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Panorama
 

Ein Kessel Buntes

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Von Kunst und Multikulti auf der Münchener

Foto: Harald Schröder
Foto: Harald Schröder
Für die JOURNAL-Titelgeschichte sind wir durch die Münchener Straße gestreift. Auf einer Strecke von 550 Metern findet man nicht nur Obstläden, Friseure und Dönerlokalen, sondern auch Kunst im JCYM Privateoffspace.
550 Meter geballtes Leben, das ist die Münchener Straße. Bars wie Ata Macias’ „Plank“ oder das Pastramilokal „Maxie Eisen“ sorgten dafür, dass selbst das Zeit-Magazin und die New York Times mittlerweile Frankfurt als sehenswerte Reisedestination begreifen. Für Oberbürgermeister Peter Feldmann (SPD) ist die Münchener, anders als die Nachbarstraßen ganz ohne Puffs und Drückerstuben, ein Paradebeispiel für die in der Stadt gelebte Internationalität. Hier beten die Missionarinnen der Nächstenliebe ebenso wie die Besucher der Moschee, während in manchem Läden die hinduistische Gottheit Ganesha zu sehen ist. Für das Modelabel Lockstoff ist die Münchener Straße ein Ort der Inspiration, die hr-Wetterfee Laura die Salvo lebt auf der Münchener aus Überzeugung und Jean-Claude Yves Maier wohnt nicht nur hier, er möchte auch der Kunst in seinem Privateoffspace ein zeitweiliges Zuhause bieten.

Kunst hinter der Gründerzeitfassade
Der Club Michel, die Hofparfümerie und so mancher orientalische Supermarkt im Hinterhof beweisen, dass die schönsten Seiten der Münchener Straße nicht unbedingt sofort auf dem Präsentierteller serviert werden. So ist es auch mit der Galerie von Jean-Claude Yves Maier in der Münchener Straße 38. Wir steigen die Stufen eines schmucken Treppenhauses hinauf, bestaunen in der ersten Etage den globusähnlichen, aus Fahrradschläuchen gefertigten Lampenschirm über dem Eingang und stehen dem Designer gleich selbst gegenüber. Er führt uns durch seine luftige Altbauwohnung, das Parkett knarzt und vom Fenster aus sehen wir das emsige Treiben auf der Münchener. Und doch strahlt Maiers Privateoffspace Ruhe aus. Hier wohnt und arbeitet Maier und bietet Städelabsolventen ein Forum. Derzeit läuft bis zum 28. November die kleine Ausstellung „Pixelmind“. Eines der Highlights ist das Werk „Pixelmind Brix“ von René Schohe und Kerem Seyhan (siehe Bild oben). Ein rechteckiger, elektrischer Leuchtkasten mit einem Raster, dessen einzelne Felder in immer wieder neuen Farbkombinationen erstrahlen und damit auf hypnotische Art neue Stimmungen erzeugen und durch ein eingebautes Mikrofon auch auf Musik reagieren, die Töne also fast in Farben umwandeln. „René Schohes Werk bewegt sich in einem Spannungsfeld zwischen Malerei und der digitalen Welt“, sagt Maier und zeigt auf einen handgemalten QR-Code mit dem Bild einer Palme, hinter dem sich ein Video verbirgt.

„Ich versuche nicht nur Leute anzusprechen, die bei Schauplätzen der Elitärkultur zugegen sind“, sagt der 45-Jährige mit einem Wiener Zungenschlag. In der österreichischen Hauptstadt hat er gelebt, in Paris auch. „Als ich nach Frankfurt kam, war das ein Schock. Die Stadt ist im Zweiten Weltkrieg so geschunden worden und ich suchte hier nach einer Heimat.“ Ein Freund mit einem Näschen für Orte, die sich im Umbruch befinden, habe ihm die Wohnung in der Münchener gezeigt. „Ich kam, sah und wusste, hier will ich leben.“ Und Menschen zusammenbringen, will er auch, das sehe er als einen Lebensinhalt, sagt Maier, der sich als Autodidakt der Kunst genähert und sich letztlich auf deren Vermittlung spezialisiert habe. Er biete Städelschülern, die sich auf Frankfurt eingelassen haben, eine Plattform und berate eigenständig Kreative.

Buntes Treiben
An der Münchener Straße begeistern den studierten Betriebswirt die vielen gastronomischen Konzepte, sei es das Plank oder Walon & Rosetti bei ihm um die Ecke. „Es ist immer was los, es gibt immer Bewegung, das liebe ich!“ Er könne niemals auf dem Land wohnen. „Das wäre der Horror!“ Stattdessen schätzt er an der Münchener die gute Versorgungslage, die Menschen, die Herkunftsorte, die Farben und den Duft der Mangos. „All das macht doch eine Großstadt aus.“ Seine Freunde aus Wien stürzen, wenn sie ihn besuchen, gleich in die Gewürzläden. Aber es ist auch nicht alles nur toll - Frankfurt hat auch seine Ambivalenzen.

Dennoch, die Durchmischung im Viertel stimme, etwa auch wegen der Traditionsgeschäfte wie beispielsweise dem Papierladen Fleischhauer. „Es ist charmant in der Nachbarschaft zu leben, ich fühle mich wohl“. Mit seinem JCYM Privateoffspace sieht er sich „als persönlichere Alternative zur manchmal zu intellektualisierten Kunstwelt.“ Wer möchte, kann Maier mitsamt der Ausstellung besuchen, ein vorheriger Anruf wird geschätzt. Ansonsten gibt es noch eine Voraussetzung: „Um bei mir Gast zu sein, braucht es die grundsätzliche Bereitschaft sich mit Kunst auseinanderzusetzen.


PS: Was wir noch auf der Münchener Straße entdeckt haben, verraten wir in der aktuellen Titelgeschichte des JOURNAL FRANKFURT. Ab sofort für 1,80 Euro am Kiosk oder auf dem iPad. Ein paar Impressionen sehen Sie schonmal in der Bildergalerie.
21. Oktober 2014
Nicole Brevoord
 
Nicole Brevoord
Jahrgang 1974, Publizistin, seit 2005 beim JOURNAL FRANKFURT als Redakteurin u.a. für Politik, Stadtentwicklung, Flughafen, Kultur, Leute und Shopping zuständig – Mehr von Nicole Brevoord >>
 
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Fotogalerie: Die Münchener Straße
 

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