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Foto: Dirk Ostermeier
Foto: Dirk Ostermeier

ekn Footwear

Ein Samen für nachhaltige Sneaker

Chemiefreies Leder, eine Sohle aus Abfall und ein stylishes Design: Dass ein umweltfreundliches Produkt nicht direkt langweilig aussehen muss, beweist Noel Klein-Reesink. Mit seinem Label ekn Footwear kreiert er seit nunmehr zehn Jahren nachhaltige Schuhe in Frankfurt.
Was macht einen guten Schuh aus? Was ist wichtig, was unwichtig? Wie viel Stabilität und Flexibilität benötigt ein Schuh? Diese Fragen stellte sich Noel Klein-Reesink als junger Erwachsener. Als leidenschaftlicher Skater bekam er von weltbekannten Marken Schuhe gesponsert. Statt sie an den Füßen zu tragen, schnitt er seine Schuhe auf, um sie genauer unter die Lupe zu nehmen. Inzwischen verkauft der heute 44-Jährige seine eigenen Sneaker unter dem Namen ekn Footwear in einem Geschäft unweit der Europäischen Zentralbank. Dabei setzt der Wahlfrankfurter auf eine nachhaltige Produktion.

Inspiriert wurde der Gründer während seines Auslandsjahrs nach dem Abitur, das er in New York ursprünglich zum Skaten verbrachte. Klein-Reesink arbeitete in einem Bio-Café in Brooklyn und lernte Nachhaltigkeit aus einem völlig neuen Blickwinkel kennen: „Ich habe gemerkt, dass die US-Amerikaner das Thema irgendwie anders behandeln, als ich das aus Deutschland kenne. Nämlich viel Lifestyle-bezogener, mit viel weniger Schwere und ohne diesen deutschen Altruismus. Das hat mich beeindruckt“, erklärt er. Zurück in Deutschland entschied sich der Münsteraner, Kommunikationswissenschaft zu studieren. Parallel erweiterte er seine Expertise bei einem Hersteller von Running-Schuhen und lernte beim deutschen Naturtextilienversandhaus Hess Natur, dass auch mit einer ökologischen Herangehensweise Geldverdienen möglich ist. 2013 gründete er schließlich ekn Footwear. Seitdem verkauft er seine nachhaltigen Schuhe nicht nur in seinem Geschäft im Ostend, sondern auch auf dem internationalen Markt.

Vom Schnürsenkel über den Schuhkarton bis zum Ledergerber: Für die Produktion setzt der Unternehmer auf kurze Wege und lässt ausschließlich in Portugal herstellen. „In dem Radius von 50 Kilometern um die Produktionsstätte herum sind alle Lieferanten, die wir brauchen.“ Zwar wäre die Herstellung von einzelnen Bestandteilen in asiatischen Ländern wie beispielsweise Vietnam deutlich günstiger, aber um den CO2-Abdruck gering zu halten, will das Unternehmen so viel wie möglich an einem Ort machen. „Halbfertige Schuhe einmal um den Globus zu schicken, nur damit irgendwelche Produktionsschritte günstiger sind, ist für uns keine Option“, begründet der Inhaber.

Auch den Namen hat Klein-Reesink nicht dem Zufall überlassen. „Ich fand die Metapher des Samens toll“, sagt er. „Im Prinzip ist die Idee meiner eigenen Marke wie ein Samen: Wenn ich ihn ordentlich einpflanze und pflege, bekomme ich ein junges Pflänzchen. Wenn ich das gut über mehrere Jahre mache, kriege ich irgendwann einen starken Baum, der gut verankert ist, der vielleicht sogar Früchte trägt.” Über eine Onlinerecherche ist der Gründer dann auf das altosmanische Wort „Ekin“ gekommen, was „Samen“ und „Saatgut“ bedeutet. Da „Ekin“ rückwärts gelesen genauso wie ein anderer Sneakerhersteller heißt, entschied sich der Geschäftsführer mit einer Designerin dazu, auf das „i“ zu verzichten. So entstand „ekn Footwear“.

