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Hanau

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Generalbundesanwalt ermittelt wegen Terrorverdachts

Foto: picture alliance/Boris Roessler/dpa
Foto: picture alliance/Boris Roessler/dpa
Am Mittwochabend fielen in zwei Shishabars in Hanau Schüsse, neun Menschen wurden getötet. Der mutmaßliche Täter und seine Mutter wurden in dessen Wohnung tot aufgefunden. Laut Innenminister Peter Beuth (CDU) ist ein fremdenfeindlicher Hintergrund wahrscheinlich.
Aktualisierung, 20.2.2020, 15.43 Uhr:

Wie die Generalbundesanwaltschaft (GBA) mitteilt, waren die Opfer des 43-jährigen Hanauers Tobias R. zwischen 21 und 44 Jahre alt. Unter ihnen waren laut GBA sowohl ausländische als auch deutsche Todesopfer. Dennoch liegen „gravierende Indizien für einen rassistischen Hintergrund der Tat vor. Diese ergeben sich aus den augenscheinlich von Tobias R. herrührenden Videos und Dokumenten“, heißt es vonseiten der GBA. Nachdem die Polizei den Tatverdächtigen sowie seine 73-jährige Mutter tot in der Wohnung Tobias R.s aufgefunden hatte, habe man den Vater „äußerlich unverletzt angetroffen.“

Bisher gebe es keinen Hinweis auf mögliche Vorstrafen oder Ermittlungsverfahren mit politischem Bezug gegen Tobias R. Die laufenden Ermittlungen konzentrieren sich vor allem auf mögliche Unterstützer*innen oder Mitwisser*innen. Dafür werde aktuell das Umfeld des Täters durchleuchtet. Außerdem werten die Ermittler*innen Videos und Dokumente aus, die augenscheinlich von Tobias R. stammen. Zudem laufen kriminaltechnische Untersuchungen zu der oder den bei der Tat verwendeten Schusswaffen.

Zum Hintergrund

Gegen 22 Uhr am gestrigen Mittwochabend fielen in Hanau an zwei verschiedenen Orten Schüsse: zunächst in einer Shishabar am Heumarkt, kurze Zeit später wurden Schüsse am Kurt-Schumacher-Platz gemeldet, ebenfalls in einer Shishabar. Nach derzeitigem Erkenntnisstand wurden an diesen beiden Tatorten insgesamt neun Personen getötet, eine weitere Person wurde schwer verletzt, eine noch unbekannte Anzahl Menschen ist verletzt. Unter den Opfern sollen sich mehrere Menschen mit Migrationshintergrund befinden. Das Gebiet um die Tatorte wurde weiträumig abgesperrt; Notinterventionskräfte der hessischen Polizei waren im Einsatz.

Augenzeug*innen berichteten von einem schwarzen Fahrzeug, das von dem ersten Tatort am Heumarkt davongefahren sei. Die daraufhin eingeleitete Großfahndung nach dem möglichen Täterfahrzeug führte die Polizei zu der Wohnung des mutmaßlichen Täters. Die Beamt*innen fanden dort den Tatverdächtigen, einen 43-jährigen deutschen Hanauer, sowie seine 72-jährige Mutter tot auf, beide wiesen Schussverletzungen auf. In der Wohnung fand die Polizei auch die Tatwaffe. Der mutmaßliche Täter soll Sportschütze und damit legaler Waffenbesitzer gewesen sein. Die Spurensicherung ist noch nicht abgeschlossen. Bislang liegen keine Hinweise auf weitere Täter vor.

Innenminister Peter Beuth (CDU) erklärte am Donnerstagvormittag, dass man derzeit von einem fremdenfeindlichen Motiv ausgehe. „Im Moment laufen die Ermittlungen auf Hochtouren. Die polizeiliche Lage wurde zunächst durch das Polizeipräsidium Frankfurt als Sonderlage geführt und wird nun durch das Hessische Landeskriminalamt übernommen. Der Generalbundesanwalt hat die Ermittlungen übernommen und stuft die Tat als terroristischen Gewaltakt ein. Nach unserem jetzigen Ermittlungsstand ist ein fremdenfeindliches Motiv durchaus gegeben.“ Mehrere Medien berichteten, es gebe ein Bekennerschreiben des Täters. Innenminister Beuth sagte dazu, derzeit werde noch ermittelt, ob es ein Bekennerschreiben oder Schriftstücke seien. Es gebe eine Homepage, aus der sich ein „mutmaßlicher fremdenfeindlicher Hintergrund ergibt.“

Ministerpräsident Volker Bouffier (CDU) sprach am Donnerstag von einem „Verbrechen, das in seiner Dimension außergewöhnlich ist.“ Das Hessische Parlament gedachte der Opfer mit einer Schweigeminute und beschloss, die eigentliche geplante Tagung als Zeichen des Respekts vor den Opfern und deren Angehörigen zu verschieben. Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) verurteilte die Tat in Hanau. „Rassismus ist ein Gift, Hass ist ein Gift. Wir stellen uns denen, die versuchen, Deutschland zu spalten, mit aller Kraft und Entschlossenheit entgegen“, sagte die Kanzlerin. Dabei bezog sie sich auch auf die Taten des NSU, den Mord an Walter Lübcke und den Morden in Halle. „Für eine abschließende Bewertung ist es noch zu früh. Es wird alles unternommen, um die Hintergründe dieser entsetzlichen Morde ins Letzte aufzuklären.“ Vieles würde jedoch darauf hinweisen, dass der Täter aus rechtsextremistischen, rassistischen Motiven gehandelt habe, „aus Hass gegen Menschen mit anderer Herkunft, anderem Glauben oder anderem Aussehen.“

In Hanau soll am heutigen Donnerstagabend, ab 18 Uhr, eine Gedenkveranstaltung auf dem Marktplatz stattfinden. In Frankfurt ist ebenfalls ab 18 Uhr eine Mahnwache an der Paulskirche geplant.
 
20. Februar 2020, 13.33 Uhr
Johanna Wendel/Ronja Merkel
 
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Leser-Kommentare

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Thomas Szymanski am 20.2.2020, 15:09 Uhr:
"Nun, zunächst mein Beileid für die Angehörigen. - Allerdings ist es abgesehen von Fremdenfeindlichkeit wohl klar eine Einzelperson, die auf die Menschen geschossen hat. Es dann gleich wieder in den Topf des Terrorismus zu stecken, ist wie so oft fraglich und geschieht vorschnell. - Dennoch ist es auch kein Wunder, da Rechte Gruppierungen, und letztendlich auch Einzelpersonen nicht richtig überwacht werden (oder können), weil Personal fehlt, oder weil es Frau Merkel und Co. zu leicht sehen. Wie heißt es immer: "Der Verfassungsschutz beobachtet..." - Was für ein Schwachsinn. Wer gegen den Rechtsstaat verstößt, und somit Rechtes Gedankengut, bis hin zur Morddrohungen verbreitet, gehört endlich sofort verhaftet. Und zwar muss hier die volle Härte des Gesetztes greifen. Das Wischiwaschi hier bringt Nichts, wie wir immer wieder feststellen können. So ist es auch kein Wunder, dass ein weiteres Verbrechen mit Hass auf Migranten erfolgte. - Wann hört das auf? Wie viel will man dem Deutschen Volke noch zumuten? Somit ist klar, dass auch Jeder Sportverein streng überprüft werden muss. Man ist keineswegs seines Lebens mehr sicher. - Denn jeden Augenblick kann es vielleicht auch andere Mitbürger oder mich treffen." - Thomas Szymanski, Puppenspieler und Schauspieler aus Frankfurt am Main
 
 
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