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Sportvereine in der Corona-Krise
 

Sportvereine in der Corona-Krise

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Sportkreis wünscht sich Wiederaufnahme des Betriebs

Foto: Joshua Hoehne/Unsplash
Foto: Joshua Hoehne/Unsplash
Die Soforthilfe des Landes für gemeinnützige Vereine gilt in Vereinskreisen als nicht optimal. Nun soll aber auch die wirtschaftliche Unterstützung greifen. Von der eingeschränkten Wiederaufnahme des Betriebs könnten während der Corona-Krise viele profitieren.
Am Montagnachmittag hatte der hessische Ministerpräsident Volker Bouffier (CDU) ein Soforthilfeprogramm der Landesregierung für gemeinnützige Vereine vorgestellt. Ab dem 1. Mai kann die Hilfe beantragt werden. „Die Vereine sind der Kitt, der unsere Gesellschaft zusammenhält und deshalb müssen wir handeln“, betonte Bouffier. Die Beschränkungen aufgrund der Corona-Pandemie haben bei vielen der rund 40 000 Vereine und ehrenamtlichen Initiativen in Hessen finanzielle Not ausgelöst. Demnach sollen Sport- und Kulturvereine sowie andere Initiativen mit bürgerschaftlichem Engagement, die nicht von der öffentlichen Hand getragen werden, je nach Situation bis zu 10 000 Euro Unterstützung erhalten. Bouffier räumte im Zuge der Ankündigung allerdings ein: „Üppige Beträge sind das nicht, es kann damit allerdings ein wesentlicher Beitrag für den Zusammenhalt und das soziale Leben in Hessen geleistet werden.“ Am Mittwoch hatte Sportdezernent Markus Frank (CDU) die Einrichtung eines „Corona-Helpdesk“ beim Sportamt angekündigt. „Dort bündeln wir die Hilfsmaßnahmen von Land und Bund“, so Frank. Ein Spezialisten-Team übernehme bei Bedarf auch Beratung und Hilfestellung etwa beim Ausfüllen der Hilfsanträge bis hin zur Koordinierung bei schwierigen Einzelfällen.

Viele gemeinnützige Vereine sind auch Wirtschaftsbetriebe

Der Sportkreis Frankfurt e.V. ist die Dachorganisation der Frankfurter Turn- und Sportvereine. Er vertritt die Interessen der rund 420 Frankfurter Turn- und Sportvereine. Anfang April hatte der Sportkreis Frankfurt die Einkommensverluste von 60 seiner Mitgliedsvereine in einer Befragung ermittelt. Dabei kam heraus: Der Betrag von 10 000 Euro ist zu gering für die Bedürfnisse der Vereine, besonders wenn auf sie wirtschaftliche Einbrüche durch den Betrieb einer Gaststätte oder die Verpachtung von Sportanlagen zukomme. „Ich rechne der Landesregierung diese Unterstützung hoch an. Eine passgenaue Unterstützung im Einzelfall wäre aber sinnvoller“, sagte der Vorsitzende des Sportkreises Roland Frischkorn. So gebe es Vereine, die so gut wie keine Verluste verzeichneten, da sie ihren gemeinnützigen Betrieb durch die Mitgliedsbeiträge aufrechterhalten. Andere Vereine, wie beispielsweise die Turnerschaft Griesheim mit rund 5000 Mitgliedern habe alleine im März einen Einbruch von 9300 Euro erlitten. Am Mittwoch kam dann die nachträgliche Information: Vereine mit einem wirtschaftlichen Geschäftsbetrieb könnten sich aus dem zweiten Programm, der Soforthilfe des Landes, ebenfalls behelfen. In welchem Umfang das bei gemeinnützigen Vereinen möglich ist, ist allerdings nicht klar.

