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Nightlife
 

Dating-App Go Crush

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Von Liebe, Cider und Karaoke

Foto: Dirk Ostermeier
Foto: Dirk Ostermeier
Eine Dating-App aus Frankfurt, die alles anders macht: Go Crush bringt Dates in Lokalen zusammen – ein Selbstversuch.
Eigentlich habe ich diesen ganzen Dating-Kram aufgegeben. Warum? Weil mir Unverbindlichkeit auf die Nerven geht. In einer Zeit, in der wir mit merkwürdigen Verhaltensphänomenen wie „Ghosting“, „Haunting“ oder „Benching“ leben müssen, hoffe ich doch lieber darauf, den „Traummann“ (sofern es diese Spezies überhaupt gibt) auf altmodische Art und Weise im Museum oder im Park zufällig kennenzulernen. Darum kann ich mit Dating-Apps auch nicht besonders viel anfangen. Meine Kollegen in der Redaktion sehen das anders und haben mich dazu überredet, die neue Dating-App Go Crush zu testen und darüber einen Artikel zu schreiben.

Aber wie funktioniert Go Crush eigentlich? Bei der Dating-App kommt es, anders als bei Tinder, Lovoo & Co., ohne viel Um-Den-Heißen-Brei-Herumgeschreibe direkt zu einem Treffen und das zu viert oder zu sechst. Mag jetzt wilder klingen, man trifft sich jedoch angezogen und in der Öffentlichkeit.

Nachdem die App runtergeladen ist, melde ich mich ganz easy über Facebook an. Jetzt lade ich noch ein nettes Selfie von mir hoch und wähle drei Eigenschaften, die mich am besten beschreiben und es kann losgehen. Auf der Startseite werden mir bevorstehende, noch offene Gruppentreffen angezeigt. Jedes Treffen hat einen Titel, der möglichst den Zweck des Dates beschreibt. Beim Stöbern finde ich auch eine Gruppe, die laut Titel nur für Paare bestimmt ist. Go Crush kann also nicht bloß als Portal für Singles genutzt werden, um einen potentiellen Partner für lockere und feste Angelegenheiten aufzureißen. Es kann auch als freundschaftliche Kennenlern-Plattform für Menschen mit weniger eindeutigen Interessen fungieren. Zudem habe ich die Möglichkeit, einzusehen, ob es schon Teilnehmer gibt. Und da ich natürlich neugierig bin, nutze ich auch die Option, mir die Profile der potentiellen Dating-Partner anzuschauen. Um an einem Treffen teilzunehmen, kann man sich selbst einfach in eines „reinklicken“ oder man bekommt eine Einladung geschickt. Entzückt stelle fest, dass ich sogar eingeladen wurde und zwar zu einem Sechser-Treffen an einem Freitagabend mit dem Titel „Entspannter Abend“ . Klingt gut, denke ich mir. Kurz die Dating-Partner ausgecheckt, auf Teilnahme geklickt und mein Date steht fest. Ob der Abend wirklich so entspannt ablaufen wird?

Gründer Lukas Reinhardt verkündete zur Markteinführung: „Menschen sollen sich endlich wieder in die Augen schauen, statt auf den Bildschirm.“ Zusammen mit Kai Burghardt und Joao Ferreira entwickelte er das Produkt. Go Crush unterschiede sich insofern von anderen Dating-Apps, dass ein einfacher Klick reicht, schon kommt es zum Date – quasi eine Art neue Verbindlichkeit, die die App bieten soll. Burghardt erklärt die Idee dahinter: „Online-Dialoge sind langwierig, wenig inspirierend und laufen oft ins Leere. Der Kontakt wird bereits bei kleinesten Irritationen abgebrochen. Singles rauben sich dadurch die Chance, von Humor, Charme oder Herzlichkeit des Gegenüber verzaubert zu werden.“ Seiner Meinung nach sollte das Internet nur eine kurze Durchgangstation sein, bevor sich Menschen in der Wirklichkeit kennenlernen. Einzigartig am Konzept ist der Gruppenaspekt: Es treffen sich immer vier oder sechs Leute. Dadurch entsteht eine entspannte, freundschaftliche Atmosphäre. Wer einmal ein Date verpasst, erhält eine gelbe Karte. Beim zweiten Mal in Folge wird der Nutzer für einen Monat blockiert. Klingt alles schon mal ganz vernünftig.

Bar-Hopping verbindet
Am Abend selbst bin ich schon etwas nervös. Einen Moment später erwische ich mich beim Austrinken meines zweiten Glases Rotwein. Jetzt ist aber Schluss. Auf geht’s zum Date! Das Restaurant, in dem man sich trifft, wird von der App zugewiesen. Ich lerne also nicht nur neue Leute, sondern auch ein mir bisher unbekanntes Restaurant kennen. Wir treffen uns im schönen Bahnhofsviertel im vietnamesischen Lokal Sen. Freudig wie eine Schneekönigin betrete ich den Gastraum, denn ich habe es pünktlich geschafft. Da sitzen auch schon zwei etwas verloren wirkende Menschen an einem Tisch und blicken mich fragend an. „Go Crush?“, frage ich ein wenig holperig. Die beiden bejahen und ich setze mich zu ihnen an den Tisch. Lisa und Benjamin (die Namen wurden geändert) wirken sympathisch, wir kommen schnell ins Gespräch. Von den anderen drei Dating-Partnern fehlt jede Spur, also bestellen wir schon mal etwas zu essen. Während die anderen beiden an ihrer Cola nippen, bin ich bei meinem dritten Glas Wein – Schuld daran ist selbstverständlich nur die Nervosität! Plötzlich kommt ganz unvermittelt der vierte im Bunde reingeschneit. Sven hat seine Bahn verpasst. Er entschuldigt sich für die Verspätung und nimmt Platz.

Nach dem Essen entscheiden wir, in eine Bar weiterzuziehen. Ich schlage die Kinly Bar vor. Auf halbem Wege nehme ich ein Knistern zwischen Lisa und Sven wahr. Bei Kinly’s angekommen reden wir über Serien, unsere Jobs und die ausgezeichneten, wenn aber ganz schön teuren Drinks in der Szene-Bar. Wir verstehen uns gut und da Freitagabend ist, beschließen wir anschließend noch in einen Pub zu gehen. Die letzte Station der Barhopping-Tour mit meinen drei neuen Bekanntschaften ist das O’Reillys, ein schummriger Pub gegenüber des Hauptbahnhofs.

Ein oder zwei Pints mit Cider später, beobachte ich Lisa, die, strahlend lächelnd Sven gegenüber sehr zugewandt scheint. Ich freue mich für die beiden und kann mich nun voll und ganz meinem Cider widmen. „Hier kann man ja auch Karaoke singen!“, flöte ich wankend. Also schnappe ich mir Benjamin und wir performen einen für unseren Pegel viel zu schwierigen Hip-Hop-Song. Die anderen beiden filmen das Ganze mit ihren Handys. Bevor sich unsere Wege trennen, gründen wir eine Whatsapp-Gruppe, um in Kontakt zu bleiben. Die große Liebe habe ich mit Go Crush nicht gefunden, aber drei nette Bekanntschaften geschlossen, aus denen vielleicht Freundschaften werden.

Go Crush steht in den App Stores von Google und Apple kostenfrei zum Download bereit.
 
20. Oktober 2017, 12.08 Uhr
Katrin Börsch
 
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