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Standpauke für Tarek Al-Wazir
 

Standpauke für Tarek Al-Wazir

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Zur 100. Montagsdemo kamen mehr als 3000 Ausbaugegner

Schon lange sind bei einer Montagsdemo am Flughafen nicht mehr so viele Menschen erschienen wie zur 100. Protestveranstaltung, selbst Politiker wie Wirtschaftsminister Tarek Al-Wazir, Peter Feldmann und Thorsten Schäfer-Gümbel waren da.
Es waren weit mehr als 3000 wütende aber dennoch friedliche Demonstranten, die am Montag kurz vor 18 Uhr das Terminal 1 in den Abschnitten A und B bevölkerten, umgetextete Lieder anstimmten, pfiffen, trommelten, Gitarre spielten und Reden schwangen. Bereits 100 Mal haben sich die Fluglärm- und Flughafenausbaugegner nun seit November 2011 versammelt und es werden, so hört man von den Bürgerinitiativen, noch weitere folgen. Die Kreativität der Schilder und Kopfbedeckungen – ein Mann trug einen King Kong auf dem Bauhelm, der ein Flugzeug in der Pranke hält –  und auch die Beharrlichkeit der Demonstranten sind jeden Respekt wert. Wohl auch deshalb leisteten Politiker fast aller Couleur der Einladung der Bürgerinitiativen Folge und erschienen am Montagabend.

Mittenmang Verkehrs-und Wirtschaftsminister Tarek Al-Wazir (Grünen), der in der Ansprache von Fluglärmgegnerin Ursula Fechter, die auf der Empore stand, so einige verbale Standpauken bekam, diese jedoch mit gelegentlich gehobenen Augenbrauen gelassen zur Kenntnis nahm. „Am Jahrestag der Eröffnung der Landebahn sei kein einziger politischer Vertreter dabei gewesen, heute sind alle hergekommen, um ihre Solidarität zu zeigen und das macht Fraport Angst, die Region hält zusammen“, wetterte es von der Kanzel. Tatsächlich hatten sich unter die Demonstranten auch der Frankfurter Oberbürgermeister Peter Feldmann mit seinem Offenbacher SPD-Kollegen Horst Schneider gemischt. Beide kauften gegen eine Spende ein weißes Bändchen, das an die 100. Demo erinnern sollte und Schneider hielt sein Protestschild in die Höhe. Auch SPD-Chef Thorsten Schäfer-Gümbel hörte sich an, was vor allem in Richtung der schwarz-grünen Regierung an Vorwürfen ertönte, und auch andere politische Vertreter der umliegenden Städte wie Wiesbaden, Mainz, Flörsheim und Neu Isenburg lauschten andächtig. „Hören Sie sich an, was wir zu sagen haben und nehmen Sie es mit nach Hause. So wie es ist, darf es nicht bleiben!“, sprach Ursula Fechter. Seit zwei Jahren werde man des Nachts aus dem Schlaf gerissen, es gebe verstärkt Gesundheitsschäden, angefangen von Blutdruck- und Pulsveränderungen bis hin zur allgemeinen Verzweiflung. Al-Wazir habe am 26.1.2012 gesagt, er erhoffe sich die Schließung der Landebahn, jetzt stehe er im Wort. „Das hat für uns immer noch Gültigkeit. Wir haben das einzig Richtige getan, wir tragen den Lärm dorthin, wo er herkommt. Fraport hat die Menschen bewusst, was Schadstoff- und Lärmbelastung angeht, belogen, jetzt versuchen Fraport und die Landesregierung uns mit allen möglichen angeblichen Verbesserungen ruhig zu stellen.“ Und dann sagte Fechter zu den Politikern: „Sie sind heute nicht unsere Gäste, sondern Mitdemonstranten“. Zumindest Horst Schneider und Peter Feldmann sowie Janine Wissler (Die Linke) liefen anschließend beim Protestzug mit durchs Terminal 1.

Feldmann sagte, er sei jetzt zum dritten Mal dabei und sei beeindruckt von der Hartnäckigkeit der Demonstranten. „Das zeigt, dass es sich hier nicht um Spinner handelt, sondern um Menschen mit einem ernsten Anliegen, die nicht grundsätzlich Flughafengegner sind. Wir müssen dafür sorgen, dass wir der fluglärmreduzierteste Flughafen der Welt sind und davon wegkommen, andere deutsche Flughäfen als Konkurrenten wahrzunehmen. Viele Lärmschutzmaßnahmen wurden zunächst als unmöglich abgetan, dann hat es etwas gedauert und es ging doch. Das letzte Wort ist noch nicht gesprochen.“ Dass diese Montagsdemos Wirkung zeigen, davon ist Offenbachs Oberbürgermeister Horst Schneider überzeugt. „Natürlich bringt das was. Als alter Reformist sage ich, steter Tropfen höhlt den Stein. Deshalb muss der Protest aufrecht erhalten bleiben. Sonst wird es bald die nächste Bahn geben. Das hatte man nach der Startbahn West ja auch nicht für möglich gehalten.“

Eine der treuesten Montagsdemobesucherinnen ist Janine Wissler von der Linken. „Wenn nicht jeden Montag so viele Menschen herkommen würden, dann gäbe es in der Landespolitik gar kein gesopräch mehr über Fluglärm. Darum ist es sinnvoll weiter Druck zu machen, man braucht halt einen langen Atem. Ich kann die Fluglärmgegner verstehen, weil meine Eltern in Neu Isenburg wohnen, aber auch ei mir in Bockenheim ist es viel lauter geworden. Ich find’s gut, dass Al-Wazir heute hier ist und Schäfer-Gümbel hat das Problem, dass die SPD ja den Ausbau befürwortet hat.“ man müsse zurück an den Verhandlungstisch, die gescheiterte Mediation wieder aufgreifen, davon ist der Schäfer-Gümbel überzeugt. „Ich glaube aber, dass die Standpunkte verkrustet sind.“ An eine Schließung der Nord-West-Landebahn bei einem kompletten Nachtflugverbot von 22 bis 6 Uhr und dem gleichzeitigen Verzicht auf das Terminal 3, wie die Bürgerinitiativen es fordern, glaubt er nicht. Ursula Fechter jedenfalls wird weiter kämpfen und glaubt, dass die Proteste andauern werden: „Eher gibt der [Fraport-Chef] Schulte auf, als dass wir aufhören zu demonstrieren.“
 
20. Mai 2014, 11.32 Uhr
Nicole Brevoord
 
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Fotogalerie: Montagsdemo
 

Leser-Kommentare

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Estefan Petersen am 22.5.2014, 00:23 Uhr:
Sehr guter Artikel. Er beleuchtet, was Menschen die sich auskennen schon lange wissen. Hier engagieren sich aufgeklärte Bürger für Ihre Heimat und ihre Gesundheit, die durch den Ausbau entschädigungslos in Frage gestellt wird. Immer mehr setzt sich auch bei den Politikern dieser Eindruck durch. Es geht hier nicht um die Schließung des Flughafens und den gewünschten Verlust von Arbeitsplätzen oder dem Verzicht auf Flügen im Rahmen des Bedarfs der Region sondern um die Frage, was wichtiger ist: Ein auf Kosten der Lebensqualität überschrittener Grenznutzen durch den Ausbau oder Lebensqualität. Gut, dass sich diese Wahrheit immer mehr durchsetzt.
 
 
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