Facebook
|
Twitter
|
RSS
|
eMags Kontakt
|
Mediadaten
|
Impressum
Politik
Startseite Alle NachrichtenPolitik
75. Jahrestag Auschwitz-Befreiung
 

75. Jahrestag Auschwitz-Befreiung

0

Hessischer Landtag gedenkt homosexuellen NS-Opfern

Foto: © Wikimedia Commons
Foto: © Wikimedia Commons
Anlässlich der Befreiung des Konzentrationslagers Auschwitz vor 75 Jahren fand am Montagmorgen eine Gedenkveranstaltung im Hessischen Landtag statt. Das Gedenken steht in diesem Jahr zum ersten Mal im Zeichen der verfolgten Homosexuellen.
„Wir gedenken heute aller Opfer der NS-Verbrechen, all jener, die ermordet worden sind, aber auch jener, die verfolgt worden sind, weil sie Widerstand leisteten oder anderen Schutz gewährten“, eröffnete Hessens Landtagspräsident Boris Rhein (CDU) die Gedenkveranstaltung am 75. Jahrestag der Befreiung des Konzentrationslagers Auschwitz. In den vergangenen Jahren wurden die Stimmen derer, die eine Änderung oder gar ein Ende der deutschen Erinnerungskultur fordern, immer lauter. Rhein kritisierte diese Haltung am scharf, nur wer sich der Vergangenheit bewusst sei, könne für eine friedliche Zukunft garantieren. „Mir ist ein ritualisiertes Gedenken lieber als planvolles Vergessen“, so Rhein.

Auch Ministerpräsident Volker Bouffier (CDU) hob die Bedeutung des Gedenkens hevor. Gedenktage seien nicht bloß Rituale im Kalender, sondern müssten „ein Stachel im Fleisch“ bleiben. In Berlin habe es hunderte Angriffe auf Jüdinnen und Juden gegeben, „wo bleibt da der Aufschrei?“, so Bouffier. Ihm ginge es vor allem darum, die Gleichgültigkeit zu überwinden. „Wenn der Vorsitzenden der größten Oppositionspartei im Bundestag die NS-Zeit als Vogelschiss bezeichnet, dann ist das in keinster Weise akzeptabel und wer das nicht erkennt, hat nichts verstanden oder will relativieren – beides ist unerträglich“, sagte Bouffier. Mit dem Relativieren, fuhr Bouffier fort, beginne das Vergessen.

In diesem Jahr stand die Gedenkveranstaltung des Hessischen Landtages im Zeichen der verfolgten Homosexuellen. Dass der Satz „Die Würde des Menschen ist unantastbar“ in unserem Grundgesetz steht, ist kein Zufall, sondern „eine kraftvolle Antwort auf die Verbrechen des Nationalsozialismus.“ Gleichzeitig erinnere er immer wieder daran, wie schnell die Verrohung der Menschheit geschehen kann, sagte Rhein. Doch die Würde der Homosexuellen blieb auch nach 1945 antastbar.

Über die Verfolgung der Homosexuellen in der NS-Zeit weiß man vergleichsweise nur sehr wenig, sagte Sybille Steinbacher, Direktorin des Fritz Bauer Instituts. Zeitzeug*innen seien eine wichtige Instanz in der Vermittlung der Geschichte des Nationalsozialismus. Doch unter denen, die berichteten, befanden sich kaum homosexuelle Überlebende des NS-Terrors – nicht, weil es sie nicht gegeben habe, sondern weil die Zeit der Ausgrenzung über die NS-Zeit hinausging und sie weiter schwiegen. „Weil Homosexuelle auch nach 1945 als Kriminelle behandelt wurden, wissen wir erschreckend wenig“, so Steinbacher. Es gebe eine Handvoll fragmentarischer Dokumentationen, die anonymisiert wurden, selbst in den 1980er- und 1990er-Jahren seien nur wenige bereit gewesen, ihre Namen preiszugeben. Auch das geringe Interesse bei der Aufarbeitung bis zu einem bestimmten Punkt, lange nach 45, sei ein Faktor für viele Lücken. Daher wisse man auch nicht genau, wie viele Homosexuelle in Konzentrationslager gefangen gehalten wurden.
 
27. Januar 2020, 12.46 Uhr
Elena Zompi
 
Empfehlen
 
Fotogalerie:
{#TEMPLATE_news_einzel_GALERIE_WHILE#}
 

Leser-Kommentare

Kommentieren
Schreiben Sie den ersten Kommentar.
 
Mehr Nachrichten aus dem Ressort Politik
 
 
Hessisches Justizministerium
0
Konsequenzen nach Korruptionsaffäre
Als Reaktion auf die Korruptionsaffäre bei der Frankfurter Generalstaatsanwaltschaft hat Hessens Justizministerin Eva Kühne-Hörmann ein Maßnahmenpaket vorgestellt. Künftig soll in allen Staatsanwaltschaften ein Vier-Augen-Prinzip herrschen. – Weiterlesen >>
Text: sie / Foto: Unsplash
 
 
Eine zeitlich begrenzte Erweiterung der hessischen Pflegeunterstützungsverordnung erlaubt es Ehrenamtlichen nun, sich Nachbarschaftshilfe im Rahmen der Corona-Pandemie finanziell honorieren zu lassen. – Weiterlesen >>
Text: David Hanfgarn / Foto: Pexels
 
 
Vergangenen Dienstag ist der hessische Polizeipräsident Udo Münch zurückgetreten. Nun steht sein Nachfolger fest. Zudem soll ein umfangreicher Maßnahmenkatalog zur Aufklärung der NSU 2.0-Affäre und zur Wiederherstellung des Vertrauens in die hessische Polizei beitragen. – Weiterlesen >>
Text: ez / Foto: © HMdIS
 
 
 
Der Hessische Landtag fordert bezüglich der Drohschreiben konkrete Antworten von Innenminister Peter Beuth (CDU). In einer Sondersitzung werden mehrere Parteien Fragen an ihn richten. Am Dienstag sollen erneut Drohmails verschickt worden sein. – Weiterlesen >>
Text: Johanna Wendel / Foto: picture alliance/dpa/Arne Dedert
 
 
NSU 2.0-Affäre der hessischen Polizei
2
Eine ungeheuerliche Situation
Der hessische Polizeipräsident Udo Münch ist zurückgetreten. Damit wurden in der hessischen Polizei erste Konsequenzen auf personeller Ebene gezogen. Münch habe den Sachverhalt über die Drohbriefe während eines Gesprächs im März „nicht bewusst wahrgenommen.“ – Weiterlesen >>
Text: Johanna Wendel / Foto: picture alliance/dpa | Arne Dedert
 
 
<<
<
1  2  3  4  ...  205