSD-Wochenende eine Veranstaltungsreihe zur Reflexion über 30 Jahre CSD Frankfurt und die Wünsche der queeren Community für die Zukunft. Bei den Workshops geht es unter anderem um Mehrfachdiskriminierung in der LGBTQIA-Community, genderinklusive Sprache und Asexualität. Das komplette Programm sowie wird auf der Website LSKH.de aufgeführt.

Änderungen im Nahverkehr am Samstag

Anlässlich der CSD-Parade durch die Innenstadt wird auch der Nahverkehr angepasst. So werden die Straßenbahnlinien 11, 12 und 14 von etwa 8.30 Uhr bis 17 Uhr unterbrochen oder umgeleitet, gleiches gilt für die Linie 18 ab 11.30 Uhr. Die Linien 11 und 14 fahren in dieser Zeit zwischen Hauptbahnhof und Allerheiligentor eine Umleitung über Sachsenhausen und Südbahnhof. Die Linie 12 verkehrt nur zwischen Rheinlandstraße und Willy-Brandt-Platz. Die Linie 18 nimmt zwischen Nibelungenplatz und Hospital zum Heiligen Geist die Umleitung über Bornheim, Zoo und Hanauer Landstraße. Auch die Buslinien 30 und M36 fahren nur eingeschränkt: Die Linie 30 ist nur zwischen Bad Vilbel beziehungsweise Unfallklinik und Bornheim Mitte unterwegs. Die Linie M36 wird geteilt und pendelt zwischen Westbahnhof und Holzhausenstraße sowie zwischen Hainer Weg und Südbahnhof. Die die Linien U4 und U7 fahren bis in die Nacht hinein mit zusätzlichen Wagen.
 
15. Juli 2022, 10.27 Uhr
Elena Zompi
 
 
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