Leder ist laut Klein-Reesink ganz klar die „Hauptzutat” von ekn Footwear. Egal, ob für Sneaker, Boots oder Sandalen: Die tierische Haut ist für den Unternehmer ein unschlagbares Material, denn es ist atmungsaktiv und langlebig. Für die Verarbeitung, also das Gerben, kommen in der Regel Chromsalze zum Einsatz. Das sind Schwermetalle. „Das hat den Vorteil, dass es günstig ist und schnell geht. Es hat den Nachteil, dass es die
Umwelt versaut”, erklärt der 44-Jährige. Die Chromgerbung geschieht dabei meist in asiatischen Ländern wie China, Indien und auch der Türkei, sodass das Wasser ungeklärt in die Flüsse gelangt und so kein Lebewesen überlebt. Bei ekn Footwear hingegen wird laut dem Geschäftsführer wie vor 300 Jahren, also mit natürlichen Bestandteilen und ganz ohne Chrom, gegerbt. „Das Gerbwasser aus unserer Gerberei hat Trinkwasserqualität“, sagt der Gründer. „Zwar ist das Leder so viel teurer im Einkauf für uns, aber dafür auch atmungsaktiver, viel natürlicher, und man hat keine Giftstoffe am Fuß.“





Aber auch vegane Schuhe finden im Sortiment ihren Platz. Diese werden aus recycelten PET-Fasern, also einer komplett wiedergewonnenen Quelle, hergestellt. „Die vegane Linie machen wir, weil wir das Thema grundsätzlich pushen wollen“, begründet der Unternehmer. Für die Herstellung wird der Kunststoff eingeschmolzen und anschließend als Faden zu einer textilen Fläche gewebt. So entsteht beispielsweise ein Wildlederimitat, das dem tierischen Original erstaunlich nahekommt. „Mit recycelten Materialien zu arbeiten ist allerdings auch nur eine Momentaufnahme“, sagt Klein-Reesink. „Wir wollen in Zukunft eigentlich auf ein veganes Bio-Material gehen, das komplett kompostierbar ist.“

Für die Sohle kommen zwei Varianten zum Einsatz: Zum einen verwendet die Marke das Material Krepp. Gewonnen wird Krepp aus dem Saft von Kautschukbäumen und ist damit ein reines Naturprodukt. Zum anderen werden Abfallprodukte aus der Sohlenindustrie wiederverwertet. Das heißt, dass bei der Herstellung von Sohlen Reste übrig bleiben, welche abgeschnitten, geschreddert und später weiterverarbeitet werden. „So entsteht ein sortenreines Material mit derselben Qualität wie Neuware“, erklärt der Gründer.

Durch seinen Job bei Hess Natur wurde der 44-Jährige in Frankfurt sesshaft und entdeckte damals bei einem Spaziergang das heruntergekommene Geschäft am Danziger Platz. „Ich habe den leerstehenden Laden gesehen und hatte das Gefühl: Das ist ein Juwel, das man nutzen muss.“ So hat es sich der Marketingexperte zur Aufgabe gemacht, den Laden mithilfe eines Architekten auf Vordermann zu bringen. Viele bunte Schuhe stehen auf non-toxischen Platten, die mit weißer Farbe auf reiner Wasserbasis lackiert sind. Der Boden ist unbehandelt, die Regale secondhand. Beim ganzen Konzept versucht die Firma „so tief zu gehen, wie es nur geht“, so der Gründer. Deshalb wird unter anderem auch das emittierte CO2 bei Lieferungen und Retouren von ekn Footwear kompensiert.

Die familiäre Atmosphäre ist für den Inhaber ein wichtiger Bestandteil seiner Philosophie. Und auch was seine Kundschaft angeht, setzt er auf eine persönlichere Ebene. „Die Leute, die zu uns kommen, haben sich davor mit unserer Marke beschäftigt und kommen gezielt, um uns kennenzulernen“, erklärt Klein-Reesink. „Es gibt nur vereinzelt Leute, die sich zu uns verirren, weil sie eigentlich zum Globetrotter wollten.“ Trotzdem ist den Sneaker-Fans kein Weg zu weit, und so kamen bereits Kundinnen und Kunden aus Amsterdam oder sogar Kopenhagen im kleinen Laden im Ostend zu Besuch.

Sneaker trifft Hip-Hop

Aktuell kooperiert ekn mit dem Mainzer Hip-Hop-Label Sichtexot. Entstanden ist ein T-Shirt mit dem Kollab-Print „WALK THE TALK“ – eine Anlehnung an das Zitat „If you can't walk the walk, don't talk the talk“ von Pete Rock. „Seinen Worten Taten folgen lassen“, erklärt Klein-Reesink und ergänzt: „Sichtexot verfolge ich bereits fast seit ihrer Gründung. Die Beats laufen bei uns im Office schon seit Jahren rauf und runter. Nach den ersten Gesprächen mit Sichtexot war klar, dass wir auch inhaltlich ähnlich ticken.“ Das Shirt ist etwa im Onlineshop von ekn erhältlich.



 
23. Januar 2023, 11.54 Uhr
Viviane Schmidt
 
 
Fotogalerie:
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Text: sfk / Foto: AdobeStock/Marina Lohrbach
 
 
 
 
 
 
 
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