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Bahnhofsviertelmagazin
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Diskussion um Drogenproblematik im Bahnhofsviertel
 
Diskussion um Drogenproblematik im Bahnhofsviertel
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Ist der Frankfurter Weg das Ziel?
Foto: Ulrich Mattner
Foto: Ulrich Mattner
Mehr Tagesbetten für Cracksüchtige, zwei Sozialarbeiter im Bus, die nachts zum Ansprechpartner im Bahnhofsviertel werden sollen und eine Studie zum Crackkonsum – reichen die neuen Maßnahmen des Gesundheitsdezernats aus?
Als die Taunusanlage Ende der 1980er/ Anfang der 1990er vor Junkies und Dealern nur so wimmelte, zeigte letztlich der Frankfurter Weg neuartige Lösungen im Umgang mit Drogenkonsumenten auf, die weltweit Beachtung fanden. Doch die favorisierten Drogen haben sich geändert und mit ihnen das Verhalten der Konsumenten. Der Trend geht hin zu Crack. Das ist ein Stoff, dessen rauschhafte Wirkung nicht lange anhält, der Drang nach Nachschub macht die Drogenkonsumenten aggressiv und das kann Außenstehenden Angst machen. Erneut ist die Frankfurter Drogenszene wieder Stadtgespräch. Vor allem im zunehmend gentrifizierten Bahnhofsviertel, da fallen die oft bemitleidenswert aussehenden Gestalten auf, die beispielsweise nachmittags um vier Uhr in der Elbestraße buchstäblich in der Gosse liegen oder desolat durch die Straßen tapern. Die Straßen des Milieus werden durch den Zuzug von Bahnhofsviertelbewohnern weniger, aber der Drogenhandel und die Sucht der Abhängigen nimmt dadurch nicht ab. Nur das durch die Enge bedingte Gefühl der Eskalation wächst, bei den Anwohnern, bei Gewerbetreibenden und den Pendlern. Während das Ordnungsdezernat mit der Polizei versucht, mittels Razzien und Anwesenheit für Ordnung im Viertel zu sorgen, appelliert Polizeipräsident Gerhard Bereswill an die Stadtpolitik. Es gebe noch „viel Luft nach oben“, wenn es um das Engagement der Dezernate gehe.

Junkies helfen, Bevölkerung Ernst nehmen
Von den rund 4700 Drogensüchtigen, die in den Drogenhilfeeinrichtungen der Stadt auftauchen – darunter vier Druckräumen – konsumieren rund 45 Prozent Heroin, 32, Prozent Heroin und Crack und 21 Prozent nur Crack, so Regina Ernst vom Drogenreferat. „Es handelt sich dabei konkret um einzelne Menschen, die erkrankt sind, mit psychiatrischen Erkrankungen und sozialen Problemlagen, das ist wichtig zum Verständnis“, sagt Gesundheitsdezernent Stephan Majer (Grüne). Damit hat er Recht, aber es ist nur eine Seite der Medaille. Die andere ist, dass manche Straßenzüge zu No-Go-Areas werden könnten, weil Menschen Angst haben. „Das Thema Crack begleitet uns schon einige Jahre und wir mussten das Drogenhilfeprogramm anpassen. Das beginnt bei Therapien und bei Tagesruhebetten. Konsum- und Rauchräume sind Teil dessen, wofür die Stadt mit Unterstützung des Landes viele Millionen Euro im Jahr in die Hand nimmt“, sagt Majer.

Drob-inn ist keine Lösung
Gerade während der Nachtzeiten, wenn die Druckräume im Bahnhofsviertel zwischen 23 und 6 Uhr geschlossen seien, fühle sich die Polizei allein gelassen. Dabei gebe es beispielsweise das Eastend im Ostend, das durchgängig zur Verfügung stehe, zudem gebe es Übernachtungseinrichtungen im Ostpark. „Ich halte nichts von Verlagerungen der Hilfseinrichtungen aus dem Bahnhofsviertel“, stellt Majer fest. Der Drogenhandel und -konsum habe mit der Lage zu tun. „Wir werden immer eine Drogenszene und Drogenhilfseinrichtungen im Bahnhofsviertel haben“. Ob man nicht von Hamburg mit seinem Drob-Inns lernen könne, wird Majer öfter gefragt. Doch das Drob-Inn sei geografisch anders gelegen, etwa an Bahngleisen, so dass sich weniger Anwohner von den 100 bis 150 dort Versammelten gestört fühlen und es gebe weitere Gründe, am Vorbild Hamburg zu zweifeln.

