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Und tusch!

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Die große Blockupy-Bilanz

Friedlich und laut sind die Blockupy-Tage am Samstag mit einer Demonstration zu Ende gegangen. Jetzt geht es an die Verarbeitung der Proteste. Parteien, Veranstalter und Polizei ziehen unterschiedliche Bilanzen.
Die Ordnungsbehörden und Politiker wie Innenminister Boris Rhein oder Stadtrat Markus Frank (beide CDU) hatten schlimme Krawalle befürchtet - sie blieben auch am letzten Tag der Blockupy-Proteste in Frankfurt aus. Bei der zentralen Kundgebung zogen zehntausende Bürger weitgehend friedlich durch die Straßen der Stadt. Die Polizei schätzte die Teilnehmerzahl auf etwa 20.000, die Veranstalter sprachen zunächst von 25.000, korrigierten die Zahl am Ende des Abends aber auf 30.000. Es ging gegen die Macht der Banken, gegen die Sparpolitik der sogenannten Troika aus EZB, EU und IWF. Wie schon in den Tagen zuvor waren gut 5000 Polizisten im Einsatz. Die Demo begann am Hauptbahnhof, dann zog der Protestzug durch die Innenstadt und das Bankenviertel - einzig die EZB blieb tabu, das Gelände um die Zentralbank hatte die Polizei abgeriegelt. Inmitten der Demonstranten hatte sich auch der als gewalttätig geltende schwarze Block positioniert - streng bewacht von Ordnungshütern. Dort kam es zu Rangeleien, auch ein paar Böller wurden gezündet. Laut Polizeiangaben wurde ein Beamter von einem Stein getroffen. Die Demonstranten beklagten ihrerseits Provokationen der Polizei, die immer wieder versucht habe, in den Demonstrationszug einzudringen.

Die Bilanz:

"Die Polizei in Frankfurt ist mehr als zufrieden mit dem Verlauf der Versammlung am heutigen Samstag", heißt es in einer Pressemitteilung der örtlichen Behörden. Sie führen den ruhigen Verlauf der Blockupy-Proteste auch auf ihren Einsatz zurück. Im gesamten Verlauf der Protesttage wurden mehr als 600 Personen vorläufig festgenommen. Unzählige Platzverweise wurden erteilt.

Das umsGanze!-Bündnis wertete die Demonstration als vollen Erfolg, der "trotz politischer Hetze durchgesetzt und gegen Provokationen der Polizei entschlossen verteidigt" wurde. "Die Polizei hat ihr Möglichstes getan die Situation zu eskalieren und so die lächerliche Notstandübung der vergangenen Tage nachträglich zu rechtfertigen", kommentiert Marlies Sommer, die Sprecherin des Bündnisses.

Attac freut sich, dass trotz Verbote ein sichtbares Zeichen gesetzt werden konnte. . „Das ist ein enormer Erfolg", sagte Blockupy-Sprecher Christoph Kleine. 25.000 Menschen hätten ihre Solidarität zu Griechenland und zu anderen europäischen Ländern am Existenzminimum „laut und deutlich“ verkünden können. Zudem habe der Verlauf der Aktionstage die Gefahrenprognose von Stadt und Polizei lächerlich gemacht.

Für die SPD meldete sich die innenpolitische Sprecherin der Partei im Hessischen Landtag, Nancy Faeser, zu Wort. „Wie freuen uns, dass die Demonstrationen friedlich geblieben sind und sich die Befürchtungen geplanter Gewaltexzesse nicht bewahrheitet haben. Das Demonstrationsrecht ist und bleibt eine wichtige Säule unserer Demokratie“, so die SPD-Politikerin.

Die Frankfurter FDP hielt die Blockupy-Verbote von Beginn an für rechtens. Da die Anmelder, vor allen Dingen die Linke, ihrer Meinung nach , sich nicht strikt genug von möglichen Gewaltakten distanzierten, sah die FDP die Verbote und die Einschränkungen durch die Polizei für angemessen und unabdingbar für die Sicherheit der Frankfurter Bürger.

