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Foto: Esther Bangert
Foto: Esther Bangert

Hits für Kids

Einfach nur Spaß bringen

Das Hamburger Indie-Label Tapete Records, bekannt durch CDs von Fehlfarben, Lloyd Cole und Robert Forster, hat mit „Hits für Kids“ überraschend ganz neue Kinderlieder produziert – mit tatkräftiger Unterstützung aus Wiesbaden und Taunusstein.
Volker Rosin, Detlev Jöcker, Rolf Zuckowski und Frederik Vahle sind die Klassiker unter den deutschen Kinderliedermachern. Lange gab es kaum einen Haushalt, in dem nicht wenigstens eine Platte von einem der Musiker zu finden war. Die Herren sind längst in die Jahre gekommen, zwischen 64 und 78 Jahre alt. Treffen sie noch den Geschmack der Kinder heute, können sie Vorbild für neue Produktionen sein oder muss man sich mit zeitgemäßeren Produktionen davon absetzen? „Ehrlich gesagt hatten wie sie gar nicht auf dem Radar“, erzählt Gunther Buskies. „Kinder hören heutzutage andere Musik, weil sie mitbekommen, was ihre Eltern mögen. Wir kriegen immer wieder auch Post von Kindern, die total auf die Musik unserer Künstler abfahren, zu deren Konzerten mitkommen und unfassbar textsicher die Songs mitsingen. Warum dann also nicht den eigentlich kleinen Schritt gehen und mal ganze Alben für die kleineren Menschen mit gutem Musikgeschmack machen?“

2002 gründete Buskies mit dem Musiker Dirk Darmstaedter, der im vergangenen Jahr wieder mit seiner alten Band The Jeremy Days („Brand New Toy“) auf Tournee ging, das erfolgreiche Independent-Label Tapete Records. Neben deutschen Künstlern wie Niels Frevert oder Fehlfarben veröffentlich(t)en darauf auch internationale Acts wie der Brite Lloyd Cole, der Schwede Christian Kjellvander und der Australier Robert Forster. 2017 konnten die Hamburger 15. Geburtstag feiern. Die Online-Plattform www.plattentests.de gratulierte dem „hundertprozentig selbstständigen, geschmackssicheren und auch fairen Label“. Plötzlich entdeckt man auf der Tapete-Webseite zwischen Deutsch-Pop, Singer/Songwriter-Musik und Sophisticated Rock zwei CDs mit dem Titel „Keks und Kumpels: Hits für Kids“. Eine echte Überraschung, doch der Plattenfirmenchef erklärt: „Die Idee dazu hatten wir schon lange. Seit gut zehn Jahren lagen andere Kinderlieder-CDs auf meinem Schreibtisch und erinnerten mich daran, dass wir endlich mal Musik für Kinder so aufnehmen wollten, wie sie uns auch gefallen würde.“ Die sollte mit echten Instrumenten und mit viel Liebe zum Detail eingespielt werden. „Nicht zu überkandidelt, sondern ganz normal und natürlich eingesungen“, ergänzt Buskies. „Klar sollten das immer noch Kinderlieder mit eingängigen Melodien und kindgerechten Texten bleiben, aber so produziert, wie wir auch ein Album von einer unserer Bands angehen würden.“

Sich einfach mal zu überlegen, wie der Alltag eines Riesenfaultiers aussehen könnte, was passiert, wenn ein Dinosaurier im Garten sitzt oder warum der Bär so gerne Camembert mit Preiselbeeren isst würde mal ein ganz anderer Ausgangspunkt fürs Songschreiben sein. Natürlich sprach Bus-kies Künstler aus seinem Haus wie Henning von Hertel alias Herr D.K., Carsten Friedrichs von Die Liga der gewöhnlichen Gentlemen und NDW-Ikone Andreas Dorau („Fred vom Jupiter“) auf das Projekt an. Sie alle fanden es reizvoll, einmal ohne den Gedanken „wie könnten meine Fans das finden“ im Kopf frei von der Leber weg Lieder zu schreiben. „Da kamen total viele Ideen zusammen, alle hatten richtig Freude daran mal außerhalb des eigenen Künstler-Images so etwas mit zu entwickeln“, gibt Buskies zu Protokoll. „Und wir haben oft in unterschiedlicher Zusammensetzung gesprochen und rumgesponnen. Wie müsste die Serie heißen? Welche Themen sollten wir angehen? Wie könnte das Art-work aussehen? Wie sollen die Lieder klingen?“. So näherte sich das Team den „Hits für Kids“ an.

Seit Längerem übrigens pendelt Buskies, auch Produzent der „Hits ...“, zwischen Hamburg und seiner alten Heimatstadt Wiesbaden. Da wollte er sich auch wieder ein kreatives Umfeld aufbauen. Mit Frank Bangert traf er einen alten Freund wieder, mit dem er schon zu Schulzeiten viel Musik gemacht hatte. Mit seiner Hilfe konnten die „Hits für Kids“ erst richtig auf den Weg gebracht werden. „Frank ist seit vielen Jahren der musikalische Leiter des Jungen Staatsmusicals und stellt mit einer festen Gruppe an Mitmusikern Spielzeit für Spielzeit tolle Musical-Produktionen auf die Beine“, lässt uns Buskies wissen.

„Für seine Tochter hat er außerdem ein Kindermusical geschrieben, das die Grundschule in Taunusstein-Neuhof zum Schulabschluss aufgeführt hat. Bei dieser Aufführung haben ungefähr 20 bis 30 Kinder mitgewirkt und das war der Punkt, bei dem die Puzzlestücke bei mir zusammenfielen und ich habe beschlossen das Kinderlieder-Projekt endlich umzusetzen.“ Vier der jungen Schülerinnen, Lea Bangert, Marlene Martin, Ella Bangert und Josephine Hughes, zwischen 7 und 11 Jahren alt, sind als Sängerinnen dabei. Vierzig Lieder wurden eingespielt. „Ungefähr ein Drittel sind bekannte Lieder. Wenn man sich die Titelliste anguckt, dann wird sicher auffallen, dass das wichtigste Kriterium ist: die Lieder sollen Spaß bringen, nicht zu ,altbacken‘ sein oder die Erziehungsansätze des 19. Jahrhunderts transportieren“, positioniert Buskies die „Hits für Kids“. Leicht vorstellbar: „Die Affen rasen durch den Wald“ oder „Meine Oma fährt im Hühnerstall Motorrad“ funktionieren prima. „Dann bieten Kinderlieder aus anderen Sprachkreisen einen großen Pool an hierzulande bislang unentdeckten Perlen: ,Fünf Schneemänner‘, ,Auf unsrem Dach‘ oder ,Ich bin der Doktor Eisenbart‘ sind witzige Lieder, die wir übersetzt haben. Und schließlich haben wir natürlich auch etliche Songs neu geschrieben.“

Dieser Text ist zuerst in der Ausgabe 08/2020 des JOURNAL FRANKFURT erschienen.

>> Keks und Kumpels: Hits für Kids zum Lachen/Hits für Kids mit Tieren/Im Winter, Tapete Records/Universal Music
 
21. Dezember 2020, 13.25 Uhr
Detlef Kinsler
 
Detlef Kinsler
Weil sein Hobby schon früh zum Beruf wurde, ist Fotografieren eine weitere Leidenschaft des Journal-Frankfurt-Musikredakteurs, der außerdem regelmäßig über Frauenfußball schreibt. – Mehr von Detlef Kinsler >>
 
 
Fotogalerie:
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Text: Margaux Adam / Foto: AdobeStock/oksix
 
 
 
 
 
 
 
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