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Keine Plätze an den Schulen
 

Keine Plätze an den Schulen

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Volle Gymnasien, verzweifelte Eltern

Foto: Harald Schröder
Foto: Harald Schröder
Der Ansturm auf die Gymnasien ist groß. Die Wunsch-Schulen sind meist belegt. Rund 500 Viertklässler sind noch ohne Platz. Zur Wahl stehen nun nur noch Wartelisten, integrierte Gesamtschulen oder weite Anfahrtswege.
Verzweifelte Eltern, verunsicherte Kinder und überforderte Politiker – die Belegungsproblematik an den Frankfurter Gymnasien schlägt hohe Wellen. Rund 500 Kinder können nicht ihre Wunsch-Schule besuchen und die Alternativen sind oft wenig attraktiv. Je drei bevorzugte Gymnasien dürfen Eltern angeben – in den vergangenen Jahren stand in den meisten Fällen immerhin eines auf der Liste zur Auswahl. Aber der Run aufs Gymnasium hält an und die Stadt wächst zudem immer weiter. Insgesamt wollen 2916 Viertklässler einen gymnasialen Bildungsweg besuchen. Dadurch sind die Plätze inzwischen so rar, dass für viele im kommenden Schuljahr der Besuch in keiner der Wunsch-Schulen möglich ist.

Naima Mokhdari wohnt etwa in Bonames. Ihre Tochter wollte – wie so viele andere – das Riedberg-Gymnasium besuchen. Aber weder hier noch an einem anderem Gymnasium wurde sie angenommen. „Das kam total überraschend, ich dachte eine Schule nimmt uns schon. Aber nicht mal auf der Otto-Hahn-Schule, die weniger beliebt ist, sind noch Plätze frei“, berichtet die Mutter. Nun stehen lediglich integrierte Gesamtschulen zur Auswahl, eine Warteliste an der Liebigschule oder das neue Gymnasium in Nied. Hier wird die ersten Jahre in Containern unterrichtet, bis das Schulgebäude gebaut ist. Diese Alternative würde außerdem gut eine Stunde Fahrtzeit für die Tochter bedeuten. „Dazu kommt, dass sie zweimal umsteigen müsste. Und die Gegend ist auch nicht so sicher. Ich weiß nicht, ob man das einem Kind zumuten kann“, sagt Mokhdari. Auf der anderen Seite wolle sie ihrer zehnjährigen Tochter nicht die Chance auf den Besuch eines Gymnasiums verbauen.

Rund 300 Leidensgenossen von Mokhdari kamen am Freitag zu einer Info-Veranstaltung im Lessing-Gymnasium. Hier versuchten Bildungsdezernentin Sarah Sorge (Grüne, siehe Foto), der kommissarische Leiter des Schulamts, Rainer Kilian, sowie sein Kollege Dieter Sauerhoff die wütenden Eltern zu beruhigen – ohne Erfolg. „Das hat überhaupt nichts gebracht“, sagt Mokhdari. Sie wisse jetzt lediglich, dass es rechtens sein, ihr Kind einfach auf die nächstgelegene integrierte Gesamtschule zu schicken, auch ohne ihr Einverständnis. Denn auch hier gibt es die Möglichkeit, das Abitur zu machen. Lösungen für das Problem habe Sorge nicht parat gehabt. Sie erklärte lediglich, das es elf zusätzliche fünfte Klassen in der Stadt gebe – mehr sei einfach nicht zu machen. „Wir haben alle Möglichkeiten geprüft, aber nichts gehr mehr“, so Sorge. Auch Andrea Teichmann-Ulitzka sei von der Veranstaltung "ziemlich enttäuscht" gewesen. Sie habe gehofft, dass etwa an der Wöhlerschule ein zusätzlicher Container aufgestellt werde.

„Die Nähe zum Wohnort ist Ihnen wichtig, das merken wir“, sagte Sorge auf der Info-Veranstaltung, als die Gemüter der Eltern immer höher kochten und viele wütend dazwischenriefen. Sauerhoff aber betonte, das der fachliche Schwerpunkt der Schulen wichtiger sei.

Das Problem sei vor allem das Auswahlverfahren, findet Jasmin Hennig. Ihr Sohn sei einer der Besten seiner Klasse in der August-Jaspert-Schule. Dennoch wurde ihm in keinem seiner drei Wunsch-Gymnasien ein Platz angeboten. So erging es auch vielen Klassenkameraden. „Wir sind alle schockiert und ratlos“, sagt Hennig. Nicht nachvollziehbar sei für sie, dass die Gymnasien bei der Wahl weder Noten der Kinder noch den Schulweg berücksichtigen. Erste Priorität ist, ob an der Schule bereis Geschwisterkinder sind, danach wird der fachliche Schwerpunkt berücksichtig und als drittes Kriterium gelten Härtefälle. „Etwa werden Alleinerziehende bevorzugt“, so Hennig. Übrige Plätze werden dann schlicht ausgelost. Teichmann-Ulitzka fordert etwa, einen Mindestnotendurchschnitt einzuführen. Bisher sind nur eine Empfehlung sowie der Elternwille entscheidend.
 
27. April 2015, 10.57 Uhr
Christina Weber
 
Christina Weber
Jahrgang 1983, Studium Online-Journalismus, seit 2014 Volontärin beim Journal Frankfurt – Mehr von Christina Weber >>
 
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Leser-Kommentare

Kommentieren
 
dieter baden am 28.4.2015, 17:20 Uhr:
Sehr gute Kommentare !!
 
Ralph Lange am 27.4.2015, 15:34 Uhr:
Die Frankfurter Schulpolitik ist völlig verfehlt. Entweder die Gebäude verrotten oder es gibt zuwenig Schulplätze. Frau Sorge von den Grünen ist entweder völlig überfordert oder ignorant. Ziel muss die beste Bildung und der Respekt vor dem Elternwillen sein.
 
dieter baden am 27.4.2015, 13:22 Uhr:
Natürlich sind das wieder mehrere Probleme und teilweise auch Frankfurtspezifische.
Das eine Grüne Dezernentin,die ja immer ach so sehr um die Chancen der Kinder und das Wohl der Menschen bedacht ist versagt hat ..ist eben so.
Wieviele NICHTFRANKFURTER blockieren hier ähnlich wie bei Kindergärten Plätze??
Dafür soll Frankfurt dann noch mehr für andere Kommunen zahlen?
Dann gibt es einfach zuviele Schüler auf Gymnasien die da nicht hingehören. Wenn man sich heute mit Gymnsiasten unterhält fragt man sich oft: was haben die auf einem Gymnasium gelernt haben.
Unser ganzes Bildungssystem ist mangelhaft,andere Länder sind uns voraus.
 
 
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