Facebook
|
Twitter
|
RSS
|
eMags Kontakt
|
Mediadaten
|
Impressum
Politik
Startseite Alle NachrichtenPolitik
Daniel Cohn-Bendit trifft …
 

Daniel Cohn-Bendit trifft …

3

"Peter Feldmann ist die Petra Roth der SPD"

Foto: Nils Bremer
Foto: Nils Bremer
Der frühere Stadtrat und Europaabgeordnete Daniel Cohn-Bendit macht das, was seine Partei scheut: Eine Wahlempfehlung für Peter Feldmann (SPD) abgeben. Die beiden trafen sich mitten im grünen Kerngebiet.
"Der Frankfurter Kreisverband macht einen Fehler." Sagt Daniel Cohn-Bendit. Überraschend ist das nicht. Auch auf der Mitgliederversammlung trat er für eine Wahlempfehlung ein – zugunsten des Amtsinhabers Peter Feldmann. Vergebens. "Es wird immer gesagt: Die Wähler sind erwachsen genug, eine eigene Entscheidung zu treffen – aber was heißt denn das? Hätte ich vor dem ersten Wahlgang nicht zur Wahl der Grünen aufrufen sollen, weil die Wähler erwachsen genug sind? Was hätten die Grünen dazu gesagt?"

Dass die Christdemokratin Bernadette Weyland nicht seine Kandidatin ist, stellt Daniel Cohn-Bendit im Rotlintcafé am Dienstagnachmittag rasch klar. "Wer in einer Stadt wie Frankfurt nicht zur Kommunalen Ausländervertretung geht, also tut mir leid, aber: Da ist es bei mir vorbei." Das Gleiche gelte für die Ignoranz von Gewerkschaften und Mieterinitiativen. Bei Petra Roth sei das anders gewesen. Die CDU habe immer gegen das von ihm mitgeschaffene Dezernat für multi-kulturelle Angelegenheiten gewettert und es sofort abschaffen wollen – das habe Petra Roth verhindert. "Sie hat es nicht nur aus taktischen Gründen gesagt, sondern sie hat es gemeint – sie sagte, dass gehört zu einer Stadt wie Frankfurt dazu." Deswegen habe sie auch Grünen-Wähler begeistern können. Für Frau Weyland treffe dies nicht zu – ihr Vorbild hätte Petra Roth sein müssen. Sie sei es nicht gewesen. "Peter Feldmann ist gewissermaßen die Petra Roth der SPD."

Der Oberbürgermeister sitzt neben ihm und bedankt sich artig. Verspricht eine ökologische Politik machen zu wollen, widerspricht dem Argument, er würde erst jetzt die Grünen entdecken, wo deren Stimmen für seine Wiederwahl unerlässlich sind. "Dieses Thema begleitet mich schon mein ganzes politisches Leben", sagt Feldmann. Er verspricht Bauen, Bauen, Bauen – "aber dies und das Ökologische ist ja kein Widerspruch". Zwischen ihm und Umweltdezernentin Rosemarie Heilig passe ohnehin kein Blatt und zwischen ihm und Cohn-Bendit – wie sich im Verlauf des Gesprächs der beiden zeigt – wenn dann nur ein sehr dünnes. Die Unterschiede mögen überraschen: Cohn-Bendit war von Anfang an für eine Fortsetzung der Großen Koalition, Feldmann zögerte da. "Es gibt sehr viele Schnittmengen", meint Cohn-Bendit. Die Verkehrswende, das 365-Euro-Ticket, ökologisches Bauen, eine Bauausstellung (wenn auch mit eingängigerem Namen), das Zurückdrängen des Individualverkehrs – das alles kann sich Feldmann auch gut vorstellen und will es in der nächsten Amtszeit anpacken; wenn die Koalition aus CDU, Grünen und SPD mitmacht, möchte man hinzufügen. Doch darum soll es heute ja nicht gehen. Es gibt nur noch zwei Optionen – Weyland oder Feldmann. "Da brauche ich nicht drüber nachdenken", meint Cohn-Bendit.

Und der Wahlkampf der Grünen? "Sie haben ihre Wähler nicht aktiviert, viele sind gar nicht hingegangen, andere haben Janine Wissler gewählt." Verwundern tut den Grünen-Politiker das nicht. "Tee mit Nargess – ja, super Idee, aber um 20.000 Stimmen zu gewinnen musst du schon eine Menge Tee trinken", sagt Cohn-Bendit, dem das große Mitziehen in der Partei fehlt. Bei den Linken habe es das gegeben – mit einer großen Abschlussveranstaltung im Südbahnhof mit Gregor Gysi. Nun muss Dany vom Fahrrad manchem Parteifreund erklären, "warum die Grünen so borniert sind". Es fällt ihm nicht leicht. Die Führungsspitze der Partei habe einen internen Blick auf Peter Feldmann. Sie kritisierten, warum er sich hier so verhalte und da nicht auftauche. "Das versteht aber kein Wähler. Das war auch schon vor sechs Jahren so – und an der Spitze stehen Leute, die jenen mit Arroganz gegenübertreten, die ihre Politik nicht verstehen." Die Grünen hätten zudem versäumt, die soziale Frage in den Mittelpunkt zu stellen. "Bundesweit ist die Partei da besser aufgestellt, wenn es um die Frage geht, Ökologie sozial neu zu definieren."