Wenn Drogentote zählen
Im vergangenen Jahr sei die Zahl der Drogentoten von vorher 31 auf 25 in Frankfurt gesunken, in Berlin sei sie um neun gestiegen, in Hamburg habe es 75 Drogentote gegeben. Angesichts der Drogentoten sagt er, könne vielleicht Hamburg von Frankfurt lernen. Während man in Hamburg eher selbst aus Kokain Crack herstelle, werde in Frankfurt verstärkt mit fertigen Cracksteinen gehandelt, sagt Regina Ernst. „Es gibt keine einfachen Lösungen, aber es gibt Wege“, ist sie sich sicher. Man müsse neue Wege finden, die Konsumenten zu erreichen. Das wolle man mit einer drei Monate währenden Befragung der Drogenkranken erreichen, die ersten Ergebnisse sollen im September vorliegen. Mehr Tagesruhebetten – 17 statt bisher 12 – sollen darüber hinaus entschleunigen, gerade weil Crackkonsumenten einen gestörten Tages- und Nachtrhythmus hätten. Gabi Becker von der Integrativen Drogennothilfe kann noch verkünden, dass ab sofort an jedem Abend zwischen 23 und 6 Uhr ein Bus mit zwei Streetworkern unterwegs sei, um gezielt nach den Bedürfnissen der Klientel zu fragen, auch um auf die Übernachtungsmöglichkeiten hinzuweisen. Es seien jede Nacht rund 20 bis 40 Menschen auf der Straße. Davon, die Druckräume im Bahnhofsviertel nachts zu öffnen, hält Majer nichts. „das hätte einen Rattenschwanz an Konsequenzen zur Folge.“

1000 Straftaten an nur einer Ecke
Laut Polizeipräsident Bereswill gibt es in Frankfurt rund 5000 Drogensüchtige, davon seien täglich 200 bis 250 auf der Straße unterwegs und rund 40 Personen davon seien „schwierig“. Die Polizei kontrolliere am Tag 200 Personen im Bahnhofsviertel, täglich gebe es 20 Festnahmen wegen Rauschgiftstraßenhandels, nur ein Bruchteil davon lande dann auch in U-Haft, nur 10 Prozent der Festnahmen würden letztlich vor dem Richter enden. Bereswill fordert ausdrücklich eine Videoüberwachung der Ecke Taunus-/Elbestraße. „An dieser Kreuzung finden im Jahr mehr als 1000 Straftaten statt“, sagt Bereswill, der zur Verwunderung vermutlich einiger Anwohner auch sagt: „Das Bahnhofsviertel ist das polizeilich am besten versorgte Gebiet in Frankfurt. Nicht nur tagsüber, auch nachts, gibt es eine gute personelle Ausstattung im Bahnhofsviertel.“ Angeblich. Warum man dann die Ecke Taunus-/Elbestraße beispielsweise nicht mit einem Streifenwagen sichert, das könnte man sich angesichts dieser Äußerungen fragen...
4. Juli 2017
Nicole Brevoord
 
Nicole Brevoord
Jahrgang 1974, Publizistin, seit 2005 beim JOURNAL FRANKFURT als Redakteurin u.a. für Politik, Stadtentwicklung, Flughafen, Kultur, Leute und Shopping zuständig – Mehr von Nicole Brevoord >>
 
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Leser-Kommentare

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Oliver Hasenpflug am 5.7.2017, 11:28 Uhr:
Im zunehmend gentrifizierten Bahnhofsviertel stellt die (seit Jahren schrumpfende) Drogenszene ein zunehmendes Problem dar. Das ist der Kern dieses Artikels. Also sollte man doch alles erdenkliche tun, die Gentrifizierung zu stoppen. Die alteingesessenen Anwohner hätten sicherlich auch nichts gegen den Stopp von Luxussanierung und Verdrängung...
 
Ulrich Mattner am 4.7.2017, 14:48 Uhr:
Schöner Bericht! Die Druckräume wurden vor allem deshalb vor mehr als 20 Jahren eröffnet, um die Drogenkranken vor Infektionen durch den mehrfachen Nadelgebrauch untereinander zu schützen. Sie bekommen dort saubere Spritzen. Nachts macht man die Räume zu. Offenbar ist die Stadt der Meinung, dass nachts keine Infektionsgefahr besteht und Drogenkranke nachts keine Hilfe brauchen. Ob nachts tatsächlich mehr Drogenkranke ins Viertel kommen, wenn ein Druckraum geöffnet würde, kann die Stadt nur vermuten. Getestet hat sie es bisher nicht. Irgendwann müssen Junkies und Dealer ja auch ma schlafen. Wie die Stadt auf 20 bis 40 nächtlich auffällige Drogenkranke kommt, kann ich nicht nachvollziehen. Auffällig ist eigentlich keiner oder eben alle, weil sie sich nachts nicht anders wie im Tag verhalten. Es ist vor allem deren Elend, was mich traurig und wütend macht. An Wochenenden sind es nach meinen Beobachtungen deutlich mehr.
 
 
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