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Foto: Stadt Frankfurt am Main
Foto: Stadt Frankfurt am Main

Wie schützt man Prostituierte?

Frankfurt soll die Arbeitsbedingungen verbessern

Eine Broschüre, die das Bahnhofsviertel und auch Bordelle bewirbt, ist in die Kritik geraten. Die frauenpolitische Sprecherin der Grünen, Ursula auf der Heide, geht das nicht weit genug: Sie möchte die Arbeitsbedingungen der Prostituierten verbessern.
Eine Broschüre, die das Bahnhofsviertel und auch Bordelle bewirbt, ist in die Kritik geraten. Die frauenpolitische Sprecherin der Grünen, Ursula auf der Heide, geht noch weiter: Sie möchte die Arbeitsbedingungen der Prostituierten verbessern.

Während sich einige Stadtpolitiker über die Wortwahl einer Marketingbroschüre über das Bahnhofsviertel der Tourismus+Congress GmbH ereifern, weil darin – vielleicht etwas zu leichtfertig – von Mädchen aus Rumänien und Bulgarien die Rede ist, die in einem Laufhaus ihre Dienste anbieten, versuchen andere Politiker, die Lage für Prostituierte zu verbessern. Jeder, der bei Trost ist, weiß, dass es sich bei den osteuropäischen Frauen vornehmlich um Armutsprostitution handelt. Ein stetig drängender werdendes Problem, manche sprechen von modernem Menschenhandel. Ursula auf der Heide, Stadtverordnete und frauenpolitische Sprecherin der Grünen sieht Handlungsbedarf, auch wenn sie weiß, dass nicht alle Probleme lösbar sind.

„Im Juli kommenden Jahres tritt das Prostitutionsschutzgesetz in Kraft“, sagt die Frankfurterin und fordert, dass sich die Stadt schon darauf vorbereitet. Der Bundestag will künftig die rund 150.000 Prostituierte in Deutschland besser schützen und hat einen entsprechenden Maßnahmenkatalog erlassen. Geplant sind unter anderem neben der Kondompflicht auch regelmäßige Pflichtkontrollen beim Gesundheitsamt und Meldeverfahren. Doch ebendieser Zwang könnte viele Prostituierte in die Illegalität treiben, somit hätten sie gar keinen Schutz mehr, befürchten Kritiker. „Man kann vor den Leuten, die keine Wahlmöglichkeiten haben, nicht die Augen verschließen“, sagt auf der Heide. Unter den Prostituierten befänden sich Analphabetinnen, Personen, die unter falschen Vorzeichen herkamen oder auch innerhalb des Familienverbundes zum Anschaffen gezwungen würden. „Ich will seit drei Jahren, dass wir da ein Konzept erarbeiten, es gibt eine humanitäre Katastrophe im Bahnhofsviertel.“ Gerade die Beschaffungsprostituierten würden zugedröhnt zu jedem ins Auto steigen. „Das Prostitutionsschutzgesetz würde so in Frankfurt nicht funktionieren“, ist sich auf der Heide sicher. „Deshalb haben wir uns im Koalitionsvertrag für ein Mindestmaß an humanitären Standards“ eingesetzt.

Es sei Quatsch Prostitution zu verbieten, aber man könne Angebote machen, um das Gewerbe menschenwürdiger zu machen. Die Politikerin schlägt beispielsweise Waschgelegenheiten und Toiletten an der Theodor-Heuss-Allee vor. Auch über „Verrichtungsboxen“, wie sie in Köln aufgestellt wurden, müsse man nachdenken. „Es ist schwierig mit den Prostituierten ins Gespräch zu kommen und Hilfe anzubieten, aus dem Milieu herauszukommen“, weiß die Frankfurterin. Es gingen teilweise auch heterosexuelle Väter mit den Söhnen auf den Männerstrich, um die Familie durchzubringen. „Mit gängigen Rezepten, kann man da nicht kommen.“ Auf der Heide schwebt ein Arbeitskreis vor, an dem sich die Staatsanwaltschaft, Streetworker, das Gesundheitsamt und die Kripo ebenso wie das Gesundheits- und Frauenreferat beteiligen. „Das bundesweite Gesetz ist beschlossen, aber das Geld dafür kommt nicht in die Kommune“, daher müsse man selbst sehen, wie man Gesundheitsangebote finanzieren könne. In Bonn gebe es etwa eine Straßennutzungsgebühr beim Straßenstrich. Auch Plakate während der Messezeiten, wie sie in Stuttgart hängen, seien eine Maßnahme, um ein Bewusstsein für die prekäre Situation der Prostituierten zu schaffen. „Die Würde des Menschen ist auch beim Ficken unantastbar“ sei da etwa ein Slogan oder auch „Kondome benutzt man, Frauen nicht“.

Auf der Heide weiß, dass all diese Maßnahmen nicht Menschen vor dem Anschaffen retten. Aber sie würde gerne Rückzugsorte anbieten können, „Zuhälter- und Freierfreie Zonen“. Es könne auch nicht sein, dass man von einem Gewerbe, dass für Bordelle so lukrativ sei, so wenig Steuern erhalte. „Wir müssen ein Signal auch an die nicht freiwillig Tätigen senden, dass die Stadt deren Situation nicht als normal akzeptiert. Man kann bei der modernen Sklaverei nicht tatenlos zusehen.“ Wenn das Gesetz im kommenden Jahr kommt, solle Frankfurt gut vorbereitet sein.
 
9. September 2016, 10.15 Uhr
Nicole Brevoord
 
 
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