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Ausstellung im Institut für Stadtgeschichte
 

Ausstellung im Institut für Stadtgeschichte

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Das uns völlig unbekannte Bahnhofsviertel

Foto: Meyer-Wegelin/ Institut für Stadtgeschichte
Foto: Meyer-Wegelin/ Institut für Stadtgeschichte
Die Schau "Banker, Bordelle & Bohème" im Institut für Stadtgeschichte zeigt die wechselvolle Historie des Bahnhofsviertels, in dem einst der Galgen stand, ein Fesselballon aufstieg und Josephine Baker im Bananenrock auftrat.
Das Bahnhofsviertel fasziniert und schreckt ab zugleich. Vielleicht, weil es viel heterogener ist, als man zunächst glaubt. Es gibt unendlich viel mehr zu entdecken als die Klischees: Prostituierte und Drogenkranke. Richtig spannend wird das Viertel, wenn man es sich in seiner ganzen historischen Entwicklung anschaut.

Lange bevor der Hauptbahnhof errichtet wurde, baumelten am städtischen Galgen, der etwa in der Nähe des heutigen Bahnhofsvorplatzes gestanden haben muss, die zum Tode verurteilten Delinquenten. 1891 fand im Bahnhofsviertel die Internationale Elektrotechnische Ausstellung statt, mit Attraktionen, die mehr als eine Million Besucher anzogen. Ein Highlight war die Fahrt mit einem Fesselballon, der ebenso wie ein temporärer Aussichtsturm einen prima Blick auf Frankfurt bot. Es gab mal Zeiten, da hatten Prostittuierte keinen Zutritt zum Bahnhofsviertel, dem Vorzeigeviertel, in dem sich prachtvolle Hotels mit renommierten Namen wie das Savoy, das Carlton oder Bristol ansiedelten. Wer durch die wirklich abwechslungsreiche Ausstellung „Banker, Bordelle und Bohème“, die seit Dienstag im Institut für Stadtgeschichte im Karmeliterkloster gezeigt wird, streift, entdeckt ganz viel Neues.




Carlton-Hotel und 1905 eröffnetes Schumanntheater am Hauptbahnhof, Postkartenmotiv um 1910, Institut für Stadtgeschichte

Da wird man angesichts des 1905 eröffneten Schumanntheaters, gegenüber dem Hauptbahnhof, ganz wehmütig. In diesem seinerzeit vier Millionen Mark teuren Prachtbau wurde Frankfurtern wie Reisenden eine Mischung aus Varieté, Zirkus, Sport und Operette dargeboten. Es war Platz für 5000 Besucher und unterhalb des Theaters befanden sich Stallungen für 150 Pferde. Schauspielerin Henny Porten und die weltbekannten Clowns Charlie Rivel und Grock traten hier auf. 1961 wurde das Gebäude abgerissen. „Das wäre heute eine wundervolle Ausweichspielstätte für die Städtischen Bühnen gewesen“, bedauert Kulturdezernentin Ina Hartwig.

Die Ausstellung erzählt in 24 Stationen mit Bildern und Texten sowie Exponaten in Vitrinen und zwei Medienboxen ganz viele Geschichten rund ums Bahnhofsviertel. Man erfährt von dem kulturellen Reichtum und einem 1902 eröffneten Wachsfigurenkabinett, das einst mal ein Anziehungspunkt im Viertel war oder vom Imperial Varieté in der Moselstraße, in dem einst Josephine Baker und Marika Rökk die Beine schwangen sowie Zarah Leander und Roberto Blanco auftraten. Es werden Frankfurter Persönlichkeiten vorgestellt, die das Bahnhofsviertel mitprägten, etwa der Theatermacher Arthur Hellmer oder den Hotelier Hermann Laass, der tatsächlich seinen Kölner Hof bereits 1900 als „judenfreies Hotel“ bewarb, eine sehr frühzeitige traurige Entwicklung. Natürlich ist auch der Nationalsozialismus Thema der Ausstellung, der auch vor dem Bahnhofsviertel nicht Halt machte. Interessant ist auch, dass das Bahnhofsviertel seit jeher Immobilienspekulanten umgetrieben hat. So sehr heute Frankfurts zweitkleinster Stadtteil von der Gentrifizierung bedroht ist, so oft hat er sich in den vergangenen Jahrzehnten schon gewandelt. Das ehemals lebendige Pelzviertel ist ebenso Bestandteil der Schau wie die in den 70er-Jahren aufgelegten Puff- Führer durchs Rotlichtviertel „Der Strich“.

Die von Markus Häfner kuratierte Ausstellung verweist auch auf Traditionsgeschäfte, die einen gehören längst der Vergangenheit an und die anderen trotzen allen Widerständen. Ein, lange Zeit im Bahnhofsviertel ansässiges, Unternehmen ist das Musikhaus Hummel, heute besser bekannt als Cream Music. Eine in den 20er-Jahren gefertigte Zitter gehört zu den Exponaten in den Vitrinen der Schau, außerdem ist eine Quittung zu sehen, die belegt, dass Elvis Presley dort im Jahr 1958 eine Gitarre für 225 DM kaufte. Angeblich hat er dafür nicht mal sein Auto verlassen, er spielte die Gitarre in seinem Wagen Probe.




Nachtclubs und Bordelle in der Moselstraße, 1982. Foto: Adolf Ruppel

Für die leitende Direktorin des Instituts für Stadtgeschichte, Evelyn Brockhoff, ist die Ausstellung, die noch bis zum 7. April 2019 zu sehen ist, eine Zeitreise in die eigene Kindheit, sie wuchs dort auf. „Das ist bis heute ein Stück Heimat für mich. Für die einen ist das Bahnhofsviertel so schillernd, für die anderen ist es ein Sündenbabel“, so beschreibt sie das Spannungsfeld. Für Ina Hartwig ist diese Mischung aus Arm und Reich, das ganze Spektrum des Soziotops das große Faszinosum, wie man es in vielen Großstädten finde.

Mehr als ein halbes Jahr lang haben der Journalist Klaus Janke und Markus Häfner gemeinsam an dem mit Bildern gespickten Buch „Banker, Bordelle & Bohème. Die Geschichte des Frankfurter Bahnhofsviertels“ gearbeitet. Es gibt also die Möglichkeit, die Informationen aus der Ausstellung per Lektüre zu vertiefen. Außerdem werden Stadtteilführungen zum Thema bei den Frankfurter Stadtevents angeboten und es finden Vorträge mit Protagonisten aus dem Viertel und ein Erzählcafé statt.

„Banker, Bordelle & Bohème“, Institut für Stadtgeschichte, bis 7. April 2019, Karmeliterkloster, Münzgasse 9, Mo-Fr 10–18, Sa/So 11-18 Uhr, www.stadtgeschichte-frankfurt.de. Das passende, gleichnamige Buch dazu, „Banker, Bordelle & Bohème“ von Klaus Janke und Markus Hänfer, ist im Societäts Verlag erschienen (30 Euro).

Das Foto ganz oben zeigt den Blick durch die noch unbebaute Kaiserstraße in Richtung Hauptbahnhof, um 1890.
29. Mai 2018
Nicole Brevoord
 
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