Bei der letzten Oberbürgermeisterwahl gab es einige führende Grüne, die offen für die Wahl von Boris Rhein aufriefen. "Aber auch da gab es keine eindeutige Wahlempfehlung." Und auch damals musste Cohn-Bendit jenen Termin mit Peter Feldmann machen, den sich keine andere Parteigröße traute. "Sie haben nichts gelernt. Sie sagen nichts – und das bedeutet, sie empfehlen ihren Wählern zu Hause zu bleiben." Man sieht Cohn-Bendit an, wie sehr ihn das stört. "Das ist dümmlich."
6. März 2018
Nils Bremer
 
Nils Bremer
Jahrgang 1978, Politologe, seit 2004 beim Journal Frankfurt, seit 2010 Chefredakteur. – Mehr von Nils Bremer >>
Mail schreiben
 
Empfehlen
 
Fotogalerie:
{#TEMPLATE_news_einzel_GALERIE_WHILE#}
 

Leser-Kommentare

Kommentieren
 
Ronald M. Filkas am 16.3.2018, 01:24 Uhr:
Der ist gut, Whizzbizz!
 
Whizzbizz am 9.3.2018, 11:05 Uhr:
"Wählen ist wie Zähneputzen: wenn man's nicht macht, wird's braun."
 
Ronald M. Filkas am 8.3.2018, 10:59 Uhr:
Keine Wahlempfehlung abzugeben, bedeutet ja wohl nicht gleich zu empfehlen, „ihren Wählern zu Hause zu bleiben“! Außerdem ging das Zuhausebleiben schon mal daneben.
 
 
Mehr Nachrichten aus dem Ressort Politik
 
 
Viel los am 28. Oktober
0
Wählen und Läufer anfeuern
Stadtrat Jan Schneider rechnet bei der Landtagswahl am 28. Oktober mit mehr Briefwählern als sonst, denn am Wahlsonntag könnte der Gang zum Wahllokal beschwerlich werden. Der Grund: Der Frankfurt Marathon am selben Tag. – Weiterlesen >>
Text: nic/ ffm / Foto: Dezernat V
 
 
Kritik an Horst Seehofer
0
Die Mutter aller Probleme
Erst vor wenigen Tagen hat Horst Seehofer kurzfristig seinen Besuch in Frankfurt abgesagt. In einem Video äußert sich Planungsdezernent Mike Josef zu der Absage des Ministers – und dazu, was für Frankfurter die „Mutter aller Probleme“ sei. Auch andere Politiker kritisieren Seehofer. – Weiterlesen >>
Text: Ronja Merkel / Foto: Henning Schacht
 
 
Landtagswahl und Volksabstimmung in einem
0
Hessen wählt und stimmt über eine Verfassungsreform ab
Am 28. Oktober wählen die Hessen nicht nur ihren Landtag, sie dürfen auch bei einer Volksabstimmung über 15 Themen entscheiden, die in der Hessischen Verfassung geändert werden könnten, etwa die , etwa auch die Regelung der Todesstrafe. – Weiterlesen >>
Text: Nicole Brevoord / Foto: H. Heibel/ Hessischer Landtag
 
 
 
Berufung des einstigen Kulturdezernenten
0
Felix Semmelroth wird hessischer Antisemitismusbeauftragter
Der ehemalige Frankfurter Kulturdezernent Felix Semmelroth (CDU) soll ab Mitte August als erster hessischer Antisemitismusbeauftragter Handlungsempfehlungen gegen Judenhass erarbeiten. – Weiterlesen >>
Text: nb / Foto: © Bernd Kammerer
 
 
Zwischenstopp im Neuen Frankfurter Garten
0
Grünen-Chef Robert Habeck geht aus!
Der Bundesvorsitzende der Grünen, Robert Habeck, ist derzeit auf Deutschlandtour. Am Montag machte er Halt in Frankfurt und besichtigte unter anderem das Urban Gardening Projekt am Danziger Platz. – Weiterlesen >>
Text: nb / Foto: nb
 
 
<<
<
1  2  3  4  ...  174 

Twitter Activity