Die Linke im Römer spricht von einem großen Erfolg, den sie nach eigenen Angaben den über 30000 Teilnehmern zu verdanken haben. Die Stadtregierung sei, laut der Fraktionsvorsitzenden der Linken im Römer, Domnike Pauli, „blamiert“ und stünde „vor einem selbstangerichteten Scherbenhaufen“. Denn die Stadt hätte mit ihrem Polizeiaufgebot gezeigt, welch überdimensionale Wichtigkeit und Einfluss die EZB hat und somit dem Ruf der Stadt geschadet. Der Landesvorsitenzde der Partei, Ulrich Wilken, schlug in die selbe Kerbe.

Der innenpolitische Sprecher der Grünen im Landtag, Jürgen Frömmrich diagnostitizert: „Die gewaltfreien Aktionen wurden dem Anliegen der Blockupy-Bewegung gerecht. Das Recht auf Demonstration ist eines unserer Grundrechte und es wurde verantwortungsvoll wahrgenommen“, diagnostizierte er. Gleichzeitig kritisierten die Grünen die Panikmache, die vom hessischen Innenministerium ausginge und in einem Polizeiaufgebot und zahlreichen Verboten gipfelte. Trotzdem, so die Grünen, haben auch die Veranstalter einen deutlich verkündeten Gewaltverzicht versäumt, der gerade wegen den Ausschreitungen am 31. März nötig gewesen sei. „Die Lehre aus den letzten vier Tagen ist: Wer richtigerweise auf die Auswüchse der unregulierten Finanzmärkte hinweisen möchte, für den muss völlig klar sein, dass Gewalt kein Mittel der Auseinandersetzung ist.“, stellte Frömmrich fest.
Auf Stadtebene wägten Omid Nouripour und Martina Feldmayer für die Grünen das Für und Wider der Demonstratioen ab: "Der Schutz der Bürgerinnen und Bürger ist eine elementare Pflicht des Staates. Der Schutz des Grundrechts auf Versammlungsfreiheit aber auch. Demonstrationsverbote werden nur selten höchstrichterlich bestätigt. Wir stellen fest, dass die Gerichte damit die von den Sicherheitsbehörden festgestellte Gefährdungslage anerkennen", so die Vorstandssprecher der Frankfurter Grünen. Dennoch könne es nicht sein, dass aus Angst vor Ausschreitungen das Demonstrationsrecht ausgehebelt wird.
 
20. Mai 2012, 09.21 Uhr
nil/yog/ges
 
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Fotogalerie: Blockupy-Demonstration
 

Leser-Kommentare

Kommentieren
 
Gerd Hauptmann am 20.6.2012, 12:32 Uhr:
@ EinkaufNeu:
Gerichte sind gekauft, Polizisten unterlaufen Demonstrationen und stacheln auf, und am Ende schleichen sie sich noch in Foren um dort auch noch Unruhe zu stiften.
Klingt ein wenig paranoid!

Im Übrigen:
"Geschäftsleute" sind auch "Bürger"...
Irgendwie.
 
Patrick Meier am 23.5.2012, 14:11 Uhr:
Klar,,wenn sich normale Bürger zu Wort melden, dann heißt es sofort es sei manipulierte Meinung. Weder gibt es einen Polizeibeamten in meiner Familie noch Verbindungen zu Politikern. Ich habe einfach eine etwas andere Meinung als sie und bin weder manipuliert noch sonst irgendwie eingekauft.

Eine eigene, bürgerlich-konservative, Meinung zu vertreten ist offenbar suspekt.

Die Polizei und der Staat werden übrigens zu einem großen Teil aus den Steuergeldern der sogenannten Mittelschicht finanziert, das ist der Teil der Gesellschaft der sich eher weniger auf Demos rumtreibt, aber dafür in den Büros dieser Stadt sein Geld verdient und versucht seiner Familie ein vernünftiges Leben zu bieten.

