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Wie geht es Frankfurts Games-Schmiede Crytek?

Foto: Harald Schröder
Foto: Harald Schröder
Das Jahr 2014 war nicht einfach für Crytek: Berichte um eine drohende Pleite warfen ein schlechtes Licht auf den Spielehersteller. Nur Monate später scheinen die negativen Schlagzeilen vergessen.
Betritt man die Hauptniederlassung von Crytek in Frankfurt, ist von einer Krise nichts zu sehen, dabei waren die Medienberichte über das Unternehmen zu Beginn des Sommers mehr als negativ. Der Spielehersteller stünde kurz vor der Pleite, die Mitarbeiter rennen in Scharen davon, eine Übernahme durch das russische Unternehmen Wargaming sei wahrscheinlich, hieß es noch im Sommer in verschiedenen Onlinemedien.

Doch nur wenige Monate nach diesen Schlagzeilen, gibt es den größten deutschen Spieleentwickler noch immer und Avni Yerli, der das Unternehmen 1999 gemeinsam mit seinen beiden Brüdern gegründet hat, blickt zuversichtlich in die Zukunft. Die Krise gab es, wie er offen zugibt, doch man habe sie bestmöglich gemeistert. „Ich glaube das, was Crytek durchlebt hat, steht der Mehrheit unserer Industrie noch bevor, nämlich der Wandel“, sagt Avni Yerli.

Eine Überraschung sei die Durststrecke selbst daher nicht gewesen, sie habe nur viel länger gedauert als erwartet. Das ging natürlich auch an den Mitarbeitern nicht spurlos vorbei, doch es sei stets das Ziel gewesen, so viele Stellen wie möglich aufrechtzuerhalten. Daher habe man sich auch entschieden, die Niederlassung im englischen Nottingham mitsamt des dort laufenden Projekts „Homefront“ an das Unternehmen Koch Media zu verkaufen. „Die Aktivitäten, die in Nottingham stattfanden, waren nicht unbedingt den Kerngeschäften Cryteks zuzuordnen“, sagt Avni Yerli. „Aber natürlich wollten wir so viele Mitarbeiter wie möglich dort aufrechterhalten, sodass für uns ein Transfer des Projektes und des gesamten Teams an unseren Co-Publishing-Partner Koch Media das Sinnvollste war.“

Auch das Studio Austin in Texas muss zurzeit einige Veränderungen mitmachen, doch auch dort bemühe man sich um eine bestmögliche Lösung für alle Beteiligten. „Das Projekt, das dort begonnen wurde, ist sehr spannend. Es wurde die Entscheidung getroffen, es nach Frankfurt zu holen, um es hier besser und schneller produzieren zu können. Wir haben den Mitarbeitern angeboten, mit hierherzuziehen oder innerhalb von Crytek anderweitig unterzukommen.“ Geschlossen wird die Niederlassung nicht, lediglich der Fokus wird in Zukunft ein anderer sein.

Wichtig ist Avni Yerli klarzustellen, dass seine Brüder und er den Angestellten Cryteks niemals diese schwierige Phase zumuten wollten. Verschiedene Medien hatten bereichtet, die Geschäftsführer würden ihren Mitarbeitern keine Löhne mehr zahlen oder erst nach längerer Verzögerung: "Der heutige Stand ist, dass alles in Ordnung ist, wir haben alle unsere Verpflichtungen gegenüber unseren Mitarbeitern geleistet. Unsere Mitarbeiter sind voll motiviert und auf den Erfolg von Crytek ausgerichtet."

Zu den Spekulationen um einen möglichen Verkauf der Firma sagt Yerli: "Kaufinteresse gab es seit "Farcry" eigentlich immer. De facto ist Crytek heute vollkommen unabhängig, wie es das auch vor sechs Monaten war. Wir gehen davon aus, dass ein Verkauf auch in Zukunft kein Thema wird."

Bei dem Projekt, das nun nach Frankfurt verlegt wird, handelt es sich um das Spiel „Hunt: Horrors of the Gilded Age“. Wann genau die Entwicklung abgeschlossen sein wird, möchte Avni Yerli noch nicht verraten, lange kann es jedoch nicht mehr dauern. „Für uns ist sehr wichtig, dass unsere Spiele hochwertig sind. Sie müssen eine Top-Qualität haben und wir müssen auch technologisch ganz weit vorne spielen. Der Spielspaß muss gegeben sein. Und erst, wenn wir mit dem Spiel diesen Stand erreicht haben, werden wir in einzelne Testphasen gehen. Aber die Entwicklung geht sehr rasant voran hier in Frankfurt.“

In Zukunft möchte sich das Unternehmen vor allem auf free-to-play Games wie „Warface“ und „Arena of Fate“ konzentrieren; letzteres konnte erst vor kurzem auf den Spielemessen E3 in Los Angeles und Gamescom in Köln überzeugen. „Wir erhalten konstant gutes Feedback, was uns sehr ermutigt, das richtige Konzept gewählt zu haben. Crytek ist für die Zukunft sehr gut positioniert.“

Eine Version dieses Artikels erschien zuerst in der Print-Ausgabe des Journal Frankfurt. Hier können Sie ein Abonnement abschließen, hier die Digitalausgabe herunterladen.
 
22. September 2014, 11.36 Uhr
Ronja Merkel
 
Ronja Merkel
Jahrgang 1989, Kunsthistorikerin, von Mai 2014 bis Oktober 2015 leitende Kunstredakteurin des JOURNAL FRANKFURT, seit September 2018 Chefredakteurin. – Mehr von Ronja Merkel >>
 
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