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Handwerkskunst trifft auf Erlebniswelt
 

Handwerkskunst trifft auf Erlebniswelt

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Investor will Porzellanmanufaktur lifestyliger aufstellen

Foto: nb
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Der aus Taiwan stammende Investor Evan Y. Chung will die traditionsreiche, aber zuletzt insolvente, Höchster Porzellan-Manufaktur in die Zukunft führen. Ein Teehaus und ein Altstadtladen sollen die Marke erlebbar machen.
Die Zukunft der neun kreativen, kunstfertigen Mitarbeiter der „Höchster Porzellan-Manufaktur 1746“, wie sie neuerdings heißt, ist gerettet. Der aus Taiwan stammende Evan Chung, dessen Firma Zeva in Hongkong sitzt und eine Niederlassung in Darmstadt hat, will die geschichtsträchtige aber in der Vergangenheit in finanzielle Schieflage geratene Manufaktur in Höchst belassen und wirtschaftlich auf stabile Beine stellen. Chungs Firma ist auf Badaccessoires spezialisiert und wird mit dem in Deutschland handgefertigten Qualitätsporzellan bestimmt langfristig auch in Asien neue Märkte erschließen.




Der künstlerische Leiter Mario Effenberger und Investor Evan Y. Chung

Zunächst gilt es aber die Marke in der Heimat an den Bedarf einer jüngeren Klientel anzupassen. Chung setzt dazu auf eine Erlebniswelt, die nicht nur das wertvolle Kunsthandwerk in den Vordergrund rückt, sondern auch auf sinnliche Weise Begehrlichkeiten weckt. Ein Baustein soll das neue Geschäft der Porzellan-Manufaktur am Markt 36 in der neuen Altstadt sein. Zentral gelegen, ist das Warenportfolio dann ab September nicht nur den Frankfurtern zugänglich, sondern auch Touristen, denen Chung einen Lieferservice nach Hause für die gekauften Waren anbieten möchte. Man sei auch auf der Suche nach einem Standort für ein HPM Haus, eine Art Café am besten nahe der Goethestraße, in dem man Afternoon Tea servieren könne, freilich mit Höchster Porzellan und auch das Dekor der Törtchen solle die Handwerkskunst der Porzellan-Manufaktur versinnbildlich. Zum Konzept gehört auch, dass man das verwendete Geschirr dann auch nachkaufen kann. Ferner sollen auch der Verkaufsraum der Manufaktur ebenso wie die ganze Verpackung und auch die Lagerhaltung einer Modernisierung unterzogen werden.





„Herr Chung hat sich vor einiger Zeit bei uns gemeldet“, sagt Wirtschaftsdezernent Markus Frank (CDU), der auch berichtet, dass die Stadt, das Land Hessen und auch die Wirtschaftsförderung Frankfurt einen Anteil an der Rettung der Manufaktur hatten. Schon 2014 habe Chung einen Firmenstandort und eine Partnerschaft in Frankfurt gesucht. „Die schlimme Nachricht der Insolvenz am 19. Januar hat dann angestoßene Prozesse beschleunigt“, so Frank. „Uns ist wichtig, dass alle Mitarbeiter, alles hochqualifizierte Künstler, hier in Höchst eine Perspektive haben.“





Chung, Jahrgang 76, sagt von sich selbst, er wohne im Flugzeug. Tatsächlich pendelt er wohl viel zwischen Taiwan und Hongkong und nun auch Europa. Gerne zeigt der Unternehmer seine Lieblingsstücke in der Manufaktur, etwa einen kunstvollen aber traditionellen Teller mit vielen Durchbrüchen. Handarbeit in Präzision. Das würde er gerne auch zukunftsfähig machen. Ebenfalls angetan ist er von zarten Figuren für jeweils um die 2680 Euro, die Personen mit leicht asiatischer Anmutung darstellen. „So haben sich die Europäer früher Asien vorgestellt“. Chung sagt von sich: „Ich habe großes Interesse an der Kunst.“ Auch sein Unternehmen Zeva Life habe mit Kunst zu tun, sei mehrfach mit Designpreisen gewürdigt worden. Chung war wichtig, die Jahreszahl in den Namen der Manufaktur zu integrieren: „Wir sollten nicht vergessen, dass die Marke viel Knowhow und Geschichte in sich trägt“. Seiner Meinung solle die Marke Höchster Porzellan-Manufaktur 1746 Lifestyle, Erlebnis, Produktion und Kunst miteinander verschmelzen. „Der Brandspirit soll erlebbar sein“. Ein Jahr werde die Umsetzung des Konzeptes wohl dauern. Mit Kapital, einer globalen Vernetzung und der Expertise will Chung „Höchster“, wie er es nennt, auf ein neues Niveau heben.





Mario Effenberger ist langjähriger Mitarbeiter, der künstlerische Leiter der Manufaktur, und wird künftig auch für den Laden in der neuen Altstadt verantwortlich zeichnen. „Wir haben zwei Wochen lang intensive Gespräche geführt, wo die Manufaktur hingehen kann und die Pläne klingen plausibel“. Es gehe nun darum, die jüngere Generation anzusprechen, für neue Käuferschichten attraktiv zu werden. „Die traditionellen Porzellane haben ihre Berechtigung, aber die Tafelkultur hat sich verändert. Der Laden soll eine Ehrfurcht vor der Tradition und der Geschichte hervorbringen. Wenn wir ein modernes Design machen wollen, wird es immer auch eine Anbindung an die Historie geben“, so Effenberger. Und Herr Chung sagt: „Höchster Porzellan soll nicht langweilig sein, sondern zum Erlebnis werden!“



21. Juni 2018
Nicole Brevoord
 
Nicole Brevoord
Jahrgang 1974, Publizistin, seit 2005 beim JOURNAL FRANKFURT als Redakteurin u.a. für Politik, Stadtentwicklung, Flughafen, Kultur, Leute und Shopping zuständig – Mehr von Nicole Brevoord >>
 
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Leser-Kommentare

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Martina Schoder am 22.6.2018, 12:03 Uhr:
Viel Glück und großen Erfolg wünsche ich dem zukünftigen Wirken der Höchster Porzellan-Manufaktur 1746. Soso, „Der Brandspirit soll erlebbar sein“, also der Geist dieser Marke, er lebe hoch hoch hoch! Und auch der Text möge der deutschen Tradition in Frankfurt Höchst korrekt und treu bleiben - " ... die Marke in der Heimat an den bedarf einer jüngeren Klientel anzupassen." Indeed, English writing has no capital letters, but German does :) und dann auch noch "lifestyliger", lifestyle ist was anderes. Das Logo ist so schön, mitten auf der Oberseite eines Tellers wäre toll, auch wenn HÖCHST anstatt OE ein Ö trägt. Viel viel Glück dem Porzellan, in der neuen Altstadt mit Tee im Café.
 
 
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