Dieser Teil der Gesellschaft kann dann auch mal den Anspruch erheben von der Polizei geschützt zu werden, wenn linke Kräfte ankündigen die Bänker auf dem Weg zur Arbeit "anzugreifen".
 
Einkauf Neu am 22.5.2012, 17:54 Uhr:
Nach dem Beitrag von ?christoph.hense69? lesen sich die Kommentare, als wären sie von den Beamten oder deren Angehörigen geschrieben worden.

Das Recht auf Demonstration muss unantastbar sein. Was hier von den Gerichten entschieden wurde kann nicht rechtens sein.

Wenn der Bürger nach mehr Sicherheit ruft, dann hat die Stadt kein Geld. Geht es aber um Geschäftsleute dann hat die Stadt auf einmal Geld. Woher kommt der Geldsegen um das Polizeiaufgebot zu finanzieren.

Schon bei der Startbahn West konnte man erleben, dass Polizisten sich als Demonstranten verkleidet haben und mit den Krawallen loslegten, damit die Polizei einschreiten konnte.

Es könnte sein, dass dies bei der Demonstration vielleicht auch so war!?
 
Gerd Hauptmann am 21.5.2012, 20:45 Uhr:
Seltsam.
Ich habe mich schon während der Demonstration gefragt, warum ständig betont wird, dass die Polizei provoziert. Oder warum die Veranstalter so glücklich darüber waren, dass die Teilnehmer den angeblichen Provokationen widerstehen konnten.
Mir ist nämlich genau das Gegenteil aufgefallen:
Mehrere Demonstranten haben ungeniert Polizisten provoziert, die ihrerseits auf die Provokationen teils schon gelangweilt reagierten, bloß noch die Augen verdrehten und augenscheinlich versuchten den Provokateur auszublenden.
(Chapeau!)
Die wissen doch selbst, dass überall hunderte Kameras und Handys darauf warten, einen Fehltritt zu dokumentieren.

Einige Demonstranten (augenscheinlich harmlose Hausmütter und Familienväter) wandelten ihre friedlichen Gesichter in hassverzerrte Fratzen und brüllten den versteinerten Robotern (mit Fragezeichen in den Augen) ins Gesicht, dass sie sich gefälligst verpissen sollten.
Eine Frau hatte sogar eine "PACE"-Flagge um die Schultern gelegt. Was hat das denn diese Wortwahl bitte mit "PACE" zu tun?!

Ein anderer Demonstrant schoss von den Polizisten ein Poitrait nach dem anderen, während ich mich fragte, wie er selbst wohl reagieren würde, wenn ein Unbekannter Mensch mit einer Digitalkamera 50cm vor seinem Gesicht herumfuchteln würde.

Schon richtig, dass die Polizei teilweise sogar in der Demo mitgelaufen ist... aber wer die Augen auf macht hat auch gesehen, dass sie sich dem Blickfeld entzogen haben wo es nur ging.

Andere Demonstranten haben sich den Polizisten an einer Engstelle einfach in den Weg gestellt.

Als ich mehrfach durch die Polizeikette musste, haben die Platz für mich gemacht bzw. sind mir aus dem Weg gegangen oder haben kurz angehalten, ohne dass ich darum bitten oder gar kämpfen musste. Auch die mit echt fieser Fresse!

Ich glaube, dass diese Parolen mit "Provokation durch die Polizei" bei dieser Demonstration Schwachsinn ist!
In meinen Augen reine Stimmungsmache! Hirnlos und sinnfrei! Aus Spaß an der Hetze und dem Konflikt!
Wie kann man sich denn durch bloße Anwesenheit provozieren lassen? Geht nicht!
Aber man es als Grund und Rechtfertigung für gewalttätige Aktionen anführen.

