Cookies sind eine wichtige Ergänzung unserer Dienste. Mit der Nutzung unserer Dienste erklären Sie sich damit einverstanden, dass wir Cookies verwenden. OK Weitere Informationen
Facebook
|
Twitter
|
RSS
|
eMags Kontakt
|
Mediadaten
|
Impressum
Wohnen in Frankfurt
Startseite Alle NachrichtenWohnen in Frankfurt
Demo „Campus für alle, Stadt für alle“
 
Demo „Campus für alle, Stadt für alle“
0
Ein goldener Schlafsack für Frau Birkenfeld
Während im Römer über den Bebauungsplan für den Kulturcampus debattiert wurde, zog eine Demo von Bockenheim vor das Rathaus. Die Forderung: bezahlbarer Wohnraum – und ein Selbstversuch der Sozialdezernentin.
Gegen halb neun am Donnerstagabend traten zwei Menschen vor den Haupteingang des Römers. Sie hatten ein Paket abzugeben, doch die Polizei, die sich vor der Tür postiert hatte, wollte sie nicht hineinlassen. Nur nach einiger Diskussion gelang es den Boten, ihr Paket den Sicherheitsleuten im Rathaus zu überreichen: einen goldenen Schlafsack – mit freundlichen Grüßen an die Sozialdezernentin Daniela Birkenfeld (CDU).

Mit dieser symbolischen Aktion griffen die Aktivisten den Vorschlag der Stadträtin auf, dass Obdachlose – wie etwa die Rumänen auf der Industriebrache im Gutleutviertel – in der B-Ebene der Hauptwache übernachten sollten. Mit dem goldenen Schlafsack war die Bitte verbunden, den Selbstversuch zu wagen, um am eigenen Leib zu erfahren, wie sich das Schlafen dort anfühlt.

Obdachlosigkeit war nur ein Aspekt des großen Themas, um das es bei der Demonstration „Campus für alle, Stadt für alle“ ging. Mehrere hundert, meist junge Menschen zogen am Donnerstag von der Bockenheimer Warte durchs Westend und durchs Bahnhofsviertel in die Innenstadt, um gegen „flächendeckende Mieterhöhungen und Luxus-Neubauprojekte“ zu protestieren. Sie forderten bezahlbaren Wohnraum, etwa im geförderten Wohnungsbau, in Studentenwohnheimen und gemeinschaftichen Wohnprojekten.

Der Ausgangspunkt der Demo, Bockenheim, war an diesem Abend bewusst gewählt: Hier verwandeln die Stadt und die städtische Wohnungsbaugesellschaft ABG Frankfurt Holding den Noch-Uni-Campus in einen Kulturcampus. Parallel zum Protestzug debattierte die Stadtverordnetenversammlung über den Bebauungsplan, den sie schließlich auch verabschiedete. Doch dieser regelt nur die Rahmenbedingungen, keine konkreten Bauvorhaben. Institutionen wie etwa der Asta der Goethe-Universität kritisieren, dass immer noch nicht feststehe, was mit dem Studierendenhaus und dem Wohnheim auf dem Gelände passieren soll.

Dafür ist die Zukunft des Philosophicums konkreter: Am Montag hatte die ABG verkündet, dass das denkmalgeschützte ehemalige Uni-Gebäude an die Projektgruppe verkauft werden soll, die darin ein gemeinschaftliches Wohnprojekt realisieren will. 6,1 Millionen Euro beträgt der Kaufpreis, insgesamt 23 Millionen Euro will die Projektgruppe investieren, um den Kramer-Bau wieder bewohnbar zu machen. „Ich habe keine Zweifel, dass das klappen wird“, sagte Anette Mönich von der Projektgruppe dem JOURNAL FRANKFURT. "Das ist ein tolles Projekt." Die Kalkulation sei solide, gründe auf Zahlen, die die ABG erhoben hat, nun wolle man versuchen, die geplanten Kosten senken, während gleichzeitig die Suche nach Geldgebern laufe. Dabei hoffe die Gruppe auf Unterstützung von Stadt, Land und Bund.

„Das Risiko ist nicht groß“, sagte sie. „Das Haus sieht zwar von außen ranzig und verwahrlost aus, von innen ist es aber in einem guten Zustand.“ 150 Menschen sollen dort einmal wohnen, darunter auch die 130 Mitglieder der Projektgruppe. Mönich hofft, dass der Umbau Ende des Jahres losgehen kann, Ende 2016 oder Anfang 2017 sollen die ersten Mieter einziehen. Zunächst aber gibt sich Mönich erfreut über den Etappensieg und das Wohlwollen aus der Politik: „Es zeigt, dass man was bewegen kann, wenn man dranbleibt“, so die Aktivistin.

