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Luminale 2020

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Leuchtende Idee

Foto: Dirk Ostermeier
Foto: Dirk Ostermeier
Im März findet wieder die Luminale statt. Bereits jetzt entsteht in einer Zusammenarbeit des Designers Kai Linke und der Frankfurter Werkgemeinschaft e.V. (FWG) das „Luminale Objekt 2020“.
Was auf den ersten Blick aussieht wie ein Mundschutz, ist in Wirklichkeit das „Luminale Objekt 2020“. Die kleine Leuchte ist ein Projekt der Frankfurter Werkgemeinschaft e.V. (FWG), gestaltet vom Frankfurter Designer Kai Linke und initiiert von der Luminale. Linke hat 2009 sein eigenes Studio in Frankfurt gegründet. Dort entwickelt er Leuchten und Möbel für internationale Hersteller, Objekte für den öffentlichen Raum sowie Ausstellungen und Interieurs. Die kleine Leuchte ist bisher nur ein Prototyp. Denn das Objekt, das auf der Luminale, die vom 12. bis 15. März 2020 stattfindet, verkauft werden soll, sucht heute noch einen Sponsor. Die Luminale, die seit 2002 alle zwei Jahre in Frankfurt und Offenbach stattfindet, war ursprünglich von der Messe Frankfurt als Begleitveranstaltung zur Light + Building gegründet worden, der weltweit größten Messe für Licht und Gebäudetechnik. Heute ist sie mit rund 250 000 Besucherinnen und Besuchern und 150 Projekten eine der größten kulturellen Veranstaltungen in Frankfurt und der Region. „Die Idee der Luminale war es, Menschen mit Beeinträchtigung zu integrieren“, erzählt Linke, der bereits für Fir- men wie SAP und Manufactum, aber auch für das Deutsche Design Museum und den Palmengarten gearbeitet hat. Deshalb soll die Lampe in den Werkstätten der FWG hergestellt werden. Die FWG ist ein freier gemeinnütziger Verein, der seit 1967 psychisch erkrankten und behinderten Menschen vielfältige Hilfen zur Lebensgestaltung bietet.

Inzwischen arbeiten rund 180 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter an 14 Standorten in Frankfurt, von denen die Werkstätten für Menschen mit Behinderung zwei ausmachen. Die Werkstätten bieten als Einrichtung der beruflichen Rehabilitation und der sozialen Eingliederung von Erwachsenen rund 220 Menschen einen Arbeitsplatz. Die Aufgabenfelder sind breit gefächert: Von Konfektionierung und Verpackung über Töpferei bis hin zu EDV-Dienstleistung und Digitallaserdruck. Die Werkstatt, die an dem Luminale-Objekt mitarbeitet, hat ihren Sitz in der Cassellastraße. Dort ist Linke bereits zwei Mal gewesen und hat sich die Arbeitsabläufe vor Ort angesehen. Für den Designer ist es nicht die erste Zusammenarbeit mit einer Werkstatt für Menschen mit Behinderung. Bereits eines seiner bekanntesten Produkte, die Cosmo-Leuchte aus Spiegelfolie, ist in Kooperation mit einer Werkstatt für behinderte Menschen im Main-Kinzig-Kreis entstanden. „Die Zusammenarbeit war absolut positiv“, erinnert sich Linke. „Die Menschen waren extrem hilfsbereit, menschlich und zielorientiert. Wir haben zusammen nach Lösungen gesucht, wie sich meine Idee umsetzen lässt.“ Für ihn sei es besonders schön zu sehen, wie sehr es den Menschen Spaß macht, etwas zu gestalten, das hinterher im Fokus steht. „Die Menschen sind sehr stolz auf das Produkt, das sie hergestellt haben. Mit dem Licht sollen sie sichtbar werden“, findet er.

Für die Leuchte hat Kai Linke Tyvek verwendet – das Material, aus dem Schutzanzüge bestehen. Damit gehen viele Vorteile einher: Sie ist leicht, einfach zu verpacken und wetterfest. Das Licht der handlichen Lampe stammt aus einer eingebauten LED-Leuchte; man kann es dimmen, zusätzlich gibt es eine Art „Alarmmodus“, bei dem rotes Licht flackert. Natürlich könne die Lampe keinen kompletten Raum erhellen, sagt Linke. Stattdessen soll sie für Ambiente- und Begleitlicht sorgen.