Btw. zum Thema Fußballspiele:
Soweit ich weiß werden auch gewaltbereite Fußballfans von Spielen ausgeschlossen. Das nennt sich dann Stadionverbot.
Und ein Verbot würde sehr wohl Grundrechte beeinträchtigen!

@ Mario M. Flaschentraeger:
Zitat: "Es stellt sich aktuell die Frage, haben wir JE so einen Aufwand gegenüber Rechtsradikale erlebt?"
Glücklicher Weise sind die "öffentlich bekennenden Rechten" zahlenmäßig (und definitiv auch intellektuell) den "Linken" unterlegen... Vielleicht ist das ein Grund, warum die Rechten in den letzten Jahren bei Demonstrationen à là M31 keine Millionenschäden angerichtet haben, sodass ein solcher Aufwand überhaupt nicht in Betracht gezogen werden musste.
Aber das ist reine Spekulation, davon hab ich keine Ahnung
 
dieter am 21.5.2012, 17:19 Uhr:
Mein Vorschreiber hat recht.
Wäre nichts verboten worden..wer weis wie es abgelaufen wäre. Nach den veröffentlichungen im Internet und den Erfahrungen im März war ein Verbot die eizig logische Konsequenz.
Es sind merkwürdige angebliche Intellektuelle,die von einer Beschneidung von Rechten reden.
Das Versammlungsgesetzt muß geändert werden. Nicht jede Chaotengruppe darf das Recht haben,überall und immer zu demonstrieren und andere Menschen zu behindern.
Es gibt Plätze,die geeignet sind,z. B. Festplatz..oder Commerzbankarena. Da kann doch jeder hingehen,wr an dem Thema interessiert ist. Das wären nur wenige. WArum muß man friedlichen Bürgern etwas aufzwängen was sie nicht interessiert?
 
Robert Soran von Grosswardein am 21.5.2012, 16:43 Uhr:
Gewonnen hat BlockOcupy! nichts, Frankfurt aber alles.
25.000 Protest-Touristen und abkomandierte Gewerkschaftler, Lenke, Grüne, alles in allem 20.000 - 30. 0000 Protestanten aus EU, also 30.000 von 300.000.000 Millionen ist gerade mal 0,1 % der Europäer "solidarisierten" sich gegen Kapitalismus, EU, EURO, Deutschland, Banken und Frankfurter Bürger, die belagert wurden.
Bolockieren konnten die Demonstranten nichts außer den öffentlichen Verkehr und die Frankfurter Bürger, was das Verständnis der Frankfurter für die Occupy! Wiesel erheblich geschmälert hat. Ihre Botschaft hat eigentlich niemand so richtig interessiert, und die Banken haben sich einen Dicken ins Fäustchen gelacht über diese Bewegung ohne Sinn, Zweck und Wirkung.
 
Patrick Meier am 21.5.2012, 11:02 Uhr:
Das sich Amtsträger und/oder Polizisten Gewalt gewünscht haben, kann ich mir nun wirklich nicht vorstellen. Aber diese Argumentation passt zu der Argumentationslinie der Blockupy-Veranstalter. Der Staat, die Banken, das Kapital sind die Bösen und wir, die Gegner, sind die einzig wahren Guten. Nur Blockupy schützt das GG und die Versammlungsfreiheit, der Staat möchte Freiheiten unterdrücken und daher ist es in Deutschland schon so schlimm wie in der Ukraine und ind Russland.

Das hier freiheitliche Grundordnung nicht in Gefahr ist, hat sogar die Frankfurter Rundschau in einem Kommentar bestätigt.

Beide Seiten haben sich argumentativ nichts geschenkt, wenn es darum ging die andere Seite in ein Licht zu rücken, welches die andere Seite auf der dunklen Seite der Macht positioniert. Die Blockupy-Gruppe am Rande des gewaltätigen Volksaufstands und die Polizei und der Rechtsstaat als Unterdrücker und Peiniger des GG.