Auch der Förderverein Roma will ein Wohnprojekt auf dem Kulturcampus realisieren. Bisher hat die Idee, dafür eine der Villen in der Georg-Voigt-Straße zu nutzen, keine Unterstützer bei der Stadt gefunden. Am Donnerstag machte Joachim Brenner, Geschäftsführer des Fördervereins, erneut auf die Dringlichkeit des Projekts aufmerksam, da Roma auch in Frankfurt nicht nur in einem „unbeschreibbaren Elend“, sondern auch unter Vertreibung, Kontrolle und Repression zu litten hätten. Darüber hinaus forderte die Aktion Leerstelle, die am 15. März eine der Villen besetzt hatte, dass ihr die Stadt selbstverwaltete Räume für ein kulturelles Zentrum zur Verfügung stelle. Eine Aktivistin kritisierte die „elitäre und profitorientierte Stadtgestaltung“.

Einen Zwischenstopp machte die Demo vor der ABG-Zentrale im Bahnhofsviertel, wo ein Aktivist Mieterhöhungen der städtischen Wohnungsbaugesellschaft anprangerte und die Politik aufforderte, sich für niedrige Mieten einzusetzen. Den Appell dürfte jedoch kaum ein Mitarbeiter der ABG gehört haben – die hatten bereits Feierabend.
4. April 2014
Lukas Gedziorowski
 
 
Fotogalerie:
{#TEMPLATE_news_einzel_GALERIE_WHILE#}
 

Leser-Kommentare

Kommentieren
Schreiben Sie den ersten Kommentar.
 
Mehr Nachrichten aus dem Ressort Wohnen in Frankfurt
 
 
Explodierte Baukosten im Westend
0
Prestigebauprojekt Onyx ist insolvent
Mit First-Class-Apartments und den teuersten Wohnungen der Stadt machte das Immobilienprojekt Onyx von sich reden. Letztlich scheiterte der hohe Anspruch an den Baukosten von fast 90 Millionen Euro. – Weiterlesen >>
Text: Nicole Brevoord / Foto: © Bernd Kammerer
 
 
Das Institut für vergleichende Irrelevanz wurde einst von der Polizei geräumt. Vier Jahre später steht es bei Immoscout als "Stück Frankfurter Geschichte" zum Verkauf. Und dann wäre da noch das Opernplatz-Living. – Weiterlesen >>
Text: Nils Bremer / Foto: nil
 
 
Fast 200 neue Wohnungen am Offenbacher Hafen
0
Frankfurt und Offenbach kommen sich näher
An der Offenbacher Hafenpromenade starten die Baumaßnahmen für ein spektakuläres Wohnprojekt: Mit den Marina Gardens werden auf 7.300 Quadratmetern fast 200 moderne Wohnungen errichtet. – Weiterlesen >>
Text: Sadaf Sharaf / Foto: Sadaf Sharaf
 
 
 
Frankfurt bekommt ein neues Stadtquartier
1
Rund 2000 neue Wohnungen sollen am Römerhof entstehen
In Frankfurt soll ein neues Stadtquartier entstehen. Planungsdezernent Mike Josef (SPD) und Oberbürgermeister Peter Feldmann (SPD) zeigten am Freitagmorgen die Pläne für die Stadterweiterung am Römerhof. – Weiterlesen >>
Text: Tamara Marszalkowski / Foto: Stadt Frankfurt
 
 
Zeilnebenstraßen und neue Wohnhochhäuser
0
Die Transformation der Frankfurter Innenstadt im Audio-Guide
Die City verändert sich: Die Nebenstraßen der Zeil putzen sich nach und nach heraus, neue Wohnhochhäuser entstehen. Mit einem Audio-Guide versucht die Stadt, die Entwicklung erfahrbar zu machen. – Weiterlesen >>
Text: Nils Bremer / Foto: nil
 
 
<<
<
1  2  3  4  ...  27 
 
 
 
Wohnen in Frankfurt
Im Mai 2016 ist eine Neuauflage unseres Sonderheftes "Wohnen in Frankfurt" erschienen. Hier finden Sie weitere Nachrichten und Informationen zu diesem Thema.

Twitter Activity