Deutscher Olympischer Sportbund will erste Lockerungen vorantreiben

Durch das Coronavirus finde derzeit kein Sport statt. Der stufenweise Anfang für den Sportbetrieb rücke aber in greifbare Nähe, sagte vergangenen Mittwoch Jens-Uwe Münker, Abteilungsleiter Sport im Hessischen Innen- und Sportministerium. Am 14. April hatte der Deutsche Olympische Sportbund (DOSB) ein Positionspapier veröffentlicht, in dem er erste Leitplanken zur einer Wiederöffnung des Sports vorstellte. „Wir wollen durch angepasste Regeln im Sport ein bestmögliches Maß an ‚sozialer Distanz‘ ermöglichen, um unserer gemeinsamen Verantwortung dabei auch weiterhin gerecht zu werden, die Zahl der Neuinfektionen mit dem Coronavirus auf einem für unser Gesundheitssystem beherrschbaren Niveau zu halten.“, so der Sportbund. Gleichzeitig wolle man aber auch der durch Kontakt- und Ausgangsbeschränkungen resultierenden Vereinsamung und dem Bewegungsmangel sowie den hohen sozialen und psychischen Belastungen in den Familien entgegenwirken.

Neben den allgemeinen Vorgaben wie Distanz halten und den Hygieneregeln, schlägt der DOSB für das Training vor, nur noch zu Hause zu duschen und umzuziehen, die Trainingsgruppen zu verkleinern, Freiluftaktivitäten vorzuziehen, Fahrgemeinschaften vorübergehend auszusetzen und Veranstaltungen sowie Mitgliederversammlungen und Feste zu unterlassen. Insgesamt hat der Sportbund zehn Leitplanken aufgestellt und fordert damit Bund und Länder auf, ersten Lockerungen im Sportbereich zuzustimmen. Entlang dieses Orientierungsrahmens werde der DOSB seine Sportfachverbände und die dazugehörigen Verbandsärzte auffordern, sich mit sportartspezifischen Übergangsregeln für die Wiederaufnahme des Trainingsbetriebs und wenn möglich eines modifizierten Wettkampfbetriebs auseinanderzusetzen.

Der Sportkreis Frankfurt teilt die Meinung des DOSB und hofft auf Lockerungen ab dem 4. Mai in Abstimmung mit dem Frankfurter Gesundheitsamt. „Bei Tennis beispielsweise habe ich das Verbot von Anfang an nicht verstanden. Es findet meistens draußen statt und zwischen den Spielerinnen und Spielern kann ein Abstand von 24 Meter eingehalten werden“, so der Sportkreisvorsitzende Roland Frischkorn. Das gelte auch für Golf, Reiten oder andere Sportarten, bei denen ein großer Abstand problemlos gewährleistet werden könne. Die Wiederaufnahme des Betriebs könne zudem größere wirtschaftliche Problemen für den Verein vermeiden. Außerdem solle es zuerst für besonders sensible Zielgruppen möglich sein, sportliche Angebote wieder wahrzunehmen. Das gelte für Kinder, Ältere und Menschen mit Gesundheitsbeschwerden: „Wenn Gesundheit Vorrang hat, wie derzeit oft zu lesen ist, dann müssen wir als erstes Präventions-, Reha- und Herz-Kreislauf-Kurse oder Programme wie ‚Aktiv bis 100‘ öffnen“, so Frischkorn. Was ihn störe, sei die Forderungen den Profisport wieder aufzunehmen, während der Breitensport stillstehe. „Man muss aufpassen, dass man die beiden Lager nicht gegeneinander ausspielt, da sie aufeinander angewiesen sind.“ Dabei räumt der Sportkreisvorsitzende ein: „Es handelt sich aber auch um Wirtschaftsbetriebe und das käme einem Berufsverbot gleich. Wir müssen generell aufpassen, dass durch die Lockerungen jetzt nicht ein neuer Hype entsteht, bei dem sich die Leute sagen: ,Es wird schon nicht so schlimm sein, sonst wären ja die Lockerungen nicht‘.“
 
24. April 2020, 12.35 Uhr
Johanna Wendel
 
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