Der Verlauf der Demo zeigt das nun beide Positionen übertrieben sind. Die Polizei hat auf das was am 31. März passiert ist reagiert. Die Anzahl der eingesetzten Polizisten ist am Ende evtl. vielleicht etwas zu groß gewesen, aber es wurde eine friedliche Demo, so wie sich das alle gewünscht haben, auch, weil die Polizei mit der massiven Präsenz Unruhestifter unter Kontrolle hatte, oder sogar aus Frankfurt ferngehalten hat.

Der demokratische Rechtsstaat ist auch nicht untergegangen, weil viele, verbotene, Aktionen in gewisser Weise doch stattgefunden haben. Die Polizei hat zum großen Teil auch diese Kundgebungen toleriert und niemand der sich an die Anordnungen der Polizei gehaltenm hat, musste ungerechtfertige Maßnahmen über sich ergehen lassen. Und selbst diejenigen die weggeschleppt wurden haben doch ihren PR-Zweck erfüllt. Ich bin mir sicher, dass es den Veranstaltern schon an der ein oder anderen Stelle gefallen hat, wie Demonstranten von der Polizei weggetragen wurden. Diese Bilder passten ins Weltbild von Blockupy und die Staatsmacht hat die passenden Bilder geliefert. Fast schon eine WIN-Win-Situation, Polizisten nicht umsonst vor Ort und schöne PR-Bilder für die Presse.

Das sich Blockupy nun für den friedlichen Verlauf feiern lässt ist allerdings ein Witz, denn für etwas was eine Selbstverständlichkeit ist, muss ich mich nicht feiern lassen.

Nach vier Tagen Protest gegen den Kaiptalismus kann Frankfurt wieder zur Normalität übergehen und beide Seiten können in der Zukunft an ihrer gemeinsamen Kommunikationsfähigkeit arbeiten und weniger an ihren Dogmen festhalten. Auch die Meinung der anderen Seite verstehen und versuchen einen Konsens zu finden gehört zu den demokratischen Tugenden. Da kann und muss auch Blockupy noch vor der eigenen Haustür kehren.
 
Rebecca am 20.5.2012, 18:52 Uhr:
Jetzt, wird darüber gestritten, ob es wegen oder trotz des großen Polizeiaufgebots friedlich blieb. Angesichts der militanten Vorankündigungen ist doch überdeutlich, dass Es nur gut ausgegangen ist wegen des massiven Einsatzes der Ordnungskräfte. Innenminister und Polizei haben mit massiver Präsenz den Beschlüssen der Gerichte Rechnung getragen.
Der "Schwarze Block" darf sich schwarz ärgern. Doch die Finanzmetropole wird weiter Ziel solcher Demonstrationen sein. Deshalb muss die Polizei aus diesen Blockupy-Tagen lernen. Sie muss ihre Strategie verfeinern. Robust sein, und doch feinfühlig.
 
christoph.hense69 am 20.5.2012, 17:55 Uhr:
occupy hat zwar gewonnen, da die bewegung als faktischer und moralischer sieger aus der konfrontation hervorgegangen ist, die innenminister und polizei ihr aufgezwungen haben, doch gibt der in diesem zusammenhang zutage getretene staatliche umgang mit dem grundrecht auf freie meinungsäußerung größten anlass zur sorge um unseren demokratischen rechtsstaat und den primat der politik über das kapital.

liberalität und freizügigkeit dürfen nunmehr allein das kapital, bzw. dessen vertreter und besitzer beanspruchen, nicht jedoch die bürgerinnen und bürger.

deren legitime proteste werden - aufgrund vager 'befürchtungen', dass unter zehntausenden friedlichen demonstranten einige wenige sein könnten, die sich von den 'ordungshütern' zu gewalt provozieren lassen könnten oder - und das war in der vergangenheit stets eine noch wesentlich geringere zahl - die ihrem frust mit gewalt luft machen könnten - an drei von vier geplanten aktionstagen kurzerhand verboten und die ziele des protestes werden zum sperrgebiet erklärt; es werden also methoden angewandt, wie sie auch in einer 'lupenreinen demokratie', i.e. putins russland, üblich sind.

