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Kultur
 

Oper Frankfurt

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Der nächste Vorhang

Foto: Barbara Aumueller
Foto: Barbara Aumueller
Seit dem 7. Mai dürfen Opernhäuser wieder öffnen. Doch die Oper Frankfurt hält im Gegensatz zu anderen Häusern an der Absage ihrer Spielzeit fest. Intendant Bernd Loebe hat dafür eine Erklärung.
Als eines der ersten Opernhäuser in Hessen war das Hessische Staatstheater in Wiesbaden vorgeprescht. Gerade erst hatte Ministerpräsident Volker Bouffier (CDU) die von der Landesregierung beschlossenen Lockerungen der bis dahin geltenden Beschränkungen verkündet, da kam vom Staatstheater bereits die Mitteilung, einen „pandemietauglichen Ersatzspielplan“ aufgestellt zu haben. Dieser speiste sich im Wesentlichen aus dem Programm der abgesagten Internationalen Maifestspiele. Geplant waren unter anderem musikalische Abende, Ausschnitte aus den Opern „Tristan und Isolde“ und „Carmen“ sowie – man höre und staune – die Premiere der Ballett-Produktion „Startbahn 2020“ am 5. und 6. Juni im Kleinen Haus. Der Betrieb wurde unter entsprechende Hygiene- und Schutzmaßnahmen gestellt, ins Kleine Haus durften gerade einmal 60 Zuschauerinnen und Zuschauer, die zudem Namen und Adressen hinterlassen mussten. Außerdem wurden ihnen maximal weit voneinander entfernte Sitzplätze im Parkett zugewiesen. Foyer und Garderoben blieben geschlossen.

Darmstadt und Mainz folgten dem Tenor. Nur in Frankfurt wurde die Lage anders bewertet. „Aktuell ist kein sorgloser Ablauf in den Häusern möglich. Die aktuelle Spielzeit ist beendet worden. Die Sicherheitsmaßnahmen erlauben auch den vollen Spielbetrieb in dieser Spielzeit nicht“, formulierte Kulturdezernentin Ina Hartwig (SPD) einen Tag nach den Lockerungen. Der Hessische Rundfunk (hr) sagte sämtliche Eigenveranstaltungen seines Sinfonieorchesters ab und erklärte die Konzertsaison für beendet. Die weiterhin geltenden Abstandsregeln einzuhalten, sei „bei unseren Konzerten mit mehreren hundert bis über 2000 Menschen nicht umsetzbar“, begründete hr-Musikchef Michael Traub die Entscheidung. Damit demonstrierte der hr zugleich den Schulterschluss mit der Oper Frankfurt. Denn deren Intendant Bernd Loebe sieht derzeit ebenfalls keine Möglichkeit, szenische Vorstellungen zu realisieren. Bestenfalls Liederabende oder kleine konzertante Aufführungen seien denkbar, sagte er – und dürfte dabei das kulturpolitische Beziehungsge echt innerhalb der Stadt im Blick gehabt haben.

Stattdessen schaut Loebe bereits auf die kommende Saison, die das Haus am Willy- Brandt-Platz am 3. September mit der Frankfurter Erstaufführung von György Ligetis „Le Grand Macabre“ unter Sebastian Weigle eröffnen will. „Wir gehen davon aus, dass die Spielzeit so stattfindet, wie wir sie geplant haben“, sagte Loebe bei der Vorstellung des Spielplans. „Nach derzeitigem Stand könnten wir 15 Musiker in den Orchestergraben lassen. Wir dürfen 20 Chorsänger auf die Bühne lassen. Selbst mit diesen Prämissen glauben wir, in der Lage sein zu können, einen September-Spielplan ohne große Veränderungen hinzukriegen.“ Geplant sind in der Saison 2020/21 erneut mehr als 500 Veranstaltungen, davon 189 reine Musiktheatervorstellungen. Auf dem Programm stehen elf Premieren mit insgesamt 101 Aufführungen, 15 Wiederaufnahmen mit 88 Vorstellungen sowie acht Liederabende im Großen Haus.

Bekannter Mix

Dabei setzt die Oper Frankfurt erneut auf einen Mix aus Kassenschlagern und eher unbekannten Werken. Geplant sind unter anderem Neuinszenierungen „Don Pas- quale“ von Gaetano Donizetti, „Aida“ von Giuseppe Verdi, „Orlando“ von Georg Friedrich Händel und „Boris Godunow“ von Modest Mussorgski. Zu den seltenen Perlen zählen „Fedora“ von Umberto Giordano, „Dialogues des Carmélites“ von Françis Poulenc oder auch „Der Traumgörge“ von Alexander Zemlinsky. Bei den Wiederaufnahmen darf man sich auf den „Siegfried“ von Richard Wagner in der fast legendären Inszenierung von Vera Nemi- rova, den von David Bösch realisierten „Fliegenden Holländer“ und vor allem auf Richard Strauss’ „Salome“ freuen, die kurz vor der Corona-Krise Premiere hatte und bislang nur dreimal gegeben wurde.

Die Frage, woher die unterschiedlichen (politischen) Bewertungen der Situation stammen mögen, kann hingegen nur vage beantwortet werden. Denn möglicherweise spielen neben politischen auch nanzielle Aspekte eine nicht ganz unwesentliche Rolle: „Für Frankfurt ist es so, dass wir gar nicht das Gefühl hatten, da existieren die ganz großen Probleme“, räumt Loebe in gewohnt diplomatischer Manier auch unumwunden ein – wenngleich sein Haus bislang durch die Corona-Krise Einnahmeverluste von rund 3,5 Millionen Euro verzeichnen musste. Vor diesem Hintergrund erscheint es fast schon prophetisch, dass die Oper Frankfurt zur kommenden Saison die Kartenpreise um durchschnittlich zehn Prozent angehoben hat. „Die moderate Erhöhung wurde nicht in Hinsicht auf die hohen Einnahmeverluste geplant, die in diesen Tagen zu beklagen sind; dafür waren wir mit diesem Thema viel zu früh befasst. Die zusätzlichen Einnahmen werden uns aber ganz sicher dabei helfen, die Folgen von Corona für die aktuelle wie auch die kommende Spielzeit abzumildern.“
 
7. Juli 2020, 13.58 Uhr
Christian Rupp
 
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