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Der große Diktatwettbewerb
 

Der große Diktatwettbewerb

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Wie man die deutsche Sprache hassen lernt

Foto: nil
Foto: nil
Unser Autor hat beim Journalistenteam des Diktatwettbewerbs mitgemacht – neben vielen Hundert Schülern. Nun ist er schlauer – und weiß, "warum Rechtschreibung keine Schlüsselkompetenz sein sollte."
Zunächst mal wird es jetzt gefährlich: Bei einem Text über Rechtschreibung MUSS die Rechtschreibung stimmen bis ins letzte Detail. Wird nicht klappen, sage ich Ihnen gleich. 16 Fehler hatte ich am Dienstagabend beim großen Diktatwettbewerb gemacht. Herr D'Inka von der FAZ hatte nur sieben, wie ich gerade in der Zeitung lesen musste. Sieben! Wie ist das überhaupt möglich? Die Schüler, um die es ja eigentlich ging, kamen von verschiedenen Schulen aus Hessen und traten gegen Schüler aus Frankfurt, aus Osnabrück und aus Hamburg an. Das Projekt, das die Stiftung Polytechnische Gesellschaft ersonnen hat, ist auf einem guten Weg zu einer bundesweiten Veranstaltung. Beim Diktat in der Aula des Goethe-Gymnasiums kommen jedenfalls unter anderem folgende Wörter vor: Chihuahua, Thuja-Hecken, Horsd’œuvre. Letzteres Wort zeigt ganz schön den Irrsinn der deutschen Rechtschreibung oder dem, was Sprachexperten daraus gemacht haben. Die kalte Vorspeise wird in seinem Herkunftsland Frankreich nämlich so geschrieben: hors-d'œuvre. Gut, keine ganz so schlimme Veränderung wie beim Büfett, aber es bleibt offen, warum so kleine Veränderungen ein ohnehin nicht einfaches Wort einfacher machen sollen. Anderes Feld, ähnlich schön: pleitegehen, aber: Bankrott machen. Nun ja. Die Schüler um mich herum haben übrigens fast alle so 30 bis 40 Fehler. Dabei sind sie des Deutschen durchaus mächtig, haben schon bei den Vorentscheiden zum großen Diktatwettbewerb mitgemacht.

Als Journalist tut es mir zwar weh, das zu schreiben, aber: Die Rechtschreibung wird überbewertet. Sofern man nicht in einem Beruf arbeitet, der viel mit Sprache zu tun hat, wird man auch ohne die hundertprozentig richtige Schreibweise durchkommen. All die Rechtschreibreformen haben die Unsicherheit gegenüber der Sprache nur erhöht. Der Duden ist alles andere als maßgeblich in allen Zweifelsfällen, bietet er doch in den neueren Auflagen oft mehrere Schreibweisen für ein Wort an. Das Schöne an einem Diktat ist natürlich, dass es leicht korrigiert und benotet werden kann. Komplizierter wird es beim richtigen Ausdruck, bei der Rhetorik, bei der Sprachvielfalt, der Wortgewandtheit. Das ist im Berufsleben viel wichtiger, für die geschriebene Sprache gibt es ohnehin Korrektursoftware, eingebaut selbst im billigsten Smartphone.

Die Siegerin des Abends hat drei Fehler gemacht. Das ist allerdings in der Tat wahrhaft beeindruckend.
 
6. Mai 2015, 10.29 Uhr
Nils Bremer
 
Nils Bremer
Jahrgang 1978, Politologe, insgesamt 14 Jahre beim Journal Frankfurt, von 2010 bis Juni 2018 als Chefredakteur. – Mehr von Nils Bremer >>
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Leser-Kommentare

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Ronald M. Filkas am 6.5.2015, 13:30 Uhr:
Wann hat der Autor zuletzt in einen Duden geschaut, oder besser: Hat er überhaupt jemals in einen Duden geschaut? Dieser bietet nämlich keineswegs mehrere Schreibweisen für ein Wort an, sondern zwei: eine vom Duden empfohlene und die herkömmliche, meist die alte!
 
dieter baden am 6.5.2015, 13:17 Uhr:
Die Rechtschreibung sollte man wrklich vereinfachen. Dafür aber die Sprache richtig lernen...die kann in Frankfurt ja auch kaum noch jemand
 
 
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