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Kunst gegen Fluglärm
 

Kunst gegen Fluglärm

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Lärmteppich: Gestrickt und zugenäht

In Offenbach macht man mit Kunst aufmerksam gegen den Fluglärm. Ein riesiger Banner mit einem Eichendorff-Gedicht wurde aufgehängt - und ein ellenlanger Fluglärm-Teppich wurde gestrickt.
Die Gerichtsentscheidung über das Nachtflugverbot steht an, die Lage am Frankfurter Flughafen beruhigt sich nicht, im Gegenteil – sie spitzt sich eher zu. Der Wert der Immobilien und die Lebensqualität auf dem Lerchesberg und dem Sachsenhäuser Berg nehmen durch den Fluglärm erheblichen schaden.

Doch nicht nur oben in Frankfurt, sondern auch in Offenbach ist man genervt. Und hat sich etwas einfallen lassen: Rechtzeitig vor der Verkündung des Urteils des Bundesverwaltungsgerichts in Leipzig über das Nachtflugverbot, das am 13. März gesprochen wird, hatten drei Offenbacherinnen die Idee gehabt, die haptisch nicht greifbare Lärmbelästigung zu konkretisieren. Anna-Fee Neugebauer vom Kulturamt der Stadt Offenbach, die Kulturmanagerin Andrea Ehrig und die Kinderbuchillustratorin Manuela Olten riefen ihre Mitbürger zum Stricken auf - und so kamen im Laufe des vergangenen Sonntags gut 1000 Menschen auf den Offenbacher Wilhelmsplatz, um einen 463,5 Quadratmeter großen Lärmteppich herzustellen.

Das mit dem geplanten Eintrag ins Guinnessbuch der Rekorde hat zwar nicht geklappt, dennoch ist Andrea Ehrig überzeugt ein Zeichen gesetzt zu haben: „Der Platz wurde minütlich überflogen, man wusste ganz genau warum man da ist. Das war eine tolle Aktion und wir haben ein super Feedback bekommen.“

Auch die Offenbacher Künstlerin Agnes Stockmann will mit ihrer Kunst ein Statement rüberbringen. Das Transparent, dass sie an der Fassade des Stadthauses Offenbach angebracht hat, ist 24 Meter lang und neun Meter breit. In großen Buchstaben ist darauf das Gedicht „Mondnacht“ von Joseph Freiherr von Eichendorff abgedruckt. Darunter ist in rot zu lesen: „Fraport occupies the sky!“ Durch das Gedicht zieht sich ein dunkler, aufgedruckter Riss. Laut Stockmann soll das Transparent verdeutlichen, dass der Riss sowohl durch die Stille geht, als auch durch die gesamte Gesellschaft: „Im Rhein-Main-Gebiet werden aktuell Regionen gespalten. Flörsheim freut sich über Westwind, weil Ruhe herrscht, dafür haben die Offenbacher den Krach.“ Das Gedicht habe sie gewählt, weil es alles ausdrücke: Wie es vorher gewesen war und wie es jetzt nicht mehr ist. Man könne dem Lärm nicht mehr entfliehen, sagt sie.

Die Künstlerin hat die Wahrnehmung der Installation beobachtet: „Menschen die aus der Straßenbahn aussteigen, bleiben stehen und lesen, Autofahrer stehen an der Ampel und schauen an der Fassade des Stadthauses hinauf.“
 
5. März 2012, 11.40 Uhr
cs/as
 
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