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Kultur
 

In neuem Gewand

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Neue Farbe im Cantate-Saal

Dort, wo das Volkstheater Tradition hatte, ist die Fliegende Volksbühne eingezogen, für ein paar Monate oder etwa doch für länger? Am Mittwochabend eröffnete Michael Quast den Cantate-Saal.
Wenn Michael Quast ruft, dann kommen sie alle. Autorin Eva Demski, der ehemalige Kulturdezernent Hilmar Hoffmann, die ehemalige Bürgermeisterin Jutta Ebeling, Kulturdezernent Felix Semmelroth, Caricatura-Leiter Achim Frenz und Stalburgchef Michi Herl sowie Schauspiel-Chef Oliver Reese. Letztlich galt es doch die neue temporäre Spielstätte der Fliegenden Volksbühne zu begutachten, die mit ehrenamtlicher Unterstützung von Mitarbeitern der BHF-Bank einen neuen Anstrich bekommen hat. Quast machte deutlich, dankbar für jede Zuwendung zu sein. "Jetzt sind wir angekommen. Für eine Weile jedenfalls", begrüßte der Schauspieler die Gäste im vollbesetzten Saal und sollte auch noch im weiteren Verlauf des Abends kleine Anspielungen auf die Stadt und die vermaledeite Standortfrage einstreuen.

Zu einem bunten Abend hatte Quast geladen und aufgeführt wurden musikalische Variationen der Fraa Rauscher und eine Lesung des Faust I, dem Vorspiel auf dem Theater, mit Quast, Opernintendant Bernd Loebe und der Schriftstellerin Eva Demski in verteilten Rollen. Thematisch passte das Sujet vortrefflich zum Anlass, die drei Darsteller hatten auch sichtlich Spaß auf der Bühne. "Nutzung vor Abriss" stehe im Vertrag erwähnte Quast etwas später, worauf Felix Semmelroth in seiner Rede Bezug nahm und entgegnete: "Nutzung, ganz sicher! Abriss? Schauen wir mal." Da staunt der unvoreingenommene Zuhörer. Denn scheiterte das Volkstheater nicht auch an mangelndem Brandschutz oder war es am Ende doch die mangelnde Unterstützung durch die Stadt? Es scheint jedenfalls vieles möglich, wenn es die Stadtregierung nur will. So versicherte Semmelroth, wenngleich der klamme Haushalt für 2014 noch nicht von den Stadtverordneten beschlossen sei, die Fliegende Volksbühne angemessen bedacht zu haben. "Die Fliegende Volksbühne ist hier zwischengelandet und wir werden alle sehen wie und wo sie abhebt", schloss der Kulturdezernent.

Abgehoben vom Alltäglichen erschien jedenfalls Oliver Reese im Smoking. Der Schauspielchef brillierte zum ersten Mal selbst auf der Bühne als Schauspieler in einem kurzen Schwank, bei dem er den snobistischen Darsteller einer Oper spielte, der mit seinen schnippischen Antworten einen Reporter (gespielt von Bettina Hoppe) in Verlegenheit bringt. Das Publikum jubelte und Quast bekundete seine Dankbarkeit gegenüber Reese, der mit der Matinee am 10.3. sehr dazu beigetragen habe, dass die Fliegende Volksbühne ab 3.10. eine, wenn auch temporäre, Wirkungsstätte gefunden hat.

Es wurde gesungen und heiter vorgetragen, Stücke von Adolf und Friedrich Stoltze wurden wiederbelebt oder besser dort aufgeführt, wo sie beim Volkstheater schon eine Heimat hatten. Und am Ende lobte Quast noch die Rede von Peter Iden, einen glühenden Fürsprecher der Fliegenden Volksbühne, der in einer Brandrede die Stadt kritisierte, die Pläne für den Paradieshof in Alt Sachsenhausen fallen gelassen zuhaben, wo doch ein ganzes Viertel damit hätte aufgewertet werden können. "Die Stadt hat dafür zu danken, dass Quast nicht aus Enttäuschung aufgegeben hat," argumentierte Iden und belegte damit die unterschwellig in der Stadt spürbare Heldenverehrung eines Theaters und seines Machers, die vielen unsubventionierten Theatern Unrecht tut. Denn nur selten bekommt ein Künstler von der Stadt eine Wirkungsstätte errichtet.

Nun ja, Quast sei es vergönnt. Er beglückt uns seit Jahren mit einem großartigen Spektakel. Barock am Main ziert nicht nur Höchst, es ist als stets ausgelastetes, vier Wochen laufendes Sommertheater über die Grenzen der Stadt hinaus bekannt und beliebt. Nun wird sich zeigen, ob Quast es auch vermag, den Cantate-Saal täglich zu füllen. Binnen kürzester Zeit hat er ein sowohl abwechslungsreiches als auch anspruchsvolles Programm auf die Beine gestellt mit vier Premieren in kürzester Zeit. Auch ist er es dem Volkstheater schuldig, eine breiter gefächerte Klientel anzusprechen. So versprach Quast einmal für alle Bildungsschichten Theater machen zu wollen. Oder wie Peter Iden in der Rede sagte: "Quast stehe für einen möglichst direkten Zugang des Zuschauers zum Stück." Jetzt wäre nur wünschenswert, dass auch jüngere Zuschauer den Weg in den Cantatesaal finden, nicht nur bei den Kinderstücken, die in den kommenden Monaten auch auf dem Programm stehen. Am Mittwochabend jedenfalls waren Unter-40-Jährige eher eine Seltenheit. Da geht noch was.
 
4. Oktober 2013, 11.33 Uhr
Nicole Brevoord
 
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