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Foto: © Bernd Kammerer
Foto: © Bernd Kammerer

Zwischenruf von Bernd Reisig

Wird Fußball immer kommerzieller?

„Man muss kreativ sein. Jammern ist ein schlechter Ratgeber,“ sagt der FSV-Exmanager Bernd Reisig in seinem Zwischenruf, der in der aktuellen Ausgabe des JOURNAL FRANKFURT erschienen ist.
Vor einer Woche drohte Frankfurt auf der Fußballkarte in Deutschland recht klein eingezeichnet zu werden. Eintracht und FSV taumelten gemeinsamen Schrittes Richtung Abstieg. Die Eintracht konnte sich über die Relegation retten und wird auch nächste Saison weiter in der Bundesliga spielen, während der FSV Frankfurt den bitteren Gang in die 3. Liga antreten muss.
Nun beginnt die Ursachenforschung. Gerne müssen dann auch die sogenannten „Sponsoren-Vereine“ wie Wolfsburg, Hoffenheim und Leipzig in der Argumentation herhalten. Der Fußball hat sich verändert, er ist kommerzieller geworden. Ja, das stimmt und ist schon immer so. 1964 mit Einführung der Bundesliga war der Kommerz größer als in den 50er-Jahren und 1980 größer als 1970. Die Diskussion dreht sich immer wieder im Kreise und wird durch die „gute alte Zeit“ oft vernebelt. Bereits 1967 hat Wormatia Worms versucht seine finanziellen Nöte mit der Vermarktung der Trikotfläche in den Griff zu bekommen. Damals funkte der Deutsche Fußball-Bund noch dazwischen und verbot diese Werbeform. 1973 war es dann Eintracht Braunschweig, die trotz DFB-Verbots mit Jägermeister auf der Brust aufliefen und damals schon extrem tricky waren und einfach den Firmen-Hirsch als Vereinslogo umfunktionierten, um so ein paar Hunderttausend vom Schnaps-Sponsor einzukassieren. Damit war der Traditionsverein Eintracht Braunschweig der eigentliche Vorreiter der Kommerzialisierung und hat letztendlich damals schon den Trick angewandt, den Red Bull heute in Leipzig praktiziert, das Firmen-Logo wird zum Vereinslogo. Soviel zum Thema „die gute alte Zeit“.

Auch Eintracht Frankfurt war mit der Firma Remington bereits 1976 Speerspitze dieser Kommerzialisierung. Der Fußball hat sich zu einer großen Unterhaltungs-Industrie entwickelt, die mit der Film-, Musik- und TV-Branche sicherlich auf Augenhöhe zu nennen ist. Dass dies auch bei Wirtschaftsunternehmen wie VW dazu führt, dass man diese gigantische Verbreitungsmaschinerie mit Millionen von Fans und Zuschauern für seine Marketinginteressen nutzen will, ist nicht nur legitim, sondern auch von den Vereinen gewünscht. Und was Hoffenheim und Dietmar Hopp angeht, ist die Lage der Dinge nochmal ganz anders zu bewerten.

Ein Unternehmer, der von klein auf, sich ein riesiges Vermögen erarbeitet hat, ist angetreten um seine Region, in der er lebt und der er auch viel zu verdanken hat, zu unterstützen. Und da zählt neben den zahlreichen sozialen Projekten auch sein heimischer Fußballklub, der dank seiner Unterstützung den Weg von der A-Klasse bis in die Bundesliga geschafft hat. Was bitte, soll daran nicht in Ordnung sein? Es kann doch nur eine Antwort auf diese neuen Herausforderungen für Vereine wie die Eintracht oder den FSV geben. Kreativ sein, neue Ideen entwickeln, Marke und Profil schärfen. Jammern ist ein schlechter Ratgeber. Die Manager in den Klubs kriegen viel Geld, im Übrigen aus den Töpfen der Vermarktung, um ihre Klubs im harten Wettbewerb zu behaupten. Wem nichts anderes einfällt, als darüber zu jammern, dass Hopp den Hoffenheimer mehr gibt als Alfa Romeo den Frankfurtern, der macht keinen guten Job und ist sein Geld nicht wert. Kapitalismus light gibt es eben nicht.

Bernd Reisig war früher Manager des FSV, heute veranstaltet er soziale Events, Comedy-Veranstaltungen und Talk-Runden.
 
31. Mai 2016, 10.15 Uhr
Bernd Reisig
 
 
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