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Wohnen in Frankfurt
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Bürger-Dialog zu bezahlbarem Wohnraum
 

Bürger-Dialog zu bezahlbarem Wohnraum

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"So kann es nicht weitergehen!"

Foto: Dirk Ostermeier
Foto: Dirk Ostermeier
Rund 300 Menschen kamen am Dienstag beim Bürger-Dialog zusammen, um mit dem Planungsdezernenten und anderen über bezahlbaren Wohnraum zu diskutieren. Beim Wohnungsbau ist gerade viel Bewegung drin – aber ist das genug?
Dass in Frankfurt bezahlbarer Wohnraum fehlt, dürften die meisten spätestens bei der Suche nach einer neuen Bleibe feststellen. Mietpreise schießen seit Jahren stetig in die Höhe, so dass die Wohnraumsuche zu einer regelrechten Qual wird, die jahrelang andauern kann. Fast die Hälfte der Frankfurter Haushalte verfügt im Monat über weniger als 2000 Euro netto, aber auf dem Wohnungsmarkt wird überwiegend hochpreisig gebaut, weshalb 49% aller Frankfurter einen uneinlösbaren Anspruch auf eine sozial geförderte Wohnung hätten. Zurzeit stehen aber weniger als 27 000 größtenteils vermietete Sozialwohnungen zur Verfügung. Beim Bürger-Dialog stellten sich deshalb Planungsdezernent Mike Josef, Geschäftsführer von Groß & Partner Jürgen Groß, Geschäftsführer des DMB Mieterschutzvereins Rolf Janßen und die Wohnungssuchenden Christian Popp und Hülay Kutay den Fragen der Frankfurter Bürger. Die berichteten zudem über den aktuellen Stand in der Stadt und die Pläne für die Zukunft.

Bürger auf der Wohnungssuche
„Mein Mann und ich haben ein gutes Einkommen, aber es reicht dennoch nicht für Frankfurt“, sagte Kutay, die in Fechenheim in einer Zweizimmerwohnung wohnt. Sie unterrichtet an der IGS Eschersheim und ist seit geraumer Zeit auf der Suche nach einer Wohnung, da die Familie Zuwachs bekommen hat. Frankfurt verlassen und in die Außenbezirke ziehen, käme für sie nicht in Frage, da sie und ihr Mann gebürtige Frankfurter sind und auch ihre Kinder in der Stadt aufwachsen sollen. „Ich habe Angst, dass ich aus Frankfurt vertrieben werde, weil wir uns als gute Mittelschicht hier nichts leisten können.“ Genauso sah es Popp, der am Flughafen arbeitet und mit seiner Frau und seinen zwei Kindern seit drei Jahren auf der Suche ist: „Frankfurt ist gerade für Familien, die sich vergrößern wollen, nicht bezahlbar. Aber hier sind die Kinder groß geworden und wir wollen hier bleiben. Aber Familien werden rausgetrieben, obwohl sie das nicht wollen.“ Eine Stimme aus dem Publikum konterte jedoch mit dem Argument, dass gerade über ein Luxusproblem diskutiert werde, denn Frankfurt sei eine attraktive Stadt, wo das Einwohnermeldeamt jede Woche zirka 300 Neumeldungen verzeichne. „Ein Einfamilienhaus in Frankfurt ist unrealistisch“, sagte der Zuhörer. Rentner Winfried Weitzel ist einer derjenigen, die aus Frankfurt weggezogen sind. 40 Jahre hat er in der Stadt verbracht bevor er endgültig nach Bad Vilbel gezogen ist. „Dort sind die Mietpreise um 30% niedriger und Bad Vilbel ist auch eine sehr attraktive Stadt.“

Der aktuelle Stand
Vor allem der Planungsdezernent musste sich vielen kritischen Fragen von Bürgerinitiativen, Politikern, Architekten und Studenten stellen. „Die Problematik in Frankfurt ist, dass hier so viele verschiedene Menschen leben und ein riesiges Spannungsverhältnis herrscht“, erklärte Josef. „Es gibt 23 000 Sozialwohnungen, Tendenz fallend, aber die Nachfrage steigt.“ Er betont, dass man den Bebauungsplan ändern und statt Büroflächen mehr Wohnraum schaffen muss. Die Baukosten werden vor allem durch die gesetzlichen Kosten in die Höhe getrieben, aber irgendwann sei es „auch mal genug.“ Es fehle vor allem an Wohnraum, der mit Geld gefördert werden kann. Um den Wohnungsbau für den Mittelstand anzukurbeln, müsse man eben diese Baukosten verringern. „So kann es nicht weitergehen“, sagte Groß, dessen Firma zurzeit das Afe-Areal bebaut. Es müsse sich etwas ändern. „Im Moment ist viel Bewegung da, es wird viel gebaut, aber auch viel Luxus gebaut.“ Auf die Frage aus dem Publikum, ob man nicht einfach leerstehende Gebäude umwandeln könne, musste Josef leider auch mit einem Nein antworten. „Das ist die teuerste Art Wohnungen zu schaffen“, rechtfertigte sich der Planungsdezernent. Die Gebäude seien schon von ihrer innenstadtnahen Lage für einen Ankauf zu teuer. Dennoch konnte man bisher leerstehende Flächen von 1,6 Millionen Quadratkilometer auf 1,2 Millionen reduzieren.

Ein Blick in die Zukunft
„Ich plädiere für die Außenentwicklung“, sagte Josef. Ackerflächen seien bei weitem billiger als Flächen in der Innenstadt. Letztes Jahr wurde schon ein Rekord erzielt, indem zirka 3500 Wohnungen gebaut wurden. Für Studenten seien ebenfalls in den nächsten vier bis fünf Jahren 1000 Studentenwohnungen in Zusammenarbeit mit dem Studentenwerk geplant. Bei weitem nicht genug, aber immerhin ein Anfang. Die Frucht all dieser Anstrengungen würde aber wohl erst in zehn Jahren zur Geltung kommen. Für viele geht dies jedoch nicht schnell genug, da man im Moment auf der Suche sei und nicht in einem Jahrzehnt, wenn die eigenen Kinder schon aus dem Haus sind, wie einige Stimmen aus dem Publikum konterten. Es dauere aber deshalb so lange, weil die Realität viel Anstrengung beim Wohnungsbau fordere und viel Anstrengung vor Ort benötigt werde, so Josef. Es müssten vor allem größere Entwicklungen stattfinden, die auch schnell vorangehen.
Obwohl bei diesem Dialog keine Lösung gefunden werden konnte, die alle befriedigt, hofft Josef, dass die Bürger gemeinsam nach vorne schauen und an einem Strang ziehen. „Man muss viel Geduld mitbringen“, sagte Popp zum Abschluss. „Ich wünsche mir, dass meine Kinder in der Stadt groß werden können.“
22. März 2017
Martina Schumacher
 
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