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Goldene Waage in der Altstadt
 

Goldene Waage in der Altstadt

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Außen schon hui und innen immer noch karg

Foto: Uwe Dettmar
Foto: Uwe Dettmar
Direkt vor dem Hauptportal des Doms steht eine neue Sehenswürdigkeit in Frankfurt, die eigentliche eine alte ist. Immerhin ist es eine Rekonstruktion des Baus aus dem Jahr 1619. Im Sommer können wir dort Kaffee trinken. Theoretisch.
Schon jetzt bleiben die Touristen, die am Dom vorbeischlendern vor der Goldenen Waage stehen und fotografieren das aufwendig gestaltete Fachwerkhaus, das mit seinem verspielten Dekor im starken Kontrast zu dem eher puristisch bis klobigen Stadthaus in der Nachbarschaft steht. Die Rekonstruktion des 1619 von dem niederländischen Glaubensflüchtling, dem Zuckerbäcker und Gewürzhändler Abraham von Hameln und seiner Frau Anna van Lith errichteten Renaissancebaus stellt für den Frankfurter Architekten Jochem Jourdan eine besondere Herausforderung dar. Denn das bei einem Luftangriff 1944 zerstörte Gebäude wurde bestens dokumentiert, die prachtvollen dekorativen Elemente findet man in Fotografien und Aquarellen wieder, gleichzeitig muss das Gebäude auch beheizt und belüftet sein, um heutigen Ansprüchen zu genügen. Die Rekonstruktion erfordert viel handwerkliches Knowhow. Das bemalte Zierfachwerk mit vielen Schnitzereien, der gemeißelte rote Sandstein und auch die schmiedeeisernen Gitter an den Fenstern sind für sich genommen schon Kunstwerke. Da fügen sich drei Gitter und Sandsteinspolien aus dem Originalgebäude bündig ein. Doch so hübsch die Goldene Waage von außen anzusehen ist, so sehr fehlt es innen noch am Detailreichtum.

Die Sandsteinwendeltreppe ist schon da, eingepackt im Plastik, die Wände sind teilweise mit Pressspanplatten verhangen, im ersten Obergeschoss kann man Reetmatten an den Wänden sehen. „Dadurch hält der aufgebrachte Putz dann besser“, erklärt Michael Guntersdorf, Chef der DomRömer GmbH, die den Altstadtbau koordiniert und das Quartier vermarktet. „Wir sind mit dem Innenausbau im Verzug“, sagt Guntersdorf. Zumindest kann er Fotos zeigen von der opulenten Stuckdecke, die eigentlich bereits einen Raum im ersten Obergeschoss zieren sollte, die sich aber noch beim Stuckateur in Dresden befindet.




So wird die Stuckdecke aussehen, wenn sie in der Goldenen Waage hängt

Der Prunk der Räume wird den Besuchern bei der Fertigstellung bestimmt den Atem rauben, noch kann man davon nur wenig erahnen. „Im Erdgeschoss wird Birgit Zarges eine Confiserie mit Café eröffnen, das wird vermutlich im Sommer sein, der Rest ist vermutlich Ende 2018 fertig“, so Guntersdorf. Der Rest ist eine Dependance des Historischen Museums auf zwei Etagen in der Goldenen Waage, in Anlehnung an die museale Nutzung, wie sie 1928 bereits von der Stadt in dem Prachtbau eingerichtet wurde. „Die Besucher werden bei Führungen ein historisches Bürgerhaus möbliert mit Stühlen, Tischen und Schränken und einem historischen Schachspiel besichtigen können“, sagt Guntersdorf. Das Inventar sei eingelagert, darunter befände sich auch eine Ledertapete, die den Raum mit der Stuckdecke komplettieren soll. Nur gebe es wegen des Budgets noch einige Unklarheiten, offenbar hat, so lässt es Guntersdorf durchklingen, die Einrichtung der zwei Etagen nicht so recht Eingang in den Kulturetat gefunden. Die Kosten für die Goldene Waage beziffert Guntersdorf auf rund sieben Millionen und verweist darauf, dass es sich dabei um eine alte Berechnung halte.




Foto: Bernd Kammerer

Über den zwei musealen Etagen werden die Freunde Frankfurts einziehen, die dann vermutlich auch vom Belvederchen, dem kleinen Dachgarten aus, einen Blick auf die Altstadt von oben werfen können.
14. Dezember 2017
Nicole Brevoord
 
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