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Karstadt bleibt bis mindestens 2025
 

Karstadt bleibt bis mindestens 2025

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Vier Jahre und vier Monate

Foto: © Bernd Kammerer
Foto: © Bernd Kammerer
Vier Jahre und vier Monate wird die Karstadt-Filiale auf der Zeil nun vorerst bleiben und damit auch ihre 240 Beschäftigten. Was danach passiert, ist noch unklar. Für den innerstädtischen Bereich nimmt sich die Stadt derweil eine prägende Umstrukturierung vor.
Der Karstadt-Standort auf der Zeil bleibt erhalten. Am vergangenen Freitag gab die Stadt Frankfurt bekannt, sich mit Galeria Karstadt Kaufhof und deren Eigentümerin Signa auf einen Erhalt des Warenhauses geeignet zu haben – vorerst zumindest bis 2025. Dadurch können nun auch 240 Beschäftigte ihre Stelle behalten. Betriebsbedingte Kündigungen schließe man für die kommenden vier Jahre und vier Monate weitgehend aus. Die bereits im Zuge des Schutzschirmverfahrens ausgesprochenen Kündigungen werden zurückgenommen. Gemeinsam mit dem Vermieter habe sich das Team rund um den Geschäftsführer von Galeria Karstadt Kaufhof für den Standort eingesetzt und bis zuletzt auf eine ökonomisch tragbare Lösung hingearbeitet, hieß es vom Planungsdezernat. Hinfällig wäre die Einigung, sollte die Karstadt-Kaufhof GmbH in die Insolvenz geraten.

Lange habe man mit Investor René Benko und Vermieter Uwe Sahle diskutiert und täglich mit dem Betriebsrat in Kontakt gestanden, teilweise um zwei bis drei Monate mehr bis zur Schließung auszuhandeln, sagte Planungsdezernent Mike Josef (SPD) am Montag. „Viele der Beschäftigen sind in etwa 55 Jahre alt, gehören teilweise seit 20 oder 30 Jahren zum Betrieb und haben noch eine klassische Einzelhandelsausbildung.“ Für sie seien vier Jahre und vier Monate eine angemessene Zeit, um über ihren Renteneintritt oder den Übergang in eine Teilzeitstelle nachzudenken, so Josef. Aber auch städtebaulich und betriebswirtschaftlich könne man in vier Jahren noch weiterplanen. Wichtig sei es vorerst noch gewesen, das Weihnachtsgeschäft 2024 mitzunehmen. Anders als beim Bauunternehmen Holzmann ging es aber nicht um eine „Rettung auf Ewigkeit“.

„Ohne die Stadt und die Politik hätten wir das nicht geschafft, wir sind wirklich sehr dankbar“, sagte der stellvertretende Karstadt-Betriebsratsvorsitzende Rainer Hopf. Der Faktor Mensch habe im Hintergrund gestanden, ergänzte er. Auf Unternehmensseite werde immer mit Wirtschaftlichkeit argumentiert, dabei habe der Karstadt-Standort auf der Zeil Schwarze Zahlen geschrieben. „Nicht in dem Umfang wie früher, aber dennoch würden wir gerne weiter Verhandlungen darüber führen, wie es weitergeht. Auch die jüngeren Angestellten bei Karstadt haben eine Zukunft verdient.“

Kati Strack, ebenfalls vom Betriebsrat bei Karstadt, betonte zudem, dass sie während des mehrmonatigen Verhandlungsprozesses dauerhaft Unterstützung von der Stadt erhalten habe. „Ich war teilweise in einem ziemlichen Tief. Die vergangenen drei Monate werde ich wohl nie vergessen. Für den Erhalt der Filiale will ich mich aber dennoch weiter einsetzen“, sagte Strack. Eine Entgegnung des Planungsdezernenten blieb daraufhin nicht aus. „In der Dimension, wie sie momentan ist, können wir die Filiale auf lange Sicht nicht erhalten. Ich schließe aber nicht aus, dass Karstadt in kompakterer Form bestehen bleiben wird“, sagte Josef. An der Hauptwache werde Galeria Kaufhof hingegen erweitert. Im Nachbarobjekt „UpperZeil“ plane man zudem die Entstehung von zusätzlichen Verkaufsflächen. An der Hauptwache 1 solle ein neues Büro-, Wohn- und Geschäftshaus entstehen und an der Kreuzung Kleiner Hirschgraben/Katharinenpforte eine gastronomische Nutzung etabliert werden.

Frankfurt bewirbt sich für „Post-Corona-Stadt“

Insgesamt wird die Strukturierung und Nutzung der Innenstadt von der Stadt Frankfurt und mehreren Planungsunternehmen aktuell vollständig neu gedacht. „Klar ist, dass es die Zeil, wie sie heute aussieht, in fünf bis sieben Jahren nicht mehr geben wird“, betonte Josef. Aktuell gebe es erste Voruntersuchungen darüber, welche Gebäudehöhe am Opernplatz möglich sei, ohne diesen zu verschatten. Mit dem Opernplatz und der Wallanlagen grenzten attraktive öffentliche Räume unmittelbar an die Liegenschaft Opernplatz 2, die seit März 2020 im Eigentum der Signa stehe. Aufgrund der „herausragenden städtebaulichen Bedeutung“ solle ein längerer Leerstand vermieden und eine Belebung des öffentlichen Raums durch entsprechende Nutzungen im Gebäude erreicht werden.

Für den aktuellen Karstadt-Standort auf der Zeil könne man sich eine museale Nutzung vorstellen. Eine feste Gebäude- sowie Nutzungsplanung gebe es jedoch noch nicht. Eingeschlossen seien dabei die Themenkomplexe Mobilität, öffentlicher Raum, Einzelhandel, Verwaltung und Kultur. Dafür will sich Frankfurt für die bundesweite Ausschreibung des Bundesinnenministerium, des Bundesministeriums für Bau und Heimat (BMI) und des Bundesinstituts für Bau-, Stadt- und Raumforschung (BBSR) „Post-Corona-Stadt“ bewerben. Das Projekt will damit zehn bis 15 Vorhaben mit insgesamt rund 3,5 Millionen Euro Bundesmittel fördern.

Die Stadt wolle für die kommenden eineinhalb bis zwei Jahre nun die Planung aufnehmen. Dafür werde man Workshops mit dem Koordinierungskreis, Ämterrunden und Projektpartnern starten, öffentliche Innenstadtdialoge führen, in die Konzeption gehen und als Endergebnis 2023 eine Ausstellung der „Post-Corona-Innenstadt“ im Deutschen Architekturmuseum veranstalten. „Erster Schritt ist es aber nun erstmal Teil des Bundesprojekts zu werden“, sagte Josef. Was das Thema Städtische Bühnen angeht, bleibt der Planungsdezernent bei seinem Standpunkt, diese in der Innenstadt behalten zu wollen. Am Beispiel von Toronto habe er gesehen, was es ausmache, Theater und Bühnen in die Innenstadt zu holen und wie gut dies funktionieren könne.
 
14. September 2020, 14.24 Uhr
Johanna Wendel
 
Johanna Wendel
Jahrgang 1993, Technikjournalismus-Studium an der Hochschule Bonn-Rhein-Sieg, seit Januar 2019 beim Journal Frankfurt. – Mehr von Johanna Wendel >>
 
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