fußballspiele hingegen, unter deren zuschauern der anteil an gewaltbereiten 'fans', deren gewalt sich zudem oft gegen unbeteiligte personen richtet, mitunter wesentlich größer ist, werden nicht verboten, obwohl hiervon kein grundrecht beeinträchtigt würde, und die sozialisierung der kosten für polizeieinsätze im zusammenhang mit fußballspielen wird ebefalls nicht infragegestellt, wie im zusammenhang mit den blockupy-protesten in diesem forum des öfteren geschehen.
 
Mario M. Flaschentraeger am 20.5.2012, 10:39 Uhr:
OCCUPY hat gewonnen ...

Meine persönliche Zahl des Tages .... ca. 25.000 Menschen haben in Frankfurt gestern trotz aller Schikanen, entgegen der Erwartung des Hessischen Innenministerium FRIEDLICH protestiert. Der Versuch die Protestbewegung OCCUPY zu kriminalisieren hat nicht funktioniert.

Die Polizeitaktik erinnerte sehr an die Startbahnzeiten in den 70er. Martialisch bekleidete Roboter provozierten Bürger aus allen Schichten ... allerdings ohne Erfolg. Rund vierhundert Festnahmen am Donnerstag darf man wohl getrost als "Übergriff" und rechtswidrig bezeichnen, zumal zahlreiche Festnahmen bereits auf den Autobahnen erfolgten.

Ich bin immer wieder amüsiert und irritiert wenn Polizeisprecher behaupten, es wären soundsoviel gewaltbereite Teilnehmer zugegen gewesen. Woran und woraus ergeben sich solche Zahlen und Mutmaßungen? Haben die "Gewaltbereiten" sich vorher bei der Polizei telefonisch angemeldet? Es ist und bleibt politische Propaganda und Selbstlegitimation für staatliche Gewalt. Der geneigte Leser des Boulevard nimmt diese Zahlen als reale Bedrohung wahr und wird so manipuliert.

Diese Praxis müsste ernsthaft kritisch hinterfragt werden, da dies auch einer illegalen Vorverurteilung gleich kommt. So eine pauschale "Vorverurteilung" war u.a. in den USA auch der Anlass für die Ermordung des jungen Tryvon Martin. Der Schütze reklamierte, dass das Opfer einen Kapuzenpullover trug. So kommt einem auch die Begründung der Polizei vor. Der einzelne Polizist mag hierfür nicht verantwortlich sein. Die Polizeiführung ist es.

Es stellt sich aktuell die Frage, haben wir JE so einen Aufwand gegenüber Rechtsradikale erlebt? Ich kann mich nicht erinnern. Ich würde den Rücktritt des Hessischen Innenminister fordern, denn dieser hat das Chaos auf Frankfurts Strassen mit bis zu 5.000 Polizisten, Strassensperren und Zusammenbruch des städtischen Lebens zu verantworten. Von den Kosten und Schäden ganz zu schweigen. Der Innenminister versagt in seiner Aufgabe.

Die Gegner der Demokratie waren die letzten vier Tage nicht auf der Straße, sondern sassen in Amtsstuben und wünschten sich die Gewalt förmlich herbei ...

Mein Respekt gehört all jenen die in den letzten Tagen für die Demokratie eingetreten sind und jenen die Flagge gezeigt haben. Politiker waren hier die Ausnahme. Die meisten versteckten sich lieber hinter irgendwelchen juristisch dubiosen Entscheidungen.

Für mich bleibt ein fader Beigeschmack, das die Demokratie mal wieder der Bankenlobby geopfert werden sollte und viele Bürger wohl immer noch nicht verstanden haben, dass es auch um deren Interessen geht.

Einen schönen Sonntag.
 
 
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