Kai Linke, der Produktgestaltung an der Hochschule für Gestaltung in Offenbach studiert hat, und dessen Entwürfe in zahlreichen Ausstellungen und Sammlungen zu finden sind, wurde bereits vielfach mit Preisen ausgezeichnet. Auf die Frage, ob ihm die Kreativität in die Wiege gelegt worden sei, antwortet er: „Ich wurde gelenkt von meinem eigenen Tun.“ Holz, Glas und Keramik faszinieren ihn besonders. „In meinen Arbeiten setze ich gesellschaftliche Prozesse um“, sagt Linke, der Stipendiat der Akademie Schloss Solitude in Stuttgart und am Goethe Institut Villa Kamogawa in Kyoto/Japan war. Während eines dreimonatigen Japan-Aufenthalts im vergangenen Jahr hat er sich intensiv mit traditionellen Materialien und Fertigungstechniken auseinandergesetzt und sich spezialisierte Handwerksbetriebe in Kyoto und Umgebung angesehen. Daraus entstanden ist das Buch „Kai Linke in Japan“: eine Art visuelles Reisetagebuch, in dem er seine Eindrücke zu Land, Leuten und Design festgehalten hat. „Japanisches Design ist zu Zeiten der Globalisierung noch sehr einzigartig“, erklärt Linke seine Faszination für das Land der aufgehenden Sonne.

Mit seinem Faible für experimentelle Formen, Materialen und Herstellungsweisen erfindet sich der Designer immer wieder neu. Was seine Arbeit auszeichnet, ist Vielseitigkeit. Der 39-Jährige designt bei weitem nicht nur Lampen: Zu seinem Portfolio gehören ebenso Kinderbesteck, Stühle, Keramik-Brotboxen und Ofenkacheln. Einmal war Linke, der auch gerne auftragsbezogen für Unternehmen und Privatpersonen arbeitet, an einem Punkt angelangt, an dem er keine Lust mehr auf Computerarbeit hatte. „Da nahm ich mir vor, jeden Tag etwas mit der Hand zu gestalten.“ Dabei herausgekommen ist seine „Clique“, zu der ein Reh, ein Rhino, ein Schwan und eine Giraffe zählen, später kam ein Gorilla hinzu. Produziert wird die aus Bronze bestehende Clique von der Firma Pulpo. Auch im vegetarischen Sterne-Restaurant Seven Swans und im Designhotel Lindenberg sind Arbeiten Linkes zu sehen: Dort zeichnet der Designer verantwortlich für Holzvertäfelungen aus Fichte. Und auch in Offenbach konnte er sich im öffentlichen Raum verewigen: die Alois-Senefelder-Skulptur geht auf Linkes Entwurf zurück. Bei der Frage, was er gerne in Zukunft einmal gestalten würde, muss Linke, der nebenher seit fünf Jahren an der Kunsthochschule Kassel lehrt, nicht lange überlegen: einen Brunnen. Denn: „Brunnen prägen das Stadtbild, sie sind eine Bereicherung für den öffentlichen Raum.“

Doch jetzt arbeitet er erst einmal an der kleinen Lampe, die noch keinen Namen hat. Sie soll das erste Produkt werden, das Besuchende auf der Luminale erwerben können. Durch ein kleines Loch am oberen Rand lässt sich eine Schnur ziehen, sodass man sich die Leuchte um den Hals hängen kann. Denn das ist das Ziel: Die Menschen sollen sie durch die Stadt tragen und herzeigen. Dabei soll die Leuchte explizit kein Wegwerfprodukt werden. „Entstehen soll ein wertiges Produkt, das die Menschen auch nach der Veranstaltung mit nach Hause nehmen und weiter nutzen“, sagt Linke. Zwischen zehn und 15 Euro soll sie einmal kosten. Ob das Projekt wirklich realisiert werde, wisse er nicht. „Aber ich hoffe es“, sagt der Designer lächelnd. „Das Projekt liegt mir besonders am Herzen.“ Allerdings müsste es bald richtig losgehen. Denn bis zur Luminale im März dieses Jahres ist nicht mehr viel Zeit, dafür aber noch allerhand zu tun.
 
2. Januar 2020, 12.42 Uhr
Helen Schindler
 
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