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Kultur
 

Felix Semmelroth

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Kulturdezernent schlägt neue Investitionen vor

Foto: Harald Schröder
Foto: Harald Schröder
Die Konsolidierungen waren notwendig, jetzt muss man an neue Investitionen denken. Etwa an ein Museumsdepot. So die Pläne des Kulturdezernenten. Nur fürs Weltkulturenmuseum hegt Felix Semmelroth wenig Hoffnung.
Felix Semmelroth (CDU) sitzt in seinem Büro, es ist verdammt warm, auf dem Tisch steht gedeckter Apfelkuchen und viel Wasser. Eigentlich will er Bilanz ziehen über das vergangene Jahr, jetzt kurz vor der politischen Sommerpause. Doch dann redet er doch ziemlich viel über die Zukunft. "Vor einem Jahr", so leitet er ein, "stand einiges auf dem Prüfstand." Die schwarz-grüne Koalition wollte sparen, in jedem Ressort, auch in der Kultur und es zeigte sich ein wenig, dass das nicht leicht ist, ja dass das in einer Kulturstadt wie Frankfurt auch Proteste hervorrief. "Das Ergebnis war vertretbar, insbesondere weil die Konsolidierung eine Notwendigkeit war."

Und nun? Plant Felix Semmelroth zum Beispiel den Bau eines zentralen Museumsdepots. Zehntausend Quadratmeter müssen es schon sein, "nicht einfach ein geeignetes, leerstehendes Gelände in einer dicht bebauten Stadt wie Frankfurt zu finden." Aber gefahndet werde schon, auch aus ökonomischen Motiven. Die Depots in der Borsigallee sind längst zu klein, die Häuser haben über die Stadt verstreut zusätzliche Flächen bekommen – die Mietkosten dafür belaufen sich auf stolze zwei Millionen Euro im Jahr. Wie bei den Schulneubauten, so kann sich das Kulturdezernat auf bei den neu zu errichtenden Depots eine Modulbauweise vorstellen. Das spare Kosten und sei langfristig flexibler.

Damit endet die Wunschliste von Felix Semmelroth aber noch nicht. "Kultur hat eine Bildungsaufgabe", sagt er und revitalisiert im nächsten Atemzug die Idee eines Kinder- und Jugendtheaters. Schauspiel-Intendant Oliver Reese war der letzte, der diese Idee forcierte als er sein Amt antrat. Letztlich konnte er an seinem eigenen Haus die Aufführungen für ein jüngeres Publikum durch Sponsoren wie die AventisFoundation zwar stärken. Für ein eigenen Zweig hat es aber bislang nicht gereicht. Felix Semmelroth schwebt nun ein Haus mit einem eigenen Ensemble, einer eigenen künstlerischen Leitung, einer eigenen Spielstätte und einer eigenen Dramaturgie vor. Wenn man sehe, dass beim Kinder- und Jugendprogramm Pegasus der Alten Oper, die 30.000 Karten innerhalb eines Tages ausverkauft gewesen seien, dann müsse über die Notwendigkeit eines größeren Kulturangebots für die junge Generation eigentlich gar nicht mehr diskutiert werden.

Anders sieht es in der Museumslandschaft aus. Das nächste große Projekt, die Erweiterung des Goethe-Hauses zum Romantikmuseum, geht voran – ebenso der Neubau des Historischen Museums oder des Jüdischen Museums. Beim Museum für elektronische Musik (Momem), das unter der Hauptwache entstehen soll, will die Stadt lediglich das Gebäude stellen, sonst aber keine weitere finanzielle Unterstützung geben. "Das ist eine private Initiative", so Semmelroth. Man wolle als Stadt erst einmal keine weiteren neuen Museen angehen. Auch die Erweiterung des Weltkulturenmuseums sei in weite Ferne gerückt. "Das der damalige Entwurf keine Chance hatte, ist äußerst misslich – ich bin von ihm nach wie vor überzeugt." Doch die ins Spiel gebrachte Summe von 80 Millionen Euro habe das Projekt politisch beerdigt, obgleich sie viel zu hoch gegriffen und nicht seriös berechnet gewesen sei. "Das hat die Debatte wirklich beschädigt." Das Weltkulturenmuseum sei zwar klein, aber eben auch nicht sehr klein. 600 Quadratmeter Platz habe man dort, etwa dreimal soviel wie im jetzigen Jüdischen Museum. Und vielleicht fänden sich ja mögliche Kooperationen mit dem benachbarten Museum Angewandte Kunst, um auch einmal größere Exponate aus dem Fundus zeigen zu können. Eine gerüchteweise diskutierte Verschmelzung von MAK und Weltkulturenmuseum schloss Semmelroth jedoch aus: "Beide Museen sollen ihre Eigenständigkeit behalten." Eine neue Leitung für das Weltkulturenmuseum soll indes erst benannt werden, wenn der Rechtsstreit mit der geschassten Direktorin Clementine Deliss abgeschlossen ist. Das könnte noch dauern. Ein erster Gütetermin soll jedenfalls gescheitert sein.
 
23. Juli 2015, 11.03 Uhr
Nils Bremer
 
Nils Bremer
Jahrgang 1978, Politologe, insgesamt 14 Jahre beim Journal Frankfurt, von 2010 bis Juni 2018 als Chefredakteur. – Mehr von Nils Bremer >>
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