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Schirn Kunsthalle: Lee Krasner
 

Schirn Kunsthalle: Lee Krasner

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„Das einzig Beständige im Leben ist Veränderung“

Foto: Schirn Kunsthalle
Foto: Schirn Kunsthalle
Der Name Jackson Pollock ist vielen ein Begriff, anders sieht es bei seiner Frau Lee Krasner aus – völlig zu Unrecht, wie die Schirn Kunsthalle nun in der ersten Retrospektive in Europa seit 50 Jahren zeigt.
Stolz steht sie da, die linke Hand in der Hüfte, in der rechten eine Zigarette: Lee Krasner in ihrem Atelier in der Scheune in Springs im Jahr 1962. Schon mit 14 Jahren verfolgte sie ihr erklärtes Ziel, Künstlerin zu werden. Krasner bewarb sich an der Washington Irving High School – der einzigen höheren Schule in New York, die einen Kunstkurs für Mädchen anbot. 1926 folgten ein Studium an der Women’s Art School des Cooper Union und aus finanziellen Schwierigkeiten gebührenfreie Kunstkurse am New York City College.

Anhand von fast 100 Werken zeigt die Ausstellung die Wandlung der Künstlerin. „Das einzig Beständige im Leben ist Veränderung“, sagte Krasner 1977 in einem Interview. Veränderung ist auch das einzige Beständige in Krasners Oeuvre, sie bestand nie auf eine Handschrift, einen „Signature style“. Jeder Raum zeigt eine neue Facette: mal expressive Pinselschwünge, wie in dem 1965 entstandenen „Combat“, abstrakte Kohlezeichnungen aus den 1940er Jahren oder auch ihre bekannten Collagen.

Viele der Veränderungen in ihrem Leben bedeuteten auch Veränderung in ihren Werken. Der Umzug von Lee Krasner und ihrem Ehemann Jackson Pollock in ein Farmhaus auf Long Island markiert einen Wendepunkt in ihrem Werk: Mit ihren „Little Images“, die zwischen 1946 und 1950 entstanden, wandte sich Krasner von ihrem durch den Kubismus und die europäische Avantgarde geprägten Frühwerk ab. Wie eine Briefmarkensammlung sehen diese mosaikhaften Werke aus, gleichzeitig erinnern sie an Pollocks Malweise, Krasner arbeitete jedoch viel kontrollierter und in Ölfarbe.

Während einer Zeit voller Selbstzweifel begann Krasner eine Serie von Schwarz-Weiß-Zeichnungen. Sie befestigte die Blätter an den Atelierwänden. Als sie einige Tage später den Raum betrat, empfand sie nur Abscheu für die Zeichnungen, riss sie von den Wänden, zerfetzte sie und ließ die Stücke auf dem Fußboden verstreut liegen. Als Krasner Wochen später wieder ihr Atelier betrat, war sie überrascht: „Da war vieles, was mein Interesse weckte. Ich begann, zerrissene Teile meiner Zeichnungen aufzusammeln, und klebte sie neu zusammen“ – es entstanden ihre „collage paintings“.

1956, kurz vor dem Autounfall ihres Mannes, schuf sie „Prophecy“, welches sie nach Pollocks Tod weiterführte. Ineinander verschlungene, organisch anmutende Formen mit schwarzen Konturen beherrschen die Leinwand. Die pinkroten Akzente verstärken den Eindruck der Darstellung von Körperlichkeit. Die Werke lassen eines ihrer Vorbilder erkennen: Pablo Picasso.

Auch in ihren neusten Werken erfindet sich Krasner neu: Sie zeigt zwölf neue Gemälde in der New Yorker Marlborough Gallery. Anders als in den organischen Kompositionen der vorherigen „Primary Series“ setzte Krasner in den neuen Arbeiten scharfkantige, abstrakte Formen mit stark kontrastierenden Farben ein. Es war ihre erste Ausstellung in einem bedeutenden New Yorker Museum. Die New York Times bezeichnete sie als „die bei weitem besten Ausstellung“.

Lee Krasner starb am 19. Juni 1984 im Alter von 75 Jahren. Sie war zu dem Zeitpunkt eine geachtete Künstlerin, den verdienten Ruhm erlangte sie wie so viele Kunstschaffende erst lange nach ihrem Tod.
 
14. Oktober 2019, 13.06 Uhr
Elena Zompi
 
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