Bohren & der Club of Gore: Dunkel war’s...

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Detlef Kinsler /



Sie sagen, Sie sehen nicht wirklich viel auf dem Foto. Sie haben Recht, liebe Blog-Leser. Aber Sie sehen exakt genauso viel, wie die zahlenden Zuschauer im Sinkkasten vergangenen Dienstag gesehen haben. Wir haben diesbezüglich ja schon viel erlebt. Die schüchterne Hope Sandoval ließ seinerzeit eigentlich nur ihre – allerdings sehr hübschen – Knie richtig beleuchten. Peter Licht stand kürzlich zunächst bei megagedimmten Sopts auf der Bühne, um uns dann doch noch sein sonst in den Medien konsequent verstecktes Gesicht zu zeigen. Bei Bohren & dem Club of Gore blieb es durchgängig duster. Zur leichteren Orientierung. Das Runde, beinah schon wie eine Sonne gelb leuchtende Etwas ist die Bass Drum des Schlagzeugs. Der violette Streifen am linken Bildrand ist das Griffbrett des E-Basses. Und der leichte grüne Schein in der Bildmitte deutet das Saxophon an. Das E-Piano ist dagegen überhaupt nicht zu erkennen.

Wollen die Musiker aus Mülheim an der Ruhr damit das Dunkle in ihrer Musik unterstreichen? Wohl kaum. Denn die vier Herren müssen selber eigentlich wenig tun, um sich und ihre Musik zu promoten. Selten findet die Journaille so viele Möglichkeiten, sich in blumigsten Bildern zu ergehen. Es sind die Kings des Spelunkendoom, schreiben die einen, von Gruseljazz andere. Wir haben es im JOURNAL FRANKFURT so formuliert: „ Die Erinnerung an einen Bohren & Der Club of Gore-Auftritt im Robert Johnson in Offenbach vor sechs Jahren evoziert das Bild eines schweren, sehr langsam zu Tal fließenden Lavastroms. Nie zuvor hatten Musiker solche Slow Mo-Instrumentals auf eine Bühne gebracht, Zeitlupenklänge von unglaublicher Intensität, Versunkenheit und Trancehaftigkeit. Musikalischer Valiumersatz mögen einige genörgelt haben während weit mehr die kontemplativen Klänge goutierten und Bohren & Der Club of Gore zu Kultstatus verhalfen.“

Im Sinkkasten war Stühlerücken angesagt. Ein Sitzkonzert (wie ich das hasse). Die Jungs von Freezeebee wurden gesichtet, zwei sind Schweizer. Der Witz mit der Langsamkeit (und der damit entdeckten Seelenverwandtschaft zu den Ruhrpottlern) muss zwangsläufig kommen. Sie schiebe es auf die Berner. „Ein interessantes Publikum“, bemerkt Barbara. Tatsächlich – ein bunter Mix. Schwarzkittel, Metalfans, Alternativejünger, Progrocker, Jazzfans. Alle finden was in dieser recht eigenen Musik. Und sie meditieren zusammen zu dieser Musik, dieser ÑErzeugung von Klangfeldernì (noch mal Barbara) im Vergleich zu herkömmlicher Musik, solange es ihre Konzentration zulässt. Jedes Geräusch vor und auch hinter der Bar stört. Der Bass als echter Tieftöner wird physisch spürbar. Die Drums setzten gezielte Schläge. Die Keyboards finden die Pausen dazwischen. Einzig das Saxophon, was durchaus als romantisch empfunden wurde, spielt Melodie-ähnliches. Das Publikum macht aus dem konz
ert eine Andacht. Und nimmt alles tierisch ernst.

Die Musiker selbst dagegen haben Humor. Die weniger, leider viel zu leisen Ansagen zu den Stücken, belegen das. „Das nächste Lied ist all denen gewidmet, die am tresen stehen und Bier trinken und mit sich selbst beschäftigen“ wird „Still am Tresen“ angekündigt. Oder eher Grundsätzliches wie „Unsere Kompositionen folgen alle dem Prinzip: Quinten, Quarten, Scheiße waten...“ So klang das zumindest. Denen, die ihre Musik für depressiv halten, gaben die Jungs noch auf den Heimweg: „Nie das kochen, was ganz hinten im Kühlschrank liegt. Und bleibt fröhlich!“ Nicht auszudenken, Bohren & der Club of Gore würden keine Instrumentals spielen, sondern Songs mit deutschen Texten ...


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