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Foto: Detlef Kinsler
Foto: Detlef Kinsler

„Danke schön und bis bald!“

Jim McNeely verlässt die hr-Bigband

Vom Main nach Maine – Jim McNeely hat für die hr-Bigband mit „Inner Visions“ eine weitere Suite zum Abschied maßgeschneidert. Er verlässt die Band und seine Wahlheimat Frankfurt nach sechzehn Jahren.
Eine Ära geht zu Ende. Jim McNeely zieht es zurück in seine Heimat. Nach sechzehn Jahren, zunächst als Artist in Residence, dann als Chefdirigent und zuletzt als Composer in Residence, verlässt der 75-Jährige die hr-Bigband und geht zurück vom Main nach Maine. Als er 2008 seinen ersten Vertrag in Frankfurt unterschrieb, hatte er schon für das Danish Radio Jazz Orchestra, die WDR Big Band in Köln und das Stockholm Jazz Orchestra geschrieben und arrangiert. Als Pianist von Thad Jones & Mel Lewis oder Stan Getz war er vorher schon hier auf Tournee gewesen.

„Ich kannte Europa also, vor allem den Norden“, erzählt er. Trotzdem war es ein Abenteuer in Frankfurt anzuheuern. Denn Bands wie die hr-Bigband gibt es in den USA mit Ausnahme von Jazz at Lincoln Center nicht. „Auch das sind Vollzeit-Angestellte.“ McNeely war „beeindruckt von der Tatsache, dass die Band in der Struktur eines Rundfunksenders existierte“. Die Vorteile wurden ihm schnell bewusst. „Die Musiker konnten sich darauf fokussieren, die Musik zu spielen und ich darauf, Musik zu schreiben, zu proben und die Band zu leiten.“ Um alles Organisatorische kümmerte sich das Bigband-Management. Das hielt den Rücken frei.

McNeely: „Wenn ich Arrangements schrieb, sah ich quasi ihre Gesichter auf den Notenblättern“

Auch die feste Besetzung der Band spielte McNeely in die Karten. Je besser er die Mitglieder kennenlernte, desto mehr konnte er ganz spezifisch für die einzelnen Instrumentalisten schreiben. „Wenn ich Arrangements schrieb, sah ich quasi ihre Gesichter auf den Notenblättern.“ Und er hatte dabei genau im Ohr, wo die besonderen Stärken der einzelnen Musiker lagen und konnte so darauf eingehen. So entstand eine ganz besondere Chemie, die nicht zuletzt in den Aufnahmen der Suite „Barefoot Dances And Other Visions” ihren Ausdruck fand. Das Album erhielt eine Grammy-Nominierung. Was ihm auch immer wichtig war, war der Austausch mit seinen Musikern. „Ich wollte nie der General sein, der erwartet, dass ihm seine Soldaten gehorchten“, betont er. „Alle Bandmitglieder haben bestimmte Meinungen über Musik und eigene Ideen, und man muss sie diese Dinge sagen lassen. So habe ich eine Menge gelernt, gerade über Bläser.“

McNeely: „Bei der hr-Bigband war es eher immer die Frage, was spielen sie diesmal?“

Was McNeely zudem faszinierte, war die Bandbreite dessen, was die hr-Bigband musikalisch auf die Bühnen bringen konnte. „Bei Count Basie oder dem Duke Ellington Orchestra wussten die Leute immer, was sie zu erwarten hatten. Bei der hr-Bigband war es eher immer die Frage, was spielen sie diesmal?“, erinnert McNeely als ein Beispiel
an die Zusammenarbeit mit mongolischen Musikern. Aber auch Musik, die hier entstanden ist, wurde ihm näher gebracht. Albert Mangelsdorff war ihm schon zu Studienzeiten ein Begriff. Volker Kriegel kannte er noch nicht, als hr-Bigband-Manager Olaf Stötzler vor sechs Jahren mit dem Projekt einer Hommage an den Gitarristen zu dessen 75. Geburtstag an ihn herantrat. McNeely hörte sich hinein und entdeckte „großartige Musik“.

McNeely: „My main message to Frankfurt is: Danke schön und bis bald!“

Apropos Frankfurt. Blieb McNeely bei den intensiven Arbeitsphasen bei seinen regelmäßigen Frankfurt-Aufenthalten denn auch Zeit, die Stadt ein wenig zu erkunden? „Vor allem das Gebiet rund um mein Hotel“, sagt er und lacht. „Den Zoo, die Berger Straße, auch Bornheim. Ich war im Palmengarten, mehrmals an Dom und Römer und am Museumsufer. Das habe ich sehr genossen an den freien Wochenenden.“ Auch das wird ihm neben der Band und ihrem gesamten Umfeld fehlen. „Sie sind alle Freunde geworden.“

Aber jetzt freut er sich erst einmal auf Zuhause. „Ich werde sieben, acht Monate daheim bleiben, mehr Zeit mit meiner Frau verbringen. Wir leben an der Küste, ich werde es genießen, auf den Ozean hinauszuschauen.“ Was die hr-Bigband betrifft, so betont er, dass es nur ein Ende der vertraglichen Partnerschaft sei. „Sag niemals nie. Wir werden die Tür nicht endgültig schließen. Was sich ändert ist, dass ich nicht mehr persönlich bei der Band sein muss“, ist er des ständigen Fliegens müde geworden. „Ich kann ja weiter für sie schreiben.“ Gibt es noch eine Botschaft? „My main message to Frankfurt is: Danke schön und bis bald!“

Info
hr-Bigband, Inner Visions, Ffm, hr-Sendesaal, 13.6., 20 Uhr, Eintritt: 24 €
 
7. Juni 2024, 09.49 Uhr
Detlef Kinsler
 
Detlef Kinsler
Weil sein Hobby schon früh zum Beruf wurde, ist Fotografieren eine weitere Leidenschaft des Journal-Frankfurt-Musikredakteurs, der außerdem regelmäßig über Frauenfußball schreibt. – Mehr von Detlef Kinsler >>
 
 
Fotogalerie:
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