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Wo Hessen zwischen Spanien und Bayern liegt
 

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Wo Hessen zwischen Spanien und Bayern liegt

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Ein halbes Milliönchen hat er gekostet, nun soll er auch was können. Am ersten Abend auf der internationalen Tourismusmesse ITB sind nicht alle begeistert. "Dietzenbach ist doch ne Kreisstadt - und nicht auf der Karte eingezeichnet, das geht doch nicht, das geht so nicht", sagt jemand neben mir. Wenn es nur das ist, dann kann sich das Land Hessen mit seinem Stand recht glücklich schätzen. Auf den Plakaten rundum: viele Gesichter, Frauen, Männer, Farbige, Weiße. "Das müssen Sie so machen", sagt Thomas Feda, Leiter der Tourismus + Congress Gesellschaft Frankfurt. Nur so fühle sich das internationale Messepublikum auch angesprochen. "Eine hübsche Frau muss dabei sein, aber eine mit Nasenring, das ist ganz wichtig." Herr Feda lacht. Seine gute Laune speist sich zu einem Gutteil auch aus den Gästen: 650 haben zugesagt für den Empfang in der Hessenhalle. 650 auf 1000 Quadratmetern. Es wird tatsächlich voll.

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Wirtschaftsminister Alois Rhiel hält eine Rede, die aber niemanden interessiert (später lächelt er, wenn man ihn darauf anspricht, dass dies wohl seine Abschiedstournee sei und beginnt seine Sätze dann mit "Ach, wissen Sie ..."). Der Wirtschaftsdezernent von Wiesbaden sagt ganz lapidar: "Die Leute sind hier, um Netzwerke zu knüpfen." Dann tauscht er sich weiter mit seinem Frankfurter Kollegen Boris Rhein aus - nicht so sehr über Ypsilanti und die Linke, sondern eher über die Möglichkeit, Finanzverwaltungen effizienter zu gestalten. Da muss man schon nachhaken. "Ja, wissen Sie: dass mit dem Wortbruch ist die eine Sache, aber dass sie wirklich mit den Kommunisten paktieren will, das kann nicht gut gehen." Im Übrigen: schon schade, denn die Kommunikation zwischen Wiesbaden und der Landesregierung dürfte nicht mehr so leicht sein. "Der Innenminister und ich, wir sind ja Duzfreunde."

Nur, dass hier kein falscher Eindruck entsteht: Es geht um Tourismus, aber immer auch um Politik. Sogar zwei Japaner unterhalten sich über eine FR gebeugt über Ypsilanti. Doch Angst, dass niemand mehr nach Hessen kommt, wenn die Commies an der Macht sind, hat heute Abend niemand. Gute Geschäfte wurden gemacht, schon am ersten Tag. Sagen auch die Mitarbeiter der Tourismusgesellschaft aus Frankfurt. Johnny Klinke ist auch am Start, der Chef des Tigerpalast hat einige Künstler im Gepäck, zum Beispiel diesen Jongleur, dem aber auch nur wenige zugucken.
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Geschäfte, Geschäfte, Geschäfte - das zählt. Und die werden auch in der Hessenhalle hinter den großformatigen Fotos und den Kulissen an weißen Tischchen und unter heller Beleuchtung gemacht. So halten es auch die anderen deutschen Bundesländer, die sich auf der ITB als touristische Höhepunkte, aber vor allem auch als Hafen für Business-Konferenzen und Kongresse präsentieren. Die Bayern haben einen kleinen Biergarten nachgebaut und schenken Helles aus, die Pfälzer haben dutzende kleiner Stände (einer für Wanderwege, ein anderer für Radfahren, ganz schön kompliziert), Hamburg wirbt mit seiner Hafencity und der Elbphilharmonie als sei sie schon längst gebaut und das kleine Saarland will die Menschen für den Saar-Hunsrück-Steig begeistern. Es ist oft schlicht ein wenig unübersichtlich - und so könnte die Taktik von Hessen aufgehen, sich mit seinem sehr klaren, fast schon kühlen Standkonzept von der unüberschaubaren Masse auf dieser Messe abzuheben.

Im Berliner Kongresszentrum verläuft man sich im Übrigen schnell - aber, und das ist wahrscheinlich wirklich der größte Vorteil der Hessen: durch die Halle 7.2c muss man immer wieder durch. "Um von Spanien nach Bayern zu kommen, muss man durch Hessen", sagt Feda. Das soll auch im kommenden Jahr wieder so sein, mit leichten Veränderungen (zu denen jedoch nicht das Eintragen von Dietzenbach auf die Karte zählen soll). Insgesamt drei Jahre soll es den hessischen Gemeinschaftsstand geben. Einzelne Bausteine sollen auch auf kleineren Messen zu sehen sein, um für Frankfurt und die Region zu werben. Danach wird man sehen.

Um 21.30 Uhr ist Schluss mit dem Empfang, die Messemitarbeiter sind schon unruhig, sie wollen nach Hause. Alle anderen gehen noch ins InterConti, in die Marlene-Bar, in der sonst, so wird mir gesagt, das ganze Jahr über nichts los ist, nur zur ITB ist es gerammelt voll, Schampus wird gebechert, eine ziemlich gute Band spielt, es wird geschwoft und auf unzähligen Sprachen palavert und geflirtet. Um Mitternacht spendiert das Hotel eine Runde Currywurst für (fast) alle - und das Beruhigende daran ist: Geschäft ist eben nicht alles im Leben.
 
6. März 2008, 09.06 Uhr
Nils Bremer
 
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