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Foto: Symbolbild © AdobeStock/kieferpix
Foto: Symbolbild © AdobeStock/kieferpix

Netzwerk für trauernde Menschen

„Ein wichtiges Thema, das vielen Angst macht“

Wo gibt es Hilfe für Kinder und Familien in Trauer? Mit dieser Frage beschäftigt sich das neu gegründete Frankfurter Netzwerk für trauernde Kinder, Jugendliche und Eltern. Wir haben mit Initiatorin Sigrid Kemler über ihre Arbeit, Trauer und Verweiskompetenz gesprochen.
JOURNAL FRANKFURT: Frau Kemler, Sie haben gemeinsam mit Verena Maria Kitz, der Leiterin des Frankfurter Zentrums für Trauerseelsorge St. Michael, ein Netzwerk für trauernde Menschen gegründet. Wie ist die Idee dazu entstanden?
Sigrid Kemler: Die Idee dazu kam im gemeinsamen Austausch mit Frau Kitz auf. Trauer und Tod sind Themen, auf die ich bei meiner Arbeit in der Familienbildung häufig gestoßen bin und gemerkt habe, dass da ein Anlaufpunkt für Betroffene und eine Vernetzung zwischen den verschiedenen Ansprechpartnern nötig sind. Frau Kitz und ich haben uns schließlich getroffen und zunächst überlegt, ob wir beispielsweise einen Elternabend oder eine Kindergruppe organisieren sollen. Wir merkten aber schnell, dass es wichtiger ist, ein Netzwerk auf der Metaebene zu schaffen, um alle in diesem Bereich Tätigen untereinander zu vernetzen. Die Idee des Netzwerks ist, dass wir untereinander eine sogenannte Verweiskompetenz erhalten, die es uns ermöglicht, Betroffene auf die verschiedenen Angebote unserer Mitglieder aufmerksam zu machen und an sie zu verweisen. Und dafür müssen wir voneinander wissen. Das ist die Arbeit, die das Netzwerk leisten will. Mit dem Trauerzentrum haben wir das Glück, jemanden an unserer Seite zu haben, der eine Fachexpertise zum Thema Tod und Trauer mitbringt.

Tod und Trauer sind Themen, die man versucht, möglichst fern von Kinder zu halten. Was sind Ihre Erfahrungen als pädagogische Leiterin der Familienbildung mit trauernden Kindern?
Trauernde Kinder sind uns vor allem durch unsere Kooperationspartner in den Kindertageseinrichtungen begegnet. Wir werden häufig von Erzieherinnen kontaktiert, die uns fragen, wie sie ein trauerndes Kind gut begleiten können. Was wir in einem solchen Fall machen ist, dass entweder eine Mitarbeiterin von uns oder aus dem Netzwerk in die Einrichtung kommt und versucht, vor Ort und im Team Impulse zu setzen. Kinder haben am Thema Tod ein ungeheures Interesse, da es ihnen im Alltag schon beim ersten toten Regenwurm begegnet. Der Tod, der uns Erwachsene erstarren lässt, ist für Kinder erstmal etwas, das sie genauso lernen und wahrnehmen wie andere Themen auch.

Warum ist die Arbeit dann so wichtig?

Trauerarbeit ist im Allgemeinen ein wichtiges Thema, das aber vielen – vor allem Erwachsenen – Angst macht. Ihnen diese Berührungsängste zu nehmen, ist uns wichtig. Daher bieten wir in der Familienbildung Eltern bereits im Vorfeld präventive Impulse, sich dafür zu sensibilisieren und Trauer und Tod mit dem Kind zu thematisieren. Wenn der Fall dann eintritt und ein Kind in Trauer gerät, muss man wiederum genau schauen, was es in welcher Phase benötigt, um das Geschehene zu verarbeiten. Dort können verschiedene Gruppen mit beispielsweise kreativen und sogar theaterpädagogischen Ansätzen helfen. In Frankfurt gibt es sehr viele tolle Angebote.

Seit wann gibt es nun das Netzwerk?
Das erste pandemiebeding digitale Treffen fand am 26. Januar 2021 statt. Die Planungen dazu haben aber schon im vergangenen Jahr stattgefunden. Da wir als Familienbildung bereits gut vernetzt untereinander arbeiten, haben wir und das Trauerzentrum unsere Kompetenzen zusammengeschmissen und gemeinsam überlegt, wenn wir kennen und ansprechen könnten. Bei unserem ersten Treffen haben sich so fast 20 Partner zusammengefunden.

Aus welchen Mitgliedern besteht das Netzwerk?
Das Netzwerk besteht aus einer bunten Mischung an Ansprechpartnern aus Frankfurt und der Umgebung. Unter anderem sind das Frankfurter Kinderbüro und die Caritas dabei; Kliniken wie das Bürgerhospital, aber auch die Katharina Kasper-Stiftung, eine staatlich anerkannte psychosoziale Fachberatungsstelle zu Pränataldiagnostik, Behinderung und frühem Kindsverlust, sowie das Trauerzentrum Frankfurt e. V.. Auch verschiedene Vereine haben sich angeschlossen, zum Beispiel, der Verein Hilfe für krebskranke Kinder Frankfurt, der Deutsche Kinderhospizverein, Trauernde Eltern & Kinder Rhein-Main und Selbsthilfegruppen wie der Sternenkinder-Verein. Darüber hinaus haben wir ein privates Trauerzentrum, die Universitätsklinik mit ihren vielen Seelsorgern und ein Netzwerk für krebskranke Eltern.

Das erste digitale Treffen fand im Januar statt. Was ist für die Zukunft geplant?
Frau Kitz und ich planen derzeit ein neues Netzwerk-Treffen für den 22. September. Wir haben bei der ersten Zusammenkunft schon eine Teilnehmerliste erstellt und wollen diese Partner alle wieder einladen. Derzeit haben wir aber auch neue Anfragen von Personen, die an einem solchen Austausch interessiert wären. Somit vergrößert sich das Netzwerk zusehends. Wir laden auch jeden, der Interesse an dieser Arbeit hat, herzlich dazu ein. Diese Treffen sind vor allem dafür wichtig, herauszufinden, was es noch braucht und wo die einzelnen Kompetenzen der Mitglieder liegen. Darüber hinaus soll sich auch über verschiedene Möglichkeiten der Weiterbildung sowie über Angebote, die es vielleicht noch nicht gibt, aber benötigt werden, ausgetauscht werden.

Familien, die einen Anlaufpunkt für Trauerarbeit suchen, können sich direkt an die beiden Initiatorinnen des Netzwerks wenden: Sigrid Kemler, pädagogische Leiterin der Familienbildung, ist erreichbar unter der Nummer 069/133 077 900 und per E-Mail an: Fbs-frankfurt@bistumlimburg.de. Verena Maria Kitz, Leiterin des Zentrums für Trauerseelsorge St. Michael, kann unter 069/451 024 oder per E-Mail an trauerseelsorge@bistumlimburg.de kontaktiert werden.
 
1. September 2021, 12.37 Uhr
Margaux Adam
 
Margaux Adam
Jahrgang 1991, Studium der Literaturwissenschaft an der Johannes Gutenberg-Universität Mainz, seit Februar 2020 beim JOURNAL FRANKFURT. – Mehr von Margaux Adam